Bühne
22. Februar 2008
Schauspielhaus: Wer ist der Böse?

In einer von Political Correctness geprägten Welt ist es schwierig damit umzugehen, wenn der Jude das Opfer ist – oder der Täter. Beim “Kaufmann von Venedig” ist er beides ein bisschen. Wobei es viel mehr darum geht, wie das Umfeld mit dem Juden Shylok umgeht als umgekehrt.
Regisseur Stefan Pucher bietet keine Angriffsfläche, lässt sich nicht auf eine eindeutige Interpretation oder Moral ein. Er fährt mit einer riesigen und tollen Ausstattungsmaschinerie auf, setzt auf starke Brüche, bewegt sich irgendwo zwischen Spasstheater und bitterem Ernst. Das fasziniert, die Szenen für sich sind zum Teil grossartig, das Puzzle am Schluss zusammenzusetzen gelingt aber kaum; die Teile wollen nicht zusammenpassen. Die Brüche sind zwar schon im Originaltext drin, Pucher verstärkt sie noch. Er lässt Fabian Krüger mit einer Züri-Persiflage glänzen, macht aus der Männerwahl Portias eine heitere Quizshow, der grosse Gerichts-Prozess findet plötzlich in einer Marthaler-ähnlichen Kulisse statt. Weshalb das Ganze? Eine Auflösung gibts nicht – nicht bei Shakespeare und auch nicht bei Pucher.
Das Trio Robert Hunger-Bühler als Shylok, Jean-Pierre Cornu als Antonio und Oliver Masucci Bassanio bilden ein wunderbares Trio. Überhaupt sind die Charakteren hervorragend herausgearbeitet. Das offene Ende und ein wirrer Monolog am Schluss sorgen dafür, dass der Applaus eher bescheiden bleibt. Zu bescheiden für das doch sehenswerte Stück.
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