Kunst/Museen


Jonathan Meese: Präpubertär in die Prähölle

Kunstsammler Harald Falckenberg spricht, der Künstler Jonathan Meese steckt sich währenddessen Zahnbürsten in den Mund. Die “Diktatur der Kunst” soll im überfüllten Cabaret Voltaire ausgerufen werden. Das Museum dient als “säkuläre Vorhölle”, die Kunst als Religion der Nichtgläubigen. Und Jonathan Meese ist der Messias, “präpubertär”, wie Falckenberg richtig feststellt. “Jonathan, Mal! Mal! Mal!”, spornt der Kunsttheoretiker Bazon Brock den “Popstar der Kunst” an, dessen Werke an der Art Basel zu enormen Summen die Hand wechseln.
Betrunken streckt Meese den Arm zum Hitlergruss aus, die Fotografen stürzen sich auf ihn; er kann endlos vor sich hin labern und Professor Bazon Brock lobt darauf hin unwidersprochen seine “homerische Grösse”.
Die Wände des Cabaret Voltaire und die Achselhöhlen Meeses sind nun neu bemalt. Auf der Bühne ein gehypter Künstler und ein reicher Kunstsammler, der auch ein bisschen Künstler sein möchte, dazu Bazon Brock als Stichwortgeber von der Seite — die Absurdität des Kunstbusiness könnte kaum besser aufgezeigt werden. So soll Dada sein.

Einige Bilder:

-> Ergänzungen/Anmerkungen dazu auf rebell.tv

Nachtrag: Das Referendum der SVP gegen den Kredit für das Cabaret Voltaire ist zustande gekommen, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Abstimmungstermin sei voraussichtlich der 28. September.

Kommentare (7) zu “Jonathan Meese: Präpubertär in die Prähölle”

  1. /sms ;-) schrieb:

    suuuuuuuuuupr! so muss es gesehen werden! danke rico!!!

  2. edvard schrieb:

    BEWEGUNG UNTERHALB DER GRENZEN !!!

    Die Gruppe Edvard Kunzt bildet den Fokus für die Erörterung einer künstlerischen Praxis, die heute in herausragender Weise tauglich scheint, die Diskussion um die gesamtgesellschaftliche Entwicklung einer kontrovers bewerteten ‘immateriellen Arbeit’ im Anschluß an die neue kapitalistische Symbol-Ökonomie einerseits, die Theorien u. a. von Edvard Kunzt andererseits um wesentliche Akzente zu bereichern und das darin wirkende Kategoriensystem zu problematisieren und weiterzuentwickeln.
    Diskutiert wird das Potential einer künstlerischen Praxis, die eigenständige radikale Handlungsformen und damit eine gesellschaftlich relevante Durcharbeitung des Verhältnisses von Gesellschaftsentwicklung und Kommunikation ermöglicht. Solche künstlerische Praxis eines konfusionistischen Handelns, das nicht im System der Künste sich erschöpft, sondern an Grenzen, im Unscharfen und unterhalb der nivellierenden Formatierungen operiert, enthält eine brisante Kritik an den gerade in einer verborgenen Tiefe immer noch wirksamen mythologischen Überresten eines emphatischen Subjektbegriffs, wie er auf dem Territorium der Kapitalismuskritik – wenn auch stetig modifiziert – bis heute überlebt hat. Das Problem, wie Kunst durch ihr System und ihre Institutionen als Anerkennung dessen erzeugt wird, was sie trägt in permanentem Selbstzuspruch, ist sekundär und demnach in üblicher Mechanik und ohne Erregung vorauszusetzen. Die entscheidende Frage von Gruppe Edvard Kunzt ist demnach, wie die Intervention in Scheinräumen zwischen operativen Faktoren innerhalb der Kartographien politisch wirksam sind, und nicht, wieweit Kunst in direkter Hinsicht politisch wirken kann. Kunst als Handlung operiert nicht in einem autarken Feld, sondern dem der Gesellschaft, ihrer Medien und Institutionen, Dispositive und Praktiken. Kunst wird im folgenden verstanden als Dekonstruktion von Handlungen, die sich verschiedener Strategien bedienen, nicht zuletzt solcher, die sich dem Umbau der virtuellen Maschinerien, des Netzes und der Verbindung von Ort und Dislokation, der stetig wechselnden Beziehung zwischen virtuellen und realen Räumen widmen. Es ist evident, daß die Organisation der Wissenspriviliegien – und vor allem ihre Konkretisierung in Gestalt einer Regulierung des restriktiven Zugangs zu zentralen (digitalen) Wissensdateien – ein Muster für systemische Produktivität entschieden geworden ist und zunehmend noch weiter werden wird.

    Stopp der bloß formalen Ausfransung der Künste und Regressionen auf Gesamtkunstwerkserlösungen !!!!
    Es lebe die illusionierende Kritik an der Selbstverblendung des kontrollierenden Subjekts !!!!!
    Helft uns, indem ihr euch selbst helft!
    Folgt uns! Auf euch hoffen die Millionen!

    Gruppe Edvard Kunzt
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    http://www.myspace.com/gruppeedvardkunzt
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  3. philipp meier schrieb:

    …und so, wie die wertvollen kritzeleien von dan perjovski langsam aber sicher von den eternit-flächen verschwinden (abgewischt und -gerieben), so werden wir auch diese sauteure wandmalerei von meese irgendwann übermalen oder -kleben (lassen).
    alles was bleibt, ist der mythos; und, wie wir wissen: DER MYTHOS IST DIE BOTSCHAFT! (apropos: den youtube-clip von marilyn manson im cabaret voltaire wurde bereits über 100′000 mal angeklickt: http://www.youtube.com/watch?v=M1dY0Sy6iFg&eurl= )
    wir nehmen übrigens die steilvorlage der svp dankbar an und erklären den (stadt)zürchern gerne nochmals ausführlicher, warum das cabaret voltaire für zürich wichtig ist :)

  4. philipp meier schrieb:

    apropos steilpass von der svp: vielleicht wird das spiel abgebrochen, bevor der steilpass bei uns ankommt… (stay tuned…)

  5. bd schrieb:

    Entsetzlich! Wegen solchen «Beweisen» schwinden hoffentlich endlich die letzten Almosen für dieses irre Museum.

  6. philipp meier schrieb:

    wenn schon «museum», dann «irres museum»; danke für die blumen:)
    richtig: wir kriegen almosen; geklotzt wird andernorts.
    sie, lieber bd, müssen jedoch nicht verzagen, denn bald werden millionen in ein «normales» museum gesteckt. da ist dann alles schön brav unter kontrolle (wahrscheinlich sogar sicherheitstechnisch)

  7. PavelTube schrieb:

    Es ist an der Zeit, daß Jonathan Meese sich als Johnny de Brest outet.