Kunst/Museen


Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?

„Wir können nicht mit einer Direktion zusammenarbeiten, die den Leistungsauftrag nicht erfüllt“, lässt sich der städtische Kulturchef Jean-Pierre Hoby in 20Minuten zitieren. Der Trägerverein wolle „so schnell wie möglich zusammentreten und die nötigen Konsequenzen aus diesem Vorfall [Sex Casting] ziehen“. Was nichts anderes heisst als: Jean-Pierre Hoby möchte den Co-Direktor Philipp Meier loswerden.
Hoby offenbart vor allem seine Machtfantasien, wenn er sich in der Presse darüber beschwert, dass die Direktion des Cabaret Voltaire eigenmächtig gehandelt habe. Offenbar müsste ein künstlerischer Leiter bei jeder Entscheidung Väterchen Hoby um Erlaubnis bitten.
Ein Sex-Casting im Cabaret Voltaire kann man durchaus deplatziert finden. Ein Grund so einzuschreiten, ist das aber nicht, auch wenn 20Minuten genüsslich einen Skandal verkündet. Skandalös ist nur, dass der Kulturbeauftragte einmal mehr in einer solchen Situation einer Institution in den Rücken fällt, anstatt sie zu verteidigen. Das Gebaren Hobys schadet dem Cabaret Voltaire bei der Volksabstimmung mehr als ein Direktor Philipp Meier mit Graffiti-Workshops oder angeblichen Sex-Castings.

-> Medienmitteilung von Jean-Pierre Hoby (pdf)
-> Alle kulturblog.ch-Artikel zum Cabaret Voltaire

Kommentare (18) zu “Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?”

  1. unkultur schrieb:

    Aktionen wie “Opera Calling” oder “A Hack a Day” fand ich sehr passend zum Programm des Cabaret Voltaire. Das Sex-Casting weniger. Aber tatsächlich, jeder soll darüber denken, was er will. – Dass hingegen Hoby zu den Medien rennt, damit sein Image nicht etwa in Mitleidenschaft gezogen wird; damit er verkünden darf, dass er auf der richtigen Seite ist, ist ziemlich traurig mit anzusehen. Zürich ist eine Stadt mit einem Kulturangebot, das von sich reden macht; es darf doch bittesehr auch mal polarisieren! Wenn man nur liebliche Kultur will, weshalb unterstützt man dann überhaupt das Cabaret Voltaire? Und wenn man es unterstützt, dann bitte konsequent.

  2. Zappadong schrieb:

    Ich finde die Idee des Sex-Castings auch nicht berauschend (schon wieder so eine Sexkiste, habe ich mir beim Lesen des Artikels im Tagi gedacht), aber es gibt überall in der Kultur berauschendere und weniger berauschendere Ideen.

    Das Cabaret Voltaire tut einmal mehr das, was es immer tut: provozieren. Diskussionen auslösen. Dazu ist es nicht zuletzt da. Dafür mag ich es. Mir gefällt auch, dass ich Meilen davon entfernt bin, es zu verstehen; gerade das ist der Reiz daran.

    Wenn das Provozieren nicht mehr möglich ist, kann man das Voltaire auch gleich schliessen und ein Bärchenmuseum daraus machen.

    Schade, dass so viel von dieser Abstimmung abhängt. Vielleicht hättet Ihr eben doch Bärchen ausstellen sollen vor der Abstimmung, Philipp, und das Sexcasting auf die Zeit danach verlegen sollen.

  3. Lukrezia Pistol schrieb:

    Also bitte: In der Kultur geht es doch immer auch um Sex, wer das bestreitet, hat da etwas Elementares nicht gecheckt oder er macht sich etwas vor. Toll, dass das Cabaret Voltaire (Cabaret beinhaltet auch schon wieder gewisse Assoziationen) eine Sexkiste macht und dies ganz unverblümt.
    Wie schrecklich wäre es, wenn jeder Veranstalter sich nur noch von “günstigen” Strategien leiten liesse.

  4. philipp meier schrieb:

    ich werde mich hüten, diesen artikel von rb zu kommentieren. hier jedoch ein aufschlussreicher link dazu:
    http://blog.rebell.tv/10-fase-von-rebelltv/verbotene-schleichwerbung-unter-den-bedingungen-totaler-oekonomisierung.html

  5. /sms ;-) schrieb:

    witz des tages: was ist der lebensSuprGau der alt68er? – wenn ihre frauen bei maggie tapert ihren ersten orgasmus erleben.

  6. PL schrieb:

    ich finde das Cabaret Voltaire lässig, denn es ist ein Ort, in dem ein Oskar Freysinger seine Poesie vorträgt, HR Giger oder Marylin Manson eine Ausstellung machen, Housefucking, Graffiti-Workshops und Sexcastings stattfinden. Voll geil. Es sollte alles stattfinden wie geplant, Hoby ist ein Weichei, die 20Minuten-Zeitung ist eine PR-Maschine, die der SVP dabei helfen will, in Zürich ein Talibanregime abendländischer Prägung zu errichten. Jeden Tag beschäftigen sich in der 20 Minuten Zeitung mindestens 3 oder 4 Artikeln mit der SVP. Bsp: «Alte Dame rutscht auf Bananenschale aus, Mauro Tuena (SVP) tut es leid und sagt: “Es sollte weniger Bananenschalen geben”». Meinen die eigentlich, wir merkten nicht, dass das alles Propaganda ist? Ich scheiss auf die 20 Minuten und ich scheiss auf die SVP und all die Tuble wo nüt begriffed!
    Das grösste Sparpotential sehe ich immer noch bei der Armee, die jede Saison tonnenweise Munition in Berghängen vernichtet. Aber darüber schreibt ja niemand, dabei sind das auch Steuergelder, die in Rauch aufgehen.
    Im Herbst werde ich für das Cabaret Voltaire stimmen, für die Kultur, für Zürich.

  7. Nuschler schrieb:

    Heilliger Schein!

    Da wird mal eben der Stall ausgemietet (keine Eigenveranstaltung) um die Kultur im Haus Dada quer zu subventionieren und schon geht das Zeter & Mordio los.

    Ein bisschen Sex, dazu noch ehrenamtlich und damit quasi steuerabzugsfähig – und in Zwinglis Zürich melden sich die Moralin-Päpste – schön vereinigt von rechts bis links.

    Lieber Herr Hoby, tut ein wenig für einen guten Zweck verschütteter Samen denn so viel mehr weh als die Quasi-Prostitution der Kultur im Dienste der allmächtigen Wirtschaft?

    Oder sind Ihnen die «Schnäbi und Futzeli»-Dialoge in der Gessnerallee lieber, da zwar auch unter der Gürtellinie, aber am Ende des Tages doch nur im Kopf?

    Ich hätte mir doch etwas mehr Stehvermögen gerade auch von der Kulturpolitik gewünscht.

  8. Hanspeter Gautschin schrieb:

    Ich finde es so empörend, dass Herr Meier uns Männer einfach als Sexobjekte in seinem Kabarett ausstellt. Eine solche Gleichstellerei verbiet’ ich mir.

    Danke Herr Hoby, dass Sie da einschreiten.

  9. KM Profi schrieb:

    Lieber Herr Gautschin,
    trieft da etwa Ironie aus den Zeilen? Übrigens ist es ein durchaus ein betrachtenswerter Unterschied, ob man im Cabaret als Objekt ausgestellt wird oder ob man als Subjekt interaktiv ins Spielgeschehen einbezogen wird. Ich finde Interaktion mit dem Publikum ist ein durchaus moderner Kulturvermittlungsansatz. Und gerade in Zeiten, wo die Kultur den Gürtel enger schnallen soll, sind Freiwillige eine bedenkswerte Alternative des Mitteleinsatzes.

  10. Hanspeter Gautschin schrieb:

    Jaaaa… es trieft. Ich amüsier’ mich nun mal gern über die Auswüchse der Kulturbürokratie. Nebenbei finde ich die erwähnte ‘Interaktion’ natürlich genial.

  11. BM schrieb:

    Das Cabaret Voltaire lechzt nach einer Abstimmungsniederlage, da bin ich sicher. Sie garantiert höchstmögliche Aufmerksamkeit, was sich in massenhaft Gratis-PR auf allen Kanälen niederschlägt. Mit städtischem Geld wäre das gar nie möglich, und so stellt das CV die Weichen für gewünschte Ergebnis. Nur die SVP ist so dumm, dieses Spiel nicht zu begreifen.
    @Philipp Meier: Wieviel hast du der SVP gezahlt, damit sie das Referendum ergriffen hat?

  12. philipp meier schrieb:

    @BM: wir bemühen uns, dada möglichst einer breiten bevölkerung bekannt zu machen (= kunstvermittlung). die plattform dieses referendums hilft uns dabei ausserordentlich. wenn das cabaret voltaire jedoch die abstimmung verlieren würde, dann wäre es aus mit dieser form von kunstvermittlung. und das ist bestimmt nicht unser ziel. und notabene: der svp geld geben ist wie wenn man in herrliberg es chübeli wasser in den zürichsee giessen täte.

  13. hans ferner schrieb:

    @pm
    Die Vermittlung von provokativer Beliebigkeit ist zum einschlafen langweilig. Es mag höchstens solche zu begeistern – bzw. zu wecken., die im geistigen Wachkoma liegen.

    Wenn das Cabaret Voltaire jetzt auch noch voll durchfällt, dann liegt das in erster Linie an den unfähigen Kuratoren und dem hochkaratig besetzten Trägerverein, der die miserable Umsetzung bisher vollen Lobes begleitete. Es ist leider Gottes die Ignoranz seitens der Betreiber, die trotz ansehlichem Budget ein seichtes und neoliberal durchzogenes Programm als Dada verkaufen wollen: symtomatisch für die Ignoranz der Kulturszene ist auch, dass surf-strukuralisten und metapoeten kein problem damit haben in der neointelektuellen Postille namens Schweizer Monatshefte des liberalen Instituts (Mitgründer, Walter Frey, SVP-Vizepräsident) zu publizieren, die selbstredend im Cabaret Voltaire aufliegt. Die Aufsätze des Chefideologen des Neofeudalismus Robert Nef garniert mit zeitgenössischem Poststukturalismus. Konsumis wie z.B. PL finden sowas “vollgeil”. Hugo Ball würde es den Magen umdrehen, wenn er sehen würde, was sich für ein ignoranter Geist im Cabaret Voltaire eingenistet hat.

  14. sven schrieb:

    “jetzt isch fettig”, sagen wir in unseren breitengraden. es ist zeit für ein (rede-)duell hoby vs. meier. jeder hat drei schlüsse und am ende gewinnt derjenige, der vom unabhängigen ombudsmann der kulturellen zünfte den golden argumenationsgürtel verpasst bekommt. dada-stimmung mit escort-service für das mitgereiste publikum, welches von kultur und förderung nur die bohne verstehen darf. falls sich hoby weigern sollte, was nur schwer verständlich wäre, könnte ein kulturbeauftragten-casting durchgeführt werden: dem gewinner oder der gewinnerin winkt ein nachtessen mit hoby, bei dem er/sie 1 stunde zeit hat, hoby zu seinem rücktritt zu überreden. als dessert gibt es einen crash-kurs in kulturmissmanagement an der uni kloten und einen voucher für ein bewerbungsgespräch bei ledergerber, sofern hoby noch vor der pensionierung von philippe meier seinen posten räumen sollte. etwas viel sollte, aber es sollte mal gesagt sein.

  15. PL schrieb:

    @hans ferner: Schon gut, alle anderen sind Ignoranten, nur du, nur du bist der klügste von allen. Aber wenn du schon den Professor spielen willst, dann achte doch wenigstens auf die Rechtschreibung. Und warum bezeichnest du mich als Konsumist? – Noch was: Sprich für dich und nicht für die Toten. Zudem würde sich Hugo Ball eher “im Grabe umdrehen”, den Magen dreht es dir um, du lebst ja noch, alter Griesgram. :-)

  16. hans ferner schrieb:

    Herr Oberlehrer PL,
    Ich futiere mich um die rechtschreibung und wandle redewendungen ab, so wie es mir passt. beschäftige dich doch mal mit den hip gestalteten schweizer monatsheften, robert nef (svp-thinktank libinst) & walter frey (gründer libinst / svp-vize, autolobby), oder mit dem rührigen daniel model, und was die für ein ideologisches programm vertreten: jenes der gegenaufklärung hin zum neofeudalismus (hip verpackt mit dekonstruktion plus prise royal). Aber was sag ich das dir, mit deinem magazin, – achtung – schlag in die magengrube, das bestenfalls als durchlauferhitzer taugt. Ausserdem wenn sich eine kulturinstution auf ein erbe beruft, dann wird man dieses erbe wohl doch verteidigen dürfen. Schade, Oberlehrer PL nicht mal inhaltlich konnten Sie mir das wasser reichen. Denk mal!

  17. philipp meier schrieb:

    @hf: als kenner unseres erbes wissen sie bestimmt, dass dieses sich uns heute sehr heterogen bis zum teil absurd und vor allem auch widersprüchlich präsentiert. für dieselbe aktion von uns würde sich vielleicht hugo ball im grab umdrehen…, tristan tzara oder arthur cravan jedoch würden luftsprünge machen.
    und noch eine kurze antwort auf einen vorhergehenden kommentar von ihnen: sie scheinen noch nie eine «institution» geführt zu haben, wenn sie das unsrige budget als ein «ansehnliches» bezeichnen.

  18. PL schrieb:

    @hans ferner: Willst du mich jetzt duzen oder siezen? Bin ich jetzt ein Konsumist und ein Oberlehrer? Wow. Du bist ja so bescheuert. Warum soll ich hip gestaltete Schweizer Magazine lesen? Soll ich mir auf deine Empfehlung hin auch noch die Fussnägel lackieren? Und warum fühlst du die ingrimmige Lust, mir in die Magengrube zu schlagen? Dass dir mein Magazin nicht gefällt ist okay, mir gefällt es im Moment auch nicht sonderlich, aber ich kann einstecken, also nur zu. :-) Schläge in die Magengrube federn immer so leicht ab, besonders wenn sie von so weichen Typen wie dir kommen, welche die Nase so hoch halten und ständig das Gefühl haben etwas besseres zu sein als alle anderen. «Du kannst mir das Wasser nicht reichen» ist ein stinkendes Eigenlob, das so arrogant rüber kommt wie «Du bist nicht satisfaktionsfähig!» Pha! Hässlicher Bursche! :-) Ich jedenfalls bleibe dabei: Für das Cabaret Voltaire, für die Kultur, für Zürich. Prost! Und: Auf bessere Zeiten!