Literatur


Peinlicher Autorenverband

Der Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS lädt zur Generalversammlung und schreibt dazu:

“Im vergangenen Wahlkampf, der so menschenverachtend war wie selten ein Wahlkampf zuvor, haben einige wenige Schriftsteller und Schriftstellerinnen das Schweigen ihrer Kollegen kritisiert. Warum haben Intellektuelle als Meinungsbilder keinen Einfluss mehr auf die Gesellschaft?”

Die Antwort liefert der AdS gleich selbst: wer den letzten Wahlkampf als “so menschenverachtend wie selten ein Wahlkampf zuvor” bezeichnet, der hat von Geschichte keine Ahnung — und zurecht keinen Einfluss. Wie die Weigerung, Oskar Freysinger in den Verband aufzunehmen, ist auch dieser Text zur GV-Einladung selbst für Nicht-SVP-Anhänger nur eines: peinlich.

Bühne, Sonstiges


Die Antwort des Opernhauses auf Knie

Fotos Suzanne Schwiertz
Gegen den Lärm der Fussballfans an der Euro 08 erhält das Zürcher Opernhaus von der Stadt neue Lärmschutzfenster geschenkt, gegen die Konkurrenz des Circus Knie vor dem Haus hilft es sich selber: In der Neuproduktion “Boris Godunow” (Bilder oben) sind ein Löwe und ein Pferd zu sehen. Nun gut, die beiden Tiere leben nicht, und gegen die Knie-Pferde anzukommen, ist ohnehin nicht einfach. Der ausgestopfte Löwe (ein Zitat auf ein Gemälde von Hieronymus Bosch) macht aber einen stolzen Eindruck, das abgehalfterte Exemplar im Zoologischen Museum kann da nicht mithalten. Vielleicht setzt das Opernhaus während eines Knie-Gastspiels irgendwann auch mal Aida an, dann käme es zum Duell der Elefanten.
Apropos Opernhaus und Circus Knie: Alexander Pereira und Franco Knie sind ganz ähnliche Typen, mit ähnlichem Charme und ähnlichem, strikten Führungsstil. Wer in dem Knie-Monat am Bellevue der Star ist, darüber lässt Franco aber keine Zweifel zu: der Ex-Freund von Prinzessin Caroline trägt nicht nur bei Sonnenschein eine Sonnenbrille, sein Gang ist je nach Interpretation stolz bis überheblich.

Bühne


Schauspielhaus: Blutbad an der Hochzeit

Foto Matthias Horn
Der Boden der grossen Schiffbau-Halle ist vollständig mit Erde bedeckt, an einigen Stellen wächst Gras. Der Autor Roland Schimmelpfennig und der Regisseur Jürgen Gosch haben speziell für die Halle 1 ein das Stück “Hier und Jetzt“ erarbeitet. Doch — und das ist eher enttäuschend – hat man sich mal hingesetzt, so unterscheidet sich die amphitheaterartige Anordnung nicht mehr stark von einem Guckkasten-Theater; das Stück hätte fast ohne Einschränkung auch im Pfauen gespielt werden können.
Über die gesamte Vorstellung hinweg sitzt eine Hochzeitsgesellschaft an einer langen Tafel. Unter den Gastgebern und Gästen spielen sich archaische Szenen ab: Da wird aufeinander eingeschlagen, Nackt umhergerannt, ein Regenwurm gegessen. Und während alldem ziehen die Jahreszeiten vorbei – nur das grosse Hochzeitsessen ist nie vorüber.
Wie die verschiedenen Zeit- und Inhaltsebenen parallel aufgezogen werden, ist höchst faszinierend. Viel passiert, doch es wird weitergetafelt, als sei alles ruhig. Die zukünftige Geliebte der Braut sitzt unter den Gästen, der Bräutigam schlägt gnadenlos auf ihn ein, alles wiederholt sich mehrmals, Blut fliesst in Strömen. Erst ist das amüsant, doch irgendwann vergeht auch den Ekeltheater-gewohntesten Zuschauern das Lachen. 
Wenns nach zweieinviertel Stunden ohne Pause heisst, “Gehen wir, Lichter aus, Ende”, so ist dies eine Erlösung, nicht nur wegen dem schmerzenden Hintern. Und doch: Sich das anzutun ist durchaus lohnenswert.

Bühne


Steps: Frauensache

Foto zvg
Mit der israelischen Inbal Pinto Dance Company ist das Tanzfestival Steps zurzeit zu Gast in der Gessnerallee und füllt die Halle bis zum letzten Platz. Das Durchschnittsalter scheint etwas höher als sonst, geschätzte 80 Prozent des Publikums sind Frauen. Es ist sanfter Tanz, der da gezeigt wird, mit Bewegungen zwischen klassisch und zirzensisch und einer Ästhetik zwischen Debutantenball und Märchenwald. Ein Abend zum Eintauchen und Geniessen, voller einprägsamer Bilder, der aber ohne Ausbrüche immer in ähnlicher Stimmungslage verharrt. Ein Stück wie geschaffen für Steps: leicht zugänglicher Tanz auf sehr gutem Niveau, bei dem am Schluss die Zuschauer zwar nicht euphorisch, aber doch alle zufrieden sind (auch die Männer). 

Politik


Kulturförderung: Wie die Quantität gefördert wird

Pro Helvetia Direktor Pius Knüsel kritisiert heute im Tages-Anzeiger, dass beim Schweizer System der Kulturförderung das Geld zu breit verteilt werde. Jeder bekomme ein Bisschen anstatt dass sich die Förderung auf die Besten konzentriert:

“Die Logik der Kleinbeiträge will es, dass die Produktion unterfinanziert bleibt; in der Regel fehlt ein Drittel. Aus der Vision wird auch hier ein pragmatischer Kompromiss des noch Machbaren. Und zuletzt ist keiner da, der die Spreu vom Weizen trennt, weil auch im Voraus schon keiner deutlich Stellung nehmen durfte.”

Stimmt. Aber das Problem liegt nicht nur darin, dass die Gelder zu breit gestreut werden, sondern auch, dass es in der Schweiz fast nur Geld gibt, wenn man ein neues Projekt präsentiert. Das heisst: wer Geld will, muss neu produzieren — je mehr Produktionen, desto mehr Geld. 
Das System fördert die Quantität statt die Qualität, auch innerhalb der Gruppen. Sich länger Zeit zu nehmen für eine Produktion, mit dem Ziel, das Stück dann über einen grösseren Zeitraum, auch an internationalen Festivals zu spielen, lohnt sich nicht. In der freien Szene ist es die Regel, dass jedes Stück nur wenige Male aufgeführt wird, dann kommt schon das nächste.
International erfolgreiche Gruppen arbeiten anders: die Stücke werden meist aufwändig produziert und dann über Jahre hinweg gezeigt. Geld gibt’s nicht in erster Linie fürs Produzieren, sondern für Einladungen an Festivals oder an Häuser.
Zu den wenigen Schweizer Gruppen, die nicht dem Schweizer Förderanreiz erlegen waren, gehörte Metzger/Zimmermann/dePerrot. Das höchst erfolgreiche Trio brachte in sieben Jahren Zusammenarbeit bloss drei Produktionen auf die Bühne, konnte diese aber dann weltweit zeigen. Nach Schweizer Massstab hätten die Gruppe ein oder zwei Produktionen pro Jahr auf die Bühne bringen müssen und wären wohl – wie die meisten Schweizer Gruppen – international unbeachtet geblieben.

Politik


Pro Helvetia: Wundersamer Sparerfolg

Nach der Affäre um die Ausstellung von Thomas Hirschhorn im Centre Culturel Suisse in Paris vor vier Jahren, wurde die Pro Helvetia wegen ihres hohen Administrationsaufwands kritisiert, der 37 Prozent des Gesamtbudgets ausmachte. Heute hat die Kulturstiftung den Jahresbericht 2007 präsentiert und schreibt in der Medienmitteilung von Administrationskosten von 14,7 Prozent. Wie ist dieser wundersame Sparerfolg möglich? Die Pro Helvetia hat zwar gespart, aber nicht über die Hälfte ihres Personals entlassen, wie das aufgrund dieser Zahl nötig gewesen wäre.
Die Lösung ist einfach: Die Berechnungsgrundlage hat sich geändert, wie die Pro Helvetia auf Nachfrage bestätigt. Früher zählten alle Personalkosten zur Administration. Heute werden jene Personalkosten, die für die Vorbereitung von Eigenproduktionen oder der Vermittlung von Künstlern anfallen den Produktionskosten zugerechnet. Nach alter Berechnungsgrundlage liegt der Administrationsaufwand heute noch immer bei 31,6 Prozent. Bei dem sinkenden Gesamtbudget der Pro Helvetia ist das noch immer eine beachtliche Einsparung – der wundersame Sparerfolg bleibt jedoch aus.

Sonstiges


Blogs als Projektbegleitung

Das Tanzfestival Steps hat einen, die Tabu-Reihe des Theater am Neumarkt ebenfalls und auch das Projekt Shifting Identities des Zürcher Kunsthauses: Die Kulturbranche hat den Blog als Begleit- bzw. Dokumentationsmedium für Projekte entdeckt. Da die Projekte zeitlich beschränkt sind, werden wohl auch die Blogs nach Ende der Veranstaltungen eingestellt. 
Die drei Blogs verfolgen unterschiedliche Konzepte: Auf dem Steps-Blog beschreibt der Leiter Darstellende Künste von Migros Kulturprozent, Christoph Haering, aus seiner Sicht den Verlauf des Festivals; der Blog von Shifting Identities dient vor allem der Ankündigungen von Veranstaltungen; auf dem Tabu-Blog werden die Themen, die auf der Bühne behandelt werden, weiter diskutiert.
Die Erfahrung mit dem Kulturblog hat gezeigt: Es braucht vor allem Zeit, um eine Stammleserschaft aufzubauen, die genügend gross ist, damit ansprechende Diskussionen möglich werden. Bei einem temporären Blog ist diese Zeit kaum vorhanden. Insofern sind die Voraussetzungen für solche Projektblogs eher schwierig: sobald eine Stammleserschaft aufgebaut ist, ist das Projekt zu Ende. Es könnte also eine weise Entscheidung von Steps sein, gar nicht erst eine Kommentarfunktion aufzuschalten.
Eher erfolgsversprechend wäre ein ständiger Direktionsblog. Ein Direktor eines Kulturbetriebs, der kontinuierlich über seine Arbeit, die Proben und die Debatten am Haus schreibt, könnte einen grossen Beitrag zur Zuschauerbindung leisten.

Bühne, Kunst/Museen, Politik


Sex-Casting: Neue Dimension im Fall Jean-Pierre Hoby

Vorgestern verschickte der Verwaltungsrat des Theater am Neumarkt folgende Mitteilung, gezeichnet von Thomas Wartmann, Verwaltungsratspräsident der Theater am Neumarkt AG:

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Diese Stellungnahme mutet etwas gar seltsam an, schliesslich weiss Thomas Wartmann genau, dass der Verwaltungsrat gemäss Vertrag der Direktion bei künstlerischen Belangen nicht reinreden darf. Auch die äusserst abschätzige Formulierung gegenüber dem Direktor Wolfgang Reiter hinterlässt ein ungutes Gefühl.
Verschickt wurde die Mitteilung als Word-Dokument. Ein Klick auf die Dokumenteneigenschaften zeigt:

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Unter ”Autor” steht nicht etwa “Thomas Wartmann”, sondern “Familie Hoby”. Dies lässt darauf schliessen: Jean-Pierre Hoby hat die Mitteilung selber geschrieben, auf seinem privaten Computer — und darunter den Namen Wartmann gesetzt.
Dass sich einige Kulturleute erdreisten, seinen Weisungen nicht umgehend Folge zu leisten, scheint Hoby dermassen in Rage zu bringen, dass ihm sämtliche Mittel recht sind. Zwar sitzt Hoby auch im Verwaltungsrat der Theater am Neumarkt AG und Thomas Wartmann dürfte vor dem Versand informiert worden sein, doch wirkt dies sehr nach eigenmächtigem, von Ressentiments geleitetem Handeln.

Zum Thema:
Der Fall Cabaret Voltaire wird zum Fall Jean-Pierre Hoby

Bühne


Peter Brook: Der halb-leere Schiffbau

Eine Schauspielerin erzählt einen Abend lang, wie sie fürs Theater lebt und leidet. Dabei zitiert sie alle möglichen Theorie-Klassiker des modernen Theaters. Sollte der Text einmal schriftlich vorliegen, so könnte er zur Pflichtlektüre jedes Theaterwissenschafts-Grundkurses werden.
Brook bespielt für seine Uraufführung von “Warum, warum“ im Schiffbau nur einen kleinen Teil der Halle 2, ebenso gut hätte in einem kleinen Kellertheater gespielt werden können. Hinter den Sitzreihen bleibt die Hälfte des Saales unbenutzt; ist das eine neue Interpretation seines Klassikers “Der leere Raum“? Miriam Goldschmidt — eine äusserst ausdrucksstarke Schauspielerin — wirkt mit ihren Tüchern um den Körper wie eine Verkäuferin in einem Esoterikladen, das hätte nicht sein müssen.
Insgesamt ist diese Uraufführung eine kleine, feine Sache; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass dafür das gesamte deutschsprachige Feuilleton nach Zürich gereist ist, scheint etwas übertrieben. Eher seltsam war, dass Brook an der Premiere nicht auf die Bühne kam, wer weiss, vielleicht macht er das ja nie. Eine weitere offene Frage des Abends: Worüber haben Matthias Hartmann und Barbara Frey vor der Vorstellung so intensiv gesprochen?

Kunst/Museen, Politik


Der Fall Cabaret Voltaire wird zum Fall Jean-Pierre Hoby

“Neumarkt-Direktor Wolfgang Reiter geht im Sommer sowieso, und das ist gut so”, sagt Jean-Pierre Hoby, Kulturchef der Stadt, heute in 20Minuten. Im Tages-Anzeiger meint er: “Wenn Philipp Meier das Vertrauen von unserer Seite fehlt, wäre es besser, er würde künden.” Richtig ist eher: Jean-Perre Hoby wird bald pensioniert und das ist gut so.
Seine Verdienste für die Zürcher Kultur sind unbestritten: er hat in den letzten 20, 30 Jahren entscheidend dazu beigetragen, dass in der Kulturwüste Zürich eine blühende freie Szene entstanden ist. Er hat professionelle Förderstrukturen eingeführt, die noch immer sehr gut funktionieren. Aber: in letzter Zeit gebärdet er sich als Alleinherrscher, als Übervater, dem es zu gehorchen gilt, der öffentlich Disziplinarmassnahmen androht, der den Institutionen immer wieder in den Rücken fällt. Egal ob beim Cabaret Voltaire, bei der Shedhalle oder dem Theater am Neumarkt, wer sich nicht Hoby-konform verhält, muss damit rechnen, dass der Kulturchof die Institutionen öffentlich geisselt. Nicht nur das: selbst seinem Vorgesetzten, dem Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber, tanzt Hoby auf der Nase herum. Als beim Schauspielhaus Probleme auftauchten, sagte Hoby in der Zeitung grossmundig, er habe schon immer vor einer Anstellung Hartmanns gewarnt.
Hoby weiss, was gut ist für die Zürcher Kultur — und nur er. Der Fall Cabaret Voltaire ist längst zum Fall Jean-Pierre Hoby geworden. Er — nicht Philipp Meier — gefährdet die Volksabstimmung über das Weiterbestehen des Cabaret Voltaire. Wenn der Stadtpräsident noch etwas Gutes für die Zürcher Kultur machen möchte, dann schickt er Hoby möglichst rasch in die Frühpension.

Zum Thema:
Sex-Casting: Theater am Neumarkt bietet Asyl
Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?
Ensuite Kolumne zur Situation in der Zürcher Kulturszene

Bühne, Kunst/Museen


Sex-Casting: Theater am Neumarkt bietet Asyl

Morgen hätte das Männercasting der Sexualtherapeutin Maggie Tapert im Cabaret Voltaire stattfinden sollen. Der städtische Kulturchef Jean-Pierre Hoby hat die Durchführung jedoch verboten (pdf), nachdem 20Minuten darüber berichtet hatte. Die Co-Direktoren Philipp Meier und Adrian Notz wehrten sich zurecht gegen die Einmischung in ihr Programm, bisher war nicht klar, ob sie es sich dem Verbot widersetzen werden.
Jetzt erhalten die beiden Unterstützung: Wolfgang Reiter, Direktor des Theater am Neumarkt, bietet Asyl an; die Veranstaltung findet dort wie geplant um 19.30 Uhr statt. Die Verlegung wird offiziell mit “dem zu erwarteten grossen Besucherandrang” begründet. Gegenüber kulturblog.ch erklärt Reiter:

“Es ist unmöglich, dass ein Boulevardblatt und ein Kulturbeamter entscheiden, was in einer Kulturinstitution stattfindet. Um das Verhältnis mit der Obrigkeit geht es auch bei unserem nächsten Stück ‘Prometheus‘, wir können nicht auf der Bühne etwas zeigen und daneben dann kuschen.”

Bei der Hilfeleistung dürfte noch ein anderer Aspekt mitspielen: Auch Wolfgang Reiter hatte unter der Zürcher Kulturbürokratie zu leiden, ihm wurde der Vertrag nicht verlängert, seine Amtszeit läuft Ende Saison aus. Reiter hat nichts mehr zu verlieren, da ist es nur konsequent, wenn er in einem solchen Fall dem Cabaret Voltaire zu Hilfe kommt.

Nachtrag: Offizielle Mitteilung Theater am Neumarkt

Zum Thema:
Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?

Bühne


Opernhaus: Streit eskaliert

Der Streit zwischen Opernhaus-Direktor Alexander Pereira und seinem abtretenden Generalmusikintendanten Franz Welser-Möst eskaliert, wie Christian Berzins in der Zeitung “Sonntag” schreibt:

“Welser-Möst dirigierte die Generalprobe und zwei Vorstellungen [der 'Fledermaus'] – so lange brauchte man, um eine aufwändige DVD einzuspielen. Dann sagte er die weiteren Abende ab. Seinen Intendanten setzte er damit vor grosse Probleme. Eigenartig auch, dass er nicht schon früher absagte. Welser-Möst: ‘Ich dirigierte, damit es nicht zu einem Eklat kam, damit die Sänger den Zusammenhalt nicht verloren. Nun ist aber genug. Apropos DVD: Ich werde sie nie zulassen.’

Der Grund für die Absage stand schon vor einer Woche in der Kolumne von Hildergard Schwaninger: Welser-Möst gefällt die Inszenierung von Michael Sturminger nicht. Wie Berzins berichtet, habe Welser-Möst zudem herausgefunden, dass Pereira die von ihm vorgeschlagenen Wunschkandidaten für die Regie gar nicht angefragt hat. Pereira und Welser-Möst waren zuvor schon zerstritten, jetzt sind sie es noch mehr.
Wie man hört, spricht auch Ballettchef Heinz Spoerli hinter den Kulissen fast nur noch negativ über Pereira. Wenn das so weiter geht, bleiben Pereira als Verbündete bald bloss noch die Sponsoren.

Kunst/Museen


Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?

„Wir können nicht mit einer Direktion zusammenarbeiten, die den Leistungsauftrag nicht erfüllt“, lässt sich der städtische Kulturchef Jean-Pierre Hoby in 20Minuten zitieren. Der Trägerverein wolle „so schnell wie möglich zusammentreten und die nötigen Konsequenzen aus diesem Vorfall [Sex Casting] ziehen“. Was nichts anderes heisst als: Jean-Pierre Hoby möchte den Co-Direktor Philipp Meier loswerden.
Hoby offenbart vor allem seine Machtfantasien, wenn er sich in der Presse darüber beschwert, dass die Direktion des Cabaret Voltaire eigenmächtig gehandelt habe. Offenbar müsste ein künstlerischer Leiter bei jeder Entscheidung Väterchen Hoby um Erlaubnis bitten.
Ein Sex-Casting im Cabaret Voltaire kann man durchaus deplatziert finden. Ein Grund so einzuschreiten, ist das aber nicht, auch wenn 20Minuten genüsslich einen Skandal verkündet. Skandalös ist nur, dass der Kulturbeauftragte einmal mehr in einer solchen Situation einer Institution in den Rücken fällt, anstatt sie zu verteidigen. Das Gebaren Hobys schadet dem Cabaret Voltaire bei der Volksabstimmung mehr als ein Direktor Philipp Meier mit Graffiti-Workshops oder angeblichen Sex-Castings.

-> Medienmitteilung von Jean-Pierre Hoby (pdf)
-> Alle kulturblog.ch-Artikel zum Cabaret Voltaire

Bühne


Hartmann nimmt Bachmann-Brüder nach Wien

Plinio und Stefan Bachmann folgen Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann ans Wiener Burgtheater. Plinio, zuletzt u.a. für die Firma von Martin Heller und Agent Provocateur tätig, wird fest am Burgtheater arbeiten, wohl in der Dramaturgie, dessen Bruder Stefan, früher Schauspieldirektor in Basel, wird Hausregisseur. Stefan steht nicht unbedingt für den Edelboulevard, den man unter Hartmann am Pfauen so oft gesehen hat. Er wurde in Basel für sein junges wildes Theater vom Feuilleton gelobt, das Publikum verschmähte ihn. Plinio passt da eher, er sammelte die Texte für den Zumthor-Pavillion an der Expo in Hannover und ist auch journalistisch tätig. Der Erfolg der Gebrüder Bachmann dürfte eine Genugtuung sein für den Vater und Schriftsteller Dieter Bachmann, der es nie zu grosser Berühmtheit gebracht hat.

Musik


Hoteljazz mit Rolf Lyssy und Jürg Ramspeck

Foto rb
Jeden Donnerstag spielt in der Hotelbar des Eden au Lac der Filmemacher Rolf Lyssy (rechts) mit seiner Jazzband, Pianist ist der Blick-Kolumnist und frühere Chefredaktor der Weltwoche, Jürg Ramspeck. Während der erfolgreichste Filmemacher und einer der bekanntesten Journalisten des Landes mit ihrer Band sanfte Rhythmen erklingen lassen, sitzt im Publikum die alte Garde des erlauchten Zürcher Kultur- und Gesellschaftslebens, sofern es so etwas überhaupt gibt. An den Tischen wird rege diskutiert, alle scheinen einander zu kennen, hier ist es wohl, wo Gesellschaftsreporterin Hildegard Schwaninger (sie war gestern auch da) einen Teil ihrer Geschichten herhat. 
Zuzuschauen, wie die Herren Lyssy und Ramspeck leidenschaftlich an ihren Instrumenten sitzen, ist eine Freude, auch wenn der Sound sehr im hotelkonformen Mainstream bleibt. Aber Vorsicht: in der Getränkekarte heisst es, dass es sich bei den Preisen um “Konzertpreise” handelt, diesen Hinweis sollte man ernst nehmen.