Kunst/Museen


180 Millionen in drei Minuten

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Und ich war mal in einem Museum, da habe ich in 49 Minuten 743 Millionen gesehen.

Kunst/Museen


Bührle-Raub: Kunsthaus-Erweiterung hinfällig?

Das Kunsthaus will einen Erweiterungsbau für 150 Millionen Franken, vorwiegend, um dort die Bührle-Sammlung unterzubringen. Die Frage des Tages lautet insofern: Wenn die bedeutendsten Bührle-Bilder gestohlen werden, wird dann auch die Kunsthaus-Erweiterung hinfällig?

Sonstiges


Kultur: Das absolut Gute?

Die folgenden Zeilen in der Süddeutschen Zeitung haben in der hochsubventionierten Kulturwelt für einen Sturm der Entrüstung gesorgt:

“Die Kultur ist das absolut Gute. Heute ist sie, neben der Wirtschaft, dem Weltfrieden und der Umwelt, eine der wichtigsten Instanzen in dieser Gesellschaft, die nicht in Zweifel gezogen werden kann. Diese Sphäre wird gefördert und verwaltet: mit insgesamt ungefähr 8 Milliarden Euro von staatlicher Seite. Und es wird immer mehr.”

Die Reaktionen im deutschen Feuilleton auf den Artikel zeigen: Wenn jemand die Kulturförderung in Zweifel zieht, so wird dies als Provokation aufgefasst, wie wenn jemand heute vom Heli-Skiing und Off-Roader-Fahren schwärmt. Was die These des Artikels, “Die Kultur ist das absolut Gute”, geradezu bestätigt.

Kunst/Museen


Pipilotti Rist: Liege & Lounge

Foto rb
Pipilotti Rist musste für ihr Kempin-Spyri-Denkmal an der Uni Zürich ziemlich Prügel einstecken. Ob die überdimensionierte Liege der ersten Schweizer Juristin gerecht werde, sei hier nicht noch einmal abgehandelt. Doch wenns ums Liegen, bzw ums hinfläzen geht, so lohnt sich wieder einmal eine Fahrt nach St. Gallen, zu Pipilottis “Stadtlounge”.
Über zwei Jahre nach der Einweihung wirkt das Gebiet mit dem roten Gummiboden noch immer surreal – ein Wohnzimmer im Freien, das von Autos durchfahren wird. Und noch immer staunt man über den Mut, ein solch grossflächiger künstlerischer Eingriff in eine Stadt zuzulassen. Eigentlich erstaunlich, dass kaum mehr über dieses Projekt gesprochen wird.

Kunst/Museen


Open-Source-Bier

Foto rb
An Open-Source-Software hat man sich gewöhnt, auch dieser Blog hier läuft auf einer Software, die jeder verändern und weiterentwickeln darf, sofern dann auch die Weiterentwicklung für alle gratis zur Verfügung steht. Das Dänische Künstlerkollektiv Superflex testet, ob das Open-Source-Modell auch bei traditionellen Produkten funktioniert.
“Free Beer” heisst das Projekt, die Superflex-Künstler in der neuen Ausstellung “Wouldn’t it be nice… – 10 Utopien in Kunst und Design” im Museum für Gestaltung präsentieren. Die Rezeptur des Bieres steht allen offen, jeder darf sie übernehmen und weiterentwickeln, unter der Bedingung, dass die neue Bierrezeptur wiederum offengelegt wird.
Da die Reproduktion von Software einfach und kostenlos möglich ist, ist bei Open-Source-Software das Endprodukt meist gratis erhältlich. Beim Bier ist das leider nicht der Fall. Nur das Rezept ist gratis, das Bier nicht. Nichts gewesen also mit Freibier (ausser gestern an der Vernissage). Der Biertrinker profitiert beim Creative-Commons-Lizenz-Bier also höchstens vom besseren Geschmack. Und ob der Geschmack auch wirklich besser ist? Ich weiss nicht. Aber bei Kunst sollte Geschmack ja sowieso keine Rolle spielen…
Ansonsten ist die Ausstellung eher enttäuschend, viel Utopisches ist nicht zu sehen. Eindrücklich ist die Modelinie der Spanierin Alicia Framis, bei der sämtliche Kleidungsstücke aus einer chinesischen Flagge geschneidert sind. Offenkundiger kann die “Made in China”-Flut nicht dargestellt werden. Doch auch das ist keine Utopie, sondern Realität.

Sonstiges


Euro08: Kultur darf Fussball nicht konkurrenzieren

Zum Begleitprogramm der Fussball-EM im Sommer gehören auch einige kulturelle Veranstaltungen, wie Stadtpräsident Elmar Ledergerber gestern bekannt gab. Bereits wurden 50 Projekte eingereicht. Wichtig sei, dass diese einen Bezug zu Zürich herstellen und den Fussball nicht direkt konkurrenzieren, erklärte er gemäss Tages-Anzeiger. Den Fussball nicht konkurrenzieren? Es wäre tatsächlich schlecht fürs Image der Stadt, wenn das Stadion plötzlich leer wäre, weil alle Fans lieber ein Theaterstück schauen gehen…

Bühne


Absolut Züri im Vollrausch

Foto Stephan Rappo

Es passt zum Spielort. Die dritte Folge der Theatersoap “Absolut Züri” im Kaufläuten versinkt im Techno- und Drogenrausch. Für einmal ist das Theater näher bei David Lynch als bei Katja Früh; da sind Halluzinationen, Dinge wiederholen sich, die Wahrnehmung spielt verrückt. Und das alles pausenlos begleitet von dem monotonen Technogedröhne. Der Abend ist nicht mehr so leicht geniessbar wie bei den vorhergehenden Folgen. Auch wenns an Spannung gefehlt hat, dass der Stil so plötzlich wechselt, tut der Serie durchaus gut.
Als Star entpuppt sich je länger je mehr Cathrin Störmer als wunderbar trockene Helene: mit ihrer teilnahmslosen Sexnummer liefert sie den Höhepunkt des Abends. Auch der Gast Patrick Frey vermag als schwuler Dr. Death zu überzeugen. 
Hauptgesprächsthema bei den Absolut-Züri-Machern ist jedoch ein anderer Star. In der nächsten Folge in der Winkelwiese übernimmt Mathis Künzler aus der TV-Soap “Verliebt in Berlin” eine Gastrolle. Heerscharen von Teenie-Fans aus dem In- und Ausland bestürmen nun die Vorverkaufsstellen. Das kann ja heiter werden in dem Mini-Theater. Kulturblog.ch wird selbstverständlich dabei sein…

Sonstiges


Kinder als Retter der Kulturbranche

Es gibt immer weniger Kinder – dem Kunst- und Kulturangebot ist dies nicht anzusehen. Gemäss der neuen Schweizer Buchstatistik hat die Anzahl Neuerscheinung bei den Kinderbüchern letztes Jahr um 10 Prozent zugenommen, währenddem die Gesamtanzahl der Neuerscheinungen abgenommen hat. Von der kriselnden Plattenindustrie ist schon länger zu hören, dass Chasperli, Schlieremer Chind, Andrew Bond und Co. die letzten sicheren Einnahmequellen sind. Popmusiker gründen Kinderbands und geben offen zu, dass ihnen dies als finanzielle Basis für ihre andern (unsicheren) Projekte dient. Auch die Museen haben in letzter Zeit ihr Kinderprogramm enorm ausgebaut — oft ist dies ein Kriterium für Subventionen. Und an vielen Stadttheatern ist das Weihnachtsmärchen die meistbesuchte Produktion des Jahres.
Den Kindern gefällts — meistens. Sie ahnen nicht, dass sie längst zu einer bedeutenden Stütze der Kulturbranche geworden sind.

Bühne, Sonstiges


Opernhaus: Sponsoren drohen Probleme

In der neuen Ausgabe des Spiegel liest man, wie das Sponsoring-Engagement der Deutschen Telekom für ein neues Beethoven-Festspielhaus in Bonn zum Politikum wird. Während das Unternehmen aus Kostengründen Leute entlässt, macht es dem Festspielhaus ein Millionenengeschenk. Das heikle daran:

Der Plan für das Millionengeschenk wurde nämlich keineswegs im Telekom-Vorstand oder in der Marketingabteilung geboren. Die teure Idee kam von Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel (…).

Genau so läuft es auch bei den Sponsoren des Zürcher Opernhauses. Intendant Alexander Pereira bezirzt opernliebende CEOs und VR-Präsidenten, diese greifen tief in die Firmenkasse um dann mit Pereira und womöglich einem Opernstar gut Essen gehen zu dürfen. An Premierenfeiern kommt es vor, dass Pereira einem Verwaltungsrat einer grossen börsenkottierten Firma und dessen Ehefrau ausgiebig für ihre Grosszügigkeit dankt. Keine Frage: Dieser Herr hatte auf Firmenkosten dem Opernhaus einen lieben Dienst erwiesen und erntet dafür persönlich die Lorbeeren – ob die Geldzahlung an das Opernhaus der Firma auch etwas bringt ist da unwichtig. Gemäss Spiegel-Artikel sind bei solchem Gebaren sogar strafrechtliche Folgen möglich:

“In einem vertraulichen Papier vom April vergangenen Jahres äußerten Telekom-Juristen schwere Bedenken. Nach zwei Gewinnwarnungen in Folge, heißt es in dem Memorandum, sei ein so kostspieliges Engagement ‘nicht unproblematisch’. Zudem stehe das Beethoven-Festspielhaus — offenbar im Gegensatz zu anderen Aktivitäten im Kultur- und Sportsponsoring — ‘in keinem Bezug zum Unternehmensgegenstand und zum Kundenstamm’. Angesichts der heiklen Konstellation, warnten die Juristen, seien selbst ‘Aktionärsklagen und Strafanzeigen nicht auszuschließen’.”

Der Fall Telekom könnte Signalwirkung haben — mit den entsprechenden Konsequenzen für Pereiras Opernhaus. Und es könnte eine Tendenz beschleunigen, die in den USA schon weit fortgeschritten ist: Die Zuwendungen von Firmen nehmen an Bedeutung ab, jene von Privatpersonen zu.

Kunst/Museen


Die UBS-Maschine

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Es gibt Dinge, bei denen scheitert das menschliche Vorstellungsvermögen. Zum Beispiel beim Betrag von 21 Milliarden Franken – soviel hat die UBS nach heutigem Stand in den USA verspekuliert. Mit dieser Geldvernichtungsmaschine wurde lange viel Geld verdient. Wie geht das? Eine Antwort darauf lieferte vor sechs Jahren Harald Szeemann. Der Geldschredder an der Expo 02 im von Szeemann kuratierten Pavillion der Nationalbank zeigte genau diesen Mechanismus auf. Ein Roboter liess eine 100-Franken-Note nach der andern durch den Schredder, einige Monate lang, 24 Stunden pro Tag. Im Vergleich zur UBS war die Maschine unglaublich ineffizient. Doch dass man sich bei einem Ereignis nach so langer Zeit an ein Kunstwerk erinnert, das zeigt einmal mehr Genialität Szeemanns auf.

Sonstiges


Die Kultur der Zukunft

Das Toni-Areal hat sich einen Claim verpasst:

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“Die Kultur der Zukunft”. Wow! Doch wie sieht die Kultur der Zukunft aus? Das Logo inklusive Claim ist zureit auf den Plakaten für ”das Ausstellungsereignis 2008” zu sehen:

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Eine Ausstellung über das Grab und die Schätze des Tutanchamun. Jetzt wissen wir endlich: die Kultur der Zukunft ist 3300 Jahre alt.