Bühne


Gessnerallee: Unter-Wasser-Oper

Foto Sava Hlavacek
Die Gruppe kraut_produktionen widmet sich in ihrer neuesten Arbeit “Amphibienmensch” einem Science-Fiction Roman aus den 1920er Jahren. Die Zukunft stellt man sich mit vielen Kabeln und Knöpfen vor und mit Menschen, die im Labor zur Atmung unter Wasser befähigt werden. Auf der Bühne erhält eine Barbiepuppe die Wassertauglichkeit, indem ihr der Unterleib abgesägt und ein Fischschwanz angesetzt wird.
Regisseur Michel Schröder setzt die Geschichte des Sowjet-Autors Alexander Romanowitsch Beljajew mit Mitteln um, wie man sie aus dem Kindertheater kennt. Die Figuren sind alle tollpatschig überzeichnet: einer trägt einen engen Ganzkörperanzug, mehrere Männer mühen sich auf Stöckelschuhe ab, ein anderer hat einen übergrossen Schnauz aufgeklebt. Die Musik wechselt von punkig bis atmosphärisch, eine spannungsvolle Wundertüte.
Herausragend ist der Countertenor Philipp Caspari. Einen Sänger zu hören, der mit der Stimme einer Frau singt, ist immer wieder faszinierend — erst recht wenn einer es so sanft und facettenreich tut wie Caspari.
Das Stück dürfte etwas dichter sein, ansonsten ist diese Entführung in die wunderliche Sowjet-Science-Fiction-Welt von 1927 in der Gessnerallee ein lohnendes Abenteuer.   

Kommentare (2) zu “Gessnerallee: Unter-Wasser-Oper”

  1. Pavel schrieb:

    Stimme vollkommen zu. Nur: Stimme einer Frau? Countertenöre sind Männer und haben die Stimme von Männern. Es passt nur nicht ins gängige Klischee, dass Männer auch hoch singen können. Raus aus dem Körper-Stereotyp-Gefängnis!
    Philipp Caspari war tatsächlich sensationell. Px

  2. fastkultur schrieb:

    Caspari! Schon alleine wegen ihm lohnt sich der Abend, echt! Aber: War heute Abend im Neumarkt: “radiOthello” – für mich die wirkliche Theatersensation dieses Jahres: Jeder Schauspieler ein Caspari, mindestens! Unbedingt hingehen und auf kulturblog.ch von den eigenen Rezeptionserfahrungen berichten!