Sonstiges


Das globale Kulturbusiness

Es ist erstaunlich, wie der internationale Kulturmarkt rasch auf Trends reagiert. Und im Trend ist Tutanchamun. Eine “exklusive” Tut-Ausstellung gibt es zurzeit gleich in mehreren Städten Europas, organisiert von unterschiedlichen Veranstaltern:

In London:
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In Wien:
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In Zürich:
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Ähnliches ist beim Zirkus zu beobachten, nach dem Erfolg von André Hellers “Afrika, Afrika” sind bereits Nachahmer-Afrika-Zirkusse unterwegs. In vielen Bereichen ist die Kultur ein Business wie jedes andere auch.

Zum Thema:
Die Kultur der Zukunft

Sonstiges


Eidgenössisches Waffen- und Kunstregister

Folgende Schlagzeilen erschienen auf NZZ-Online innerhalb von 26 Minuten:

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Werden beim Bund die Waffen und die Kunstwerke in derselben Datenbank registriert? Leider nein, die Geschichte wäre zu gut gewesen. Nur eine Erkenntnis bleibt aus dieser fast zeitgleichen Publikation: Waffen sind begehrter als Kunst.

Bühne, Sonstiges


Fällt das Opernhaus mit der UBS?

Wenn bei der Eröffnung einer Autogarage der Höhepunkt die Anwesenheit der Miss Schweiz ist, so mag das ein Erfolg sein. Wenn dies jedoch beim Zürcher Opernball zutrifft, dann steht es nicht gut um diese Institution.
Auch Marcel Ospel soll am Ball gewesen sein, und als Hausherr Alexander Pereira die UBS als Sponsor erwähnt habe, sei ein lautes Raunen durch die Ränge gegangen. Hat der schwindende Glanz des Opernballs mit dem Fall der UBS einen Zusammenhang? Offenbar will sich niemand mehr der Gefahr aussetzen, zusammen mit Ospel abgelichtet zu werden. Nicht zu vergessen: der abgesägte UBS-CEO Peter Wuffli sitzt noch immer im Verwaltungsrat des Opernhauses.
Nächstes Wochenende ist die Gala 08 im Casinotheater Winterthur, mittlerweile eine ernst zunemende Konkurrenz für den Opernball. Auch dort wird Ospel wahrscheinlich anwesend sein, er kennt Direktor Paul Burkhalter noch aus Basel. Trotzdem könnte es sein, dass erstmals mehr Leute mit Rang und Namen an der Winterthurer Gala als am Zürcher Opernhaus sind. Das Fernduell Giacobbo vs. Pereira um Sponsoren und Promis gilt es in Zukunft genauer zu beobachten.

Zum Thema:
Was Casinotheater und Opernhaus verbindet

Kunst/Museen


Jonathan Meese: Präpubertär in die Prähölle

Kunstsammler Harald Falckenberg spricht, der Künstler Jonathan Meese steckt sich währenddessen Zahnbürsten in den Mund. Die “Diktatur der Kunst” soll im überfüllten Cabaret Voltaire ausgerufen werden. Das Museum dient als “säkuläre Vorhölle”, die Kunst als Religion der Nichtgläubigen. Und Jonathan Meese ist der Messias, “präpubertär”, wie Falckenberg richtig feststellt. “Jonathan, Mal! Mal! Mal!”, spornt der Kunsttheoretiker Bazon Brock den “Popstar der Kunst” an, dessen Werke an der Art Basel zu enormen Summen die Hand wechseln.
Betrunken streckt Meese den Arm zum Hitlergruss aus, die Fotografen stürzen sich auf ihn; er kann endlos vor sich hin labern und Professor Bazon Brock lobt darauf hin unwidersprochen seine “homerische Grösse”.
Die Wände des Cabaret Voltaire und die Achselhöhlen Meeses sind nun neu bemalt. Auf der Bühne ein gehypter Künstler und ein reicher Kunstsammler, der auch ein bisschen Künstler sein möchte, dazu Bazon Brock als Stichwortgeber von der Seite — die Absurdität des Kunstbusiness könnte kaum besser aufgezeigt werden. So soll Dada sein.

Einige Bilder:

-> Ergänzungen/Anmerkungen dazu auf rebell.tv

Nachtrag: Das Referendum der SVP gegen den Kredit für das Cabaret Voltaire ist zustande gekommen, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Abstimmungstermin sei voraussichtlich der 28. September.

Film


Andrea Staka und Thomas Imbach gründen Produktionsfirma

Okofilm Productions GmbH heisst die neue Firma der Filmemacher Andrea Staka (“Das Fräulein”) und Thomas Imbach (“I Was A Swiss Banker”). Beide sind mit je 10′000 Franken beteiligt. Staka hatte sich mit ihrem früheren Produzenten Samir (Dschoint Ventschr) verkracht. Von Dschoint Ventschr kommt auch die Produzentin Tami Berkovits, die nun für Staka und Imbach arbeiten wird. 
“Okofilm zielt bewusst nicht den Mainstream auf dem einheimischen Markt an, sondern will ihre Filme auf renommierten A-Festivals auf dem internationalen Markt vorstellen und auf dem internationalen Arthouse-Markt auswerten”, heisst es im Ciné-Bulletin. Dass ihre Filme bei der einheimischen Filmförderung ankommen, dafür kann Andrea Staka gleich selber sorgen. Sie ist Mitglied im Ausschuss “Spielfilm” des Bundesamts für Kultur, der die Eingaben beurteilt.

Zum Thema:
Samirs Streit mit Andrea Staka

Bühne


Absolut Züri: Mathis Künzler als auferstandener Freddie Mercury

Foto Stephan Rappo
In Frankreich läuft zurzeit die Telenovela “Verliebt in Berlin”. Und weil “Verliebt in Berlin”-Star Mathis Künzler bei der vierten Folge von Absolut Züri eine Gastrolle inne hat (Bild), sollen laut Veranstalter Busladungen von weiblichen französischen Fans auf dem Weg nach Zürich sein.
Französinnen haben sich an der Premiere noch nicht bemerkbar gemacht, in der Winkelwiese hätte auch kaum eine ganze Busladung Platz. Lohnenswert ist diese Folge allemal. Mathis Künzler erscheint als aidstoter Ex-Freund von Beat ganz im Stil von Freddie Mercury, und Cathrin Störmer als Helena ist einmal mehr unübertroffen (nein, Helena ist immer noch nicht schwanger). Regisseurin Christina Rast, seit Marthalers Abgang am Schauspielhaus nicht (oder kaum) mehr in Zürich zu sehen, hat das Soap-Business tadellos im Griff — heitere und tragische Momente wechseln sich blitzschnell ab, die Handlung fesselt vom ersten Moment an.
Tickets zu kriegen sei jedoch nicht mehr einfach, wer weiss, vielleicht haben doch die Französinnen alle weggekauft.

Bühne, Film, Kunst/Museen, Sonstiges


So viel müsste man ohne Subventionen bezahlen

In der Ausstellung “Schweizerfilm — Träume, Geld und Geist” im Berner Käfigturm ist auf einer Liste aufgeführt, wie hoch der Kinoeintritt von erfolgreichen Schweizer Filmen für die Deckung der Kosten hätte sein müssen, wenn er keine Subventionen erhalten hätte:

Tout un hiver sans feu: Fr. 297
Beresina: Fr. 177
Reise der Hoffnung: Fr. 117
Mein Name ist Eugen: Fr. 46
Mais im Bundeshuus: Fr. 27
Die Herbstzeitlosen: Fr. 13
Schweizermacher: Fr. 3

Wie sieht das in anderen Kultursparten aus? Hier der fiktive durchschnittliche Eintrittspreis in Zürcher Institutionen, wenn sie ohne Subventionen auskommen müssten (Annahme: 10 Prozent der Einnahmen über Sponsoring/übrige Einnahmen):

Opernhaus: Fr. 460
Schauspielhaus: Fr. 242
Museum Rietberg: 60
Kunsthaus: Fr. 56

Zugegeben, diese Methode ist etwas fragwürdig — dennoch sind die Zahlen eindrücklich. Eigentlich könnten die Institutionen diese für die Werbung nutzen. Zum Beispiel:

Aktion!
‘Der Kaufmann von Venedig’ im Schauspielhaus nur Fr. 65.- statt Fr. 242.-

oder:

Museum Rietberg, ‘Kultur aus Kamerun’ 150 exklusive Werke, nur Fr. 16.- statt 60.-

Kunst/Museen


ewz-Unterwerk Selnau an Haus Konstruktiv?

Laut Eigenbeschrieb ist das ewz-Unterwerk Selnau “einer der attraktivsten Kulturräume der Stadt Zürich”. Nun droht dieser Kulturraum verloren zu gehen — zumindest für freie Veranstalter. Das Haus Konstruktiv will gemäss NZZ am Sonntag den Raum langfristig für eigene Ausstellungen beanspruchen. Zurzeit ist dort die Ausstellung “Plattform08″ zu sehen, bekannt ist das Unterwerk vor allem durch das Festival ewz.stattkino (früher Volts&Visions).
Dass das Haus Konstruktiv erweitern möchte, ist nachvollziehbar. Nur: alle andern werden damit wohl an den Stadtrand gedrängt.

Kunst/Museen, Sonstiges


Kunstraub schafft Jobs

Wenige Wochen nach dem Raub im Bührle-Museum zeigt der Überfall Wirkung auf dem Arbeitsmarkt. In folgendem Stelleninserat sucht ein Basler Museum (es könnte das Antikenmuseum sein) einen Leiter Museumssicherheit und -technik. Laut Inseratetext handelt es sich um eine neu geschaffene Stelle:

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(Quelle: Alpha)

Weitere Stelleninserat dieser Art dürften in Kürze folgen.

Zum Thema:
180 Millionen in drei Minuten
Bührle-Raub: Kunsthaus-Erweiterung hinfällig?

Sonstiges


Ensuite-Kolumne #6: Häppchen, Häppchen

Hier die sechste und vorläufig letzte Kolumne für das Kulturmagazin Ensuite

Auch die Kulturszene hat ihren Fall “Mörgele”. Der Direktor der neuen Hochschule der Künste, Prof. Dr. Dr. h. c. Hans-Peter Schwarz, sprach an der Vernissage der Utopie-Ausstellung im Museum für Gestaltung einmal mehr über die grosse Schulfusion: “im früheren KZ äh der HGKZ…” Dem nervös wirkenden Professor sei dies verziehen – vielleicht hat ja auch er kurzzeitig vergessen, wie seine Institution früher hiess.
Überhaupt ist eine Vernissage im Museum für Gestaltung so etwas wie eine Nabelschau der Szene. Es kann sein, dass man sich die Reden neben einem dauerkichernden Pelzmantelträger anhören muss. Kaum sind die Reden und Musikdarbietungen vorbei, stürzen alle gierig Richtung Buffet im Vorraum. Die soeben eröffnete Ausstellung bleibt unbeachtet.
Wenns ums Zuschlagen geht, lohnt sich auch der Besuch einer Opernhaus-Premierenfeier. Hausherr Alexander Pereira liest jeweils die Namen aller Mitwirkenden vom Programmheft ab und dankt ihnen, dazu werden ganze Menus und Wein serviert. Die billigste Studentenkarte ist da rasch amortisiert, erst recht lohnend ist‘s für jene, die sich reinschleichen, ohne die Vorstellung gesehen zu haben. Vielleicht sollte man mal die Obdachlosen auf diese Gassenküche aufmerksam machen.
Das Casinotheater Winterthur kann in Sachen Premierenbuffet ebenfalls gut mithalten, die Häppchen sind immer erster Güte. Bei der Gästeschar wimmelt es vor TV-Prominenz. Mittendrin wirbeln dauernd irgendwelche TeleZüri und Radio Top Praktikanten umher und befragen die Leute – so darf sich jeder ein bisschen als Star fühlen.
Viele Museen tischen ihre Köstlichkeiten nicht erst an der Vernissage auf, sondern bereits zuvor an der Presseführung. Wenn man die schlemmenden Journalisten sieht, so fragt man sich: müssten die eigentlich nicht längst am Schreiben sein? Doch TV- und Magazinjournalisten haben offenbar ein gemütlicheres Leben als Tagesjournalisten. Nur das Kunsthaus nimmt Rücksicht auf die Schnellschreiber. Bei den grossen Ausstellungen wird den Journis ein Frühstück serviert – vor der Presseführung und nicht nachher, wie sonst üblich.
Doch lohnt es sich überhaupt, die Journalisten zu füttern? Das wär doch mal eine Arbeit für einen Publizistikstudenten: Der Einfluss des Buffets auf die Kulturberichterstattung.