Politik


Pro Helvetia: Wundersamer Sparerfolg

Nach der Affäre um die Ausstellung von Thomas Hirschhorn im Centre Culturel Suisse in Paris vor vier Jahren, wurde die Pro Helvetia wegen ihres hohen Administrationsaufwands kritisiert, der 37 Prozent des Gesamtbudgets ausmachte. Heute hat die Kulturstiftung den Jahresbericht 2007 präsentiert und schreibt in der Medienmitteilung von Administrationskosten von 14,7 Prozent. Wie ist dieser wundersame Sparerfolg möglich? Die Pro Helvetia hat zwar gespart, aber nicht über die Hälfte ihres Personals entlassen, wie das aufgrund dieser Zahl nötig gewesen wäre.
Die Lösung ist einfach: Die Berechnungsgrundlage hat sich geändert, wie die Pro Helvetia auf Nachfrage bestätigt. Früher zählten alle Personalkosten zur Administration. Heute werden jene Personalkosten, die für die Vorbereitung von Eigenproduktionen oder der Vermittlung von Künstlern anfallen den Produktionskosten zugerechnet. Nach alter Berechnungsgrundlage liegt der Administrationsaufwand heute noch immer bei 31,6 Prozent. Bei dem sinkenden Gesamtbudget der Pro Helvetia ist das noch immer eine beachtliche Einsparung – der wundersame Sparerfolg bleibt jedoch aus.

Kommentare (3) zu “Pro Helvetia: Wundersamer Sparerfolg”

  1. Pius Knüsel schrieb:

    Die sogenannten Administrationskosten von Pro Helvetia sind Mitte der 90er Jahre von 20 auf fast 40% emporgeschnellt, als die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK verlangte, dass ALLE von Pro Helvetia bezahlten Angestellten mitzurechnen wären. Also auch jene, die z.B. in Paris das Programm zusammenstellen. Vor drei Jahren sind wir mit der EFK übereingekommen, dass solche Jobs vielleicht doch nicht Administration seien, sondern Produktion. Seither unterscheiden wir hier. Parallel dazu haben wir die kumulierten Administrations- und Produktionskosten massiv runtergefahren, in Prozenten von 37+ auf 31+%, in absoluten Zahlen um insgesamt 2.6 Mio. Franken. Das hat es uns erlaubt, den Rückgang des Bundeskredites von 35 auf 32 Mio. fast vollständig aufzufangen, ohne dass die Kulturschaffenden dafür bezahlen mussten.
    Und noch ein Hintergrund: In Holland gibt es für jede Sparte eine Stiftung ähnlich Pro Helvetia. Der Unterschied: Sie betreiben keine Kulturzentren, lancieren keine Programme, betreiben keine aktive Kulturpromotion. Sie bearbeiten nur Unterstützungsanfragen. Administrationskosten im Schnitt: 15-16%. Da liegen wir gut.
    Und ein letztes: Unter Produktion fallen z.B. jene Kosten, die auflaufen, wenn wir für Schweizer Kulturschaffende Tourneen oder Ausstellungen in Polen oder China oder Ägypten organisieren. Dafür gibt es seitens der Künstler eine grosse Nachfrage. Würden wir es nicht machen, müssten sie die Arbeit selber leisten und dafür Geld suchen. Aber wie die Arbeit machen, wenn die Kontakte fehlen? Pro Helvetia hat hier KnowHow und Kontakte, das sie kostengünstig im Interesse der Schweizer Kulturschaffenden einsetzt.

  2. talpa schrieb:

    eine kurze analyse der administrations- und produktionskosten 04 – 07 von pro helvetia zeigt, dass im 07 erstmals wieder prozentual weniger geld in projekte geflossen ist. nachdem es pro helvetia in den vergangenen jahren gelungen ist, den projektanteil zu steigern, wird also wieder mehr geld für administration und produktion ausgegeben. ob die von pius knüsel verteidigte produktionsunterstützung sinnvoll ist, kann man zumindest in frage stellen: handelt es sich dabei doch um eine entmündigung der künstler. traut ihnen knüsel überhaupt zu, tourneen im ausland selber zu organisieren?

  3. Pius Knüsel schrieb:

    Als Arbeitgeber ist Pro Helvetia an Gesetze gebunden. Wir können nicht einfach rasch ein paar Leute auf die Strasse stellen, wenn uns der Bund eine Million weniger gibt als in der Finanzplanung ursprünglich vorgesehen. Diese fehlende Million verschiebt die Proportionen, deshalb stiegen die Administrationskosten 2007 von 14.4 auf 14.7%! Der Anstieg wäre höher, wenn wir nicht parallel weitere 126′000 Franken gespart hätten, v.a. durch weitern Stellenabbau. Und ob wir die Künstler entmündigen? Es sind die Künstler selbst, die unsere Hilfe suchen. Ich muss vermuten, dass talpa wenig Ahnung hat von den Verhältnissen ausserhalb von Westeuropa.