Film
3. April 2008
Lehrbuchfall Zurich Film Festival
Schon im ersten Jahr hatten die Macher des Zurich Film Festival eine Million Franken für ihr Festival aufgetrieben. Fast alles über Firmensponsoring. Zwei Jahre später konnten sie erwirken, dass die Stadt ihre Subventionskassen für das Festival öffnet. Und nun greifen sie nach Geld von privaten Gönnern, wie das Festival heute mitteilt:
“25 namhafte Vertreter aus den Bereichen Kultur und Wirtschaft kamen letzte Woche im Club zum Rennweg zusammen, um den Gönnerverein ‘Zurich Film Festival Donors’ offiziell ins Leben zu rufen.”
Das Zurich Film Festival erweist sich schon nach drei Jahren als ein Lehrbuchfall, wie man erfolgreich eine hochdotierte Kulturveranstaltung ins Leben ruft. Ein wichtiges Erfolgsrezept wird für die Nachahmer aber nur schwer zu kopieren sein: für die Akquise ein smartes Ex-Model wie Nadja Schildknecht zu finden, dem kein Firmenchef oder Marketingverantwortlicher einen (Sponsoring-)Wunsch ausschlagen kann.
Zum Thema:
Zurich Film Festival: “Nichts anderes als ein Geschäft”
heinz schrieb:
sicher ein lehrbuch der neoliberalen. (man stellt sich nur diesen versoffenen überfressenen vollgestopften haufen im rennweg vor…) fazit: wenn man grundsätzlich kultur mit wirtschaft und event gleichstellt. bravo. ein film festival der ganz grossen. noch mehr privatisierungen. noch mehr konsum. lass uns auf politik scheissen. bravo wirtschaft. alles ist möglich. alles ist kaufbar. geld nur geld macht kultur. (…)
Geschrieben am 3. April 2008 um 20:09Uhr | Permalink
BGK schrieb:
Ein wirklich gelungenes Projekt, herzlichen Glückwunsch dazu aus Berlin.
Geschrieben am 3. April 2008 um 20:27Uhr | Permalink
Hanspeter Gautschin schrieb:
Nu, nu Heinz. So verfressen und versoffen sind die nicht mehr. Braungebrannt und fit müssen sie sein, die smarten Gedlbeweger (-vernichter).
Geschrieben am 3. April 2008 um 21:43Uhr | Permalink
dab schrieb:
Trotz Geld und Glamour fehlt dem Festival das wichtigste: Die Seele und das Herzblut für die Sache!
Geschrieben am 4. April 2008 um 09:02Uhr | Permalink
michael schrieb:
@dab: dieses ewige Gejammer von wegen “Herzblut”, das anderen fehle. Herzblut als Freipass für alles reicht eben nicht. In der Deza-Publikation “Eine Welt”, Nr. 1/2008, gefunden: “Wissenschaftler einer kanadischen Universität haben festgestellt, dass im Erfolg vorab drei Faktoren zu finden sind. Erstens: Was du machst, musst du mit Herzblut machen. Zweitens: Ein hoher Sinn für Rechenschaft, Wagnisbereitschaft, Leidenschaft und verantwortungsvollen Optimismus muss vorhanden sein. Und drittens zeichnen sich erfolgreiche Menschen dadurch aus, dass sie ‘wirkungsvolle Wege finden, um zu handeln’.”
Geschrieben am 4. April 2008 um 09:19Uhr | Permalink
rb schrieb:
So wie ich das beobachten konnte, waren/sind die drei Festivalmacher mit sehr viel Herzblut bei der Sache. Es ist normal, dass ein neues Festival, das gleich so gross startet, noch nicht so etwas wie eine “Seele” hat.
Dass die drei ökonomisch erfolgreich, von mir aus auch mit einigem Kalkühl eine Kulturveranstaltung organisieren, soll man ihnen nicht zum Vorwurf machen, im Gegenteil.
Geschrieben am 4. April 2008 um 10:41Uhr | Permalink
ronny schrieb:
ich sehe das auch so. ich kann das nicht mehr hören von wegen herzblutt. das festival konnte doch nur mit viel herzblut veranstaltet werden – die hängen ja nicht wie locarno am subventionstropf. spoerri und sein team machen das einfach fantastisch und haben mehr für den schweizer film gemacht als bideau und sein bak je erreichen werden. endlich frischer wind!!!
Geschrieben am 4. April 2008 um 15:09Uhr | Permalink
edvard kunzt schrieb:
Die Japaner eroberten den Weltmarkt mit unlauteren Wettbewerb: Sie arbeiten während der Arbeitszeit.
Geschrieben am 6. April 2008 um 20:14Uhr | Permalink
Zappadong schrieb:
Wenn die “reichen Säcke” nichts tun, heisst es, sie sollen gefälltigst etwas für die Allgemeinheit tun, den Chlütter hätten sie ja. Wenn sie dann etwas tun, sind sie ein “versoffener, verfressener, vollgestopfter Haufen”.
Sobald Geld im Spiel ist, kann gezwungenermassen kein Herzblut mehr im Spiel sein, da man ja für die “reichen Säcke” mindestens seine Seele verkauft hat. Mindestens! Kommt noch ein Model dazu, dann hat man sich auch an die Medien verkauft und die Idee der Kunst an und für sich verraten.
Man kann es sich auch etwas gar einfach machen. (Es schimpft und ärgert sich dann so wunderbar schön.)
Geschrieben am 7. April 2008 um 08:01Uhr | Permalink
heinz schrieb:
so einfach wie du mit den begriffen von “kaufen” “reich” und “allgemeinheit” umgehst zappadong?
Geschrieben am 7. April 2008 um 19:37Uhr | Permalink
heinz schrieb:
ah und da noch ein link, der auch im kulturbereich mit “konsumieren” im erweiterten sinn zu tun hat: http://www.storyofstuff.com
viel spass.
Geschrieben am 7. April 2008 um 19:42Uhr | Permalink
Marc schrieb:
Ich finde es toll was Monod, Spoerri und Schildknecht da auf die Beine gestellt haben und dass dem ganzen eine Seele fehlt kann ich nicht nachvollziehen. Ohne Herzblut hätten die Macher sicher nicht den langen Atem gehabt gegen all diese Windmühlen anzugehen. Das Festival ist toll und zeigt wunderbar/grausame/erschreckende/und/berührende Filme. Das will ich auch in Zukunft sehen, auch wenn jetzt der künstlerische Leiter weg ist.
Geschrieben am 10. April 2008 um 00:41Uhr | Permalink
BGK schrieb:
Es ist schon sehr interessant zu beobachten, mit welchem Hass manche Menschen denjenigen begegnen, die die finanziellen grundlagen für die Kulturpräsentation schaffen.
Ich habe grössten respekt vor denjenigen, die sich ohne finanzielle Unterstützung von Staat oder Wirtschaft für die Kultur aufopfern.
Die grösste Kritik an einer angeblich verkauften Kultur kommt aber immer von denen, die sich über staatliche Unterstützung nicht beklagen können.
Geschrieben am 28. August 2008 um 16:05Uhr | Permalink