Bühne
30. März 2008
Schauspielhaus: Macbeth im Börsenrausch

Für einmal hatten Schauspiel- und Opernhaus am selben Tag Premiere, die Zürcher Gesellschaft musste sich zwischen ”Macbeth” und der “Fledermaus” entscheiden. Zumindest das Schauspielhaus hat von der Konkurrenzsituation nichts gespürt, der Pfauen war bis auf den letzten Klappsitz gefüllt, was selbst bei Premieren eher selten ist.
Die Erwartungen waren hoch, insbesondere an den Hauptdarsteller Bruno Cathomas (im Bild rechts); der Bündner sorgt seit einigen Jahren in Berlin für Furore. Doch Cathomas ist als Macbeth eine Enttäuschung, zu grob, zu oberflächlich verkörpert er den machtgierigen Mörder. Auch Bibiana Beglau kann dem teuflisch-intriganten Charakter einer Lady Macbeth nicht gerecht werden. Die Nebenrollen sind diesmal klar stärker und interessanter als die Hauptrollen.
Regisseur Sebastian Nübling setzt die Handlung in ein Börsenumfeld. Das beginnt kraftvoll, die Energie und die Emotionen, die die Händler nach einem Millionen-Coup freisetzen, werden von einer Schar Statisten mit voller Wucht ins Publikum getragen. Die Textausschnitte stammten u.a. aus der Autobiografie von Nick Leeson. Sobald der Shakespeare-Originaltext einsetzt, flacht die Inszenierung ab, hat Längen, die Kraft des Beginns wird nie mehr erreicht — da können auch humoristische Einlagen mit einem Blutspray oder dem grossartig eingesetzten Fotokopierer nicht helfen.
Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die ganze “Macbeth”-Geschichte anhand von Berichten von Börsenspekulanten und intriganten Managern zu erzählen. Material gäbe es dazu genug. Der hier gezeigte Mix aus Shakespeare und neuen Texten jedoch passt schlecht zusammen. Schade, denn die Idee, die Vorgänge an den Börsen mit dem blutigen Machtkampf um den Königssitz in Verbindung zu bringen, ist stark.