Kunst/Museen
4. April 2008
Fischli/Weiss-Geschäftsbericht: Hochglanz-Telefonbuch
Von den 840 Seiten des Ringier Geschäftsberichts 2007 sind 40 dem Geschäft gewidmet und 800 der Kunst. Wobei Peter Fischli und David Weiss das Geschäft von Ringier zur Kunst gemacht haben, indem sie 800 ganzseitige Inserate ausgesucht und kommentar- und bearbeitungsfrei abgedruckt haben. Wie ein Hochglanz-Telefonbuch fühlt sich das Teil mit dem dünnen Papier an.
“Sonne, Mond und Sterne” nennen Fischli/Weiss den Fünf-Kilo-Wälzer, und es scheint, als wollten die zwei untersuchen, wovon Ringier eigentlich lebt: von Inserenten, die Glamour und Glück versprechen. Doch nicht nur Ringier und die Mitarbeiter (ich war auch einer) leben von diesen Inseraten, sondern auch Peter Fischli und David Weiss. Michael Ringier hat ihnen schon viele Werke für seine Sammlung abgekauft und auch die Arbeit für den Katalog dürften die beiden nicht gratis ausgeführt haben.
Insofern kann man das Werk als Dankeschön der Künstler an die Inserenten verstehen. Zum Dank für das viele Geld, das sie an Ringier und damit indirekt auch an Fischli/Weiss überwiesen haben, erhalten sie nun ein Gratis-Inserat im Geschäftsbericht — und dürfen sich als Teil eines Fischli/Weiss-Kunstwerks sehen. Hier drei zufällig ausgewählte Doppelseiten:
Zum Thema:
Faster! Bigger! Better!
Kunstskandal: Fischli/Weiss klauten Rumpelstilz den Bären
Fischli/Weiss, Patrick Frey, König Kraska



((( rebell.tv ))) blog schrieb:
[…] jetzt hat kulturblog.ch den jahresbericht vonringier kommentiert… wow… jetzt muss ich dann doch noch mal lesen gehen. die haben die 800 inserate also wirklichwirklich 1:1 übernommen?!? wow… habe michael ringier im vorwort etwas anders verstanden. und dachte in einigen inseraten auch was gesehen zu haben… himmel… aber vielleicht sind die inserate einfach auch schon in sich selbst so selbstironisch wie jene autofelgen, welche übertitelt sind mit: spinner, spinner, spinner… genial… rico interpretiert den zum totschlagen geeigneten buch – er nennt es fürnehm ”telefonbuch” […]
Geschrieben am 5. April 2008 um 17:01Uhr | Permalink