Bühne


Nur noch Nichtraucher auf Zürcher Bühnen?

Heute hat der Kanton mitgeteilt, dass voraussichtlich ab Mitte 2008 ein generelles Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden eingeführt wird. Zufälligerweise ist gleichentags in der Zeitung “Die Welt” ein Artikel über Rauchverbote an deutschen Bühnen erschienen. In einigen Bundesländern ist bereits ein Rauchverbot in Kraft, das auch für vom Regisseur angeordnetes Rauchen gilt. Der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, sieht deshalb das theatrale Erbe und die künstlerische Freiheit bedroht.
Ob das Zürcher Rauchverbot das ‘Rauchen für die Kunst’ miteinbezieht, konnte die Kommunikationsbeauftragte vom Kanton noch nicht sagen, von der Verordnung liege erst ein grob formulierter Entwurf vor. Über die allfälligen Folgen eines solchen Verbots heisst in der “Welt”:

“Rauchen [wird] im Theater wieder, was es in der 1848er-Revolution schon einmal war: ein Akt des Protest gegen die Obrigkeit. Die Bühne ist der einzige Ort, wo man sich als Rauchverbotsbrecher Freunde macht. Beate Heine, Dramaturgin am Schauspiel Hannover, hat neulich bei einem Gastspiel von Lutz Hübners “Blütenträume” beobachtet: “Wenn ein Schauspieler sich auf der Szene genüsslich eine Zigarette anzündet, gibt es Szenenapplaus und Lacher. Was vorher eine Nuance war, ist nun zum riesengroßen Zeichen geworden; auf der Bühne ist erlaubt, was im wirklichen Leben verboten ist.”

Kommentare (4) zu “Nur noch Nichtraucher auf Zürcher Bühnen?”

  1. Thomas H. schrieb:

    Das Anzünden einer Zigarette ist schon ein wunderbares Kunstwerk. Besonders wenn es «im wirklichen Leben verboten ist.» Es ist immer wieder verblüffend, dass Raucher überhaupt in der Lage sind, eine Zigarettenpackung zu öffnen.

  2. Thomas H. schrieb:

    Da habe ich jetzt mehr Reaktionen erwartet. Kommt kein Aufschrei für die Freiheit der Kunst?! Aber für die Dramaturgen ist es vermutlich auch nicht einfach, wenn das Publikum in Gelächter ausbricht, nur weil sich eine Figur auf der Bühne eine Zigi ansteckt.

  3. rb schrieb:

    Das ist halt mehr eine Schmunzel- als Kommentiergeschichte. Dazu passt auch diese Geschichte, die heute von den Agenturen verbreitet wurde:

    Listige Wirte umgehen das Rauchverbot in den USA

    Nun qualmen sie wieder, als sei nichts geschehen. Es hatte nicht gut ausgesehen für die Raucher, als der US-Bundesstaat Minnesota im vergangenen Jahr seine Gesetze verschärfte.

    Die Behörden hatten ein absolutes Rauchverbot für Gaststätten und alle anderen öffentlichen Versammlungsräume verhängt. Kein Gesetz ohne Schlupfloch, dachten sich listige Gastwirte – und fanden einen Ausweg.

    Das Gesetz erlaubt es nämlich, dass Schauspieler auf der Theaterbühne als Teil der Inszenierung Zigaretten rauchen. Also erklärten sie ihre Kneipen kurzerhand zur Bühne, die Gäste zu Schauspielern, den Kneipenbesuch zur Kunst. Hatte nicht schon Shakespeare geschrieben, die ganze Welt sei eine Bühne?

    Mehr als hundert Kneipen schlossen sich an. (…) Die Aschenbecher gehören zum Bühnenbild, das Plaudern der Gäste ist Theatertext, Biertrinken ist Teil der Handlung – und das Rauchen natürlich auch. (…)

    Titel der Inszenierung: «Tobacco Monologues» (Die Tabak-Monologe) – in Anlehnung an das Skandalstück «Vagina-Monologe» der Dramatikerin Eve Ensler. (…)

    Die List der Kneipiers rief inzwischen die Landesregierung auf den Plan. Vom künstlerischen Ernst der Darbietungen ist sie nicht überzeugt.

    «Diese Bars versuchen, das Gesetz zu umgehen», stellte Gesundheitsministerin Sanne Magnan fest. «Wir erwarten, dass sich alle derartigen Einrichtungen an das Gesetz halten.» (Quelle: baz.ch)

  4. BGK schrieb:

    Wie weit sind wir gekommen? Es ist doch wohl das mindeste, dass ich auf der Bühne noch einen Raucher darstellen darf. Gesubdheitsschädlich ist es sicher nicht.
    Und wer glaubt, das Publikum vor dem bösen Einfluss schützen zu müssen, der ist wirklich gefährlich!!!