Kunst/Museen


Hat Blocher Angst um seine Hodler?

Auf der Einladungskarte zur Vernissage der Hodler-Ausstellung im Kunstmuseum Bern hat Hodler-Sammler Christoph Blocher noch auf die Bezeichnung “abgew. Bundersrat” bestanden. In den Ausstellungssälen nicht mehr — dort fehlt sein Name ganz. Anstatt “Sammlung Christoph Blocher” steht bei seinen Bildern einfach “Privatbesitz”.
Weshalb nur? Gut möglich, dass Blocher Angst um die Bilder hat. Er hätte Grund dazu: Es würde wohl niemanden überraschen, wenn aus der nahen Reitschule irgend ein verwirrter Aktivist vor einem Blocher’schen Hodler plötzlich eine Spraydose zücken würde. Bei der (zu) engen Anordnung in dem Museum wäre dies auch problemlos möglich.

Literatur


Lukas Bärfuss und die sexuellen Eskapaden von Entwicklungshelfern

Dank Lukas Bärfuss wird zurzeit intensiv über den Sinn und Unsinn von Entwicklungshilfe gesprochen, zum Beispiel heute wieder auf einer ganzen Seite im Tages-Anzeiger. Die ganze Diskussion dreht sich darum, ob die Entwicklungshilfe und -helfer Mitschuld am Völkermord in Ruanda tragen, bzw. ob Entwicklungshilfe an sich kontraproduktiv ist.
Ein ganz anderes Problemfeld der Entwicklungshilfe wird im Buch zwar angedeutet, bisher hat es aber niemand aufgenommen: David Hohl, der Entwicklungshelfer im Roman, ist in Ruanda tagelang mit seinen sexuellen Eskapaden mit seiner einheimischen Geliebten beschäftigt, sodass man sich fragt, wann der überhaupt noch arbeitet. Über mehrere Seite breitet Bärfuss detailreich das Sexleben Hohls aus.
Eigentlich wäre das noch kein Problem. Nur, so wie Leute von der Hilfswerke-Front berichten, sei genau dies mit ein Motiv vieler Entwicklungshelfer für ihren Einsatz in der Fremde: ihre sexuellen Fantasien ausleben zu können. Fast überall gebe es Entwicklungshelfer, die ihre Macht und die Armut der Bevölkerung ausnützten und zum Teil mehrere Frauen in ihren Häusern hielten. Dass die ausländischen Helfer in den entsprechenden Ländern einen so schlechten Ruf haben, liege nicht zuletzt an diesem Verhalten. Die Ausschweifungen der Mitarbeiter erachten auch die Organisationen intern als grosses Problem — an die Öffentlichkeit darf das aber nicht.
Die Romanfigur David Hohl nützt seine Machtposition nicht aus, seine Geliebte ist äusserst stark, er hat sich eher ihr zu fügen als umgekehrt. Dennoch: die (sexuelle) Beziehung nimmt einen wichtigen Stellenwert ein, was durchaus Grund wäre, diesen Aspekt der Entwicklungshilfe einmal zur Debatte zu stellen.

Zum Thema:
Lukas Bärfuss: Auch als Romancier aufs richtige Thema gesetzt

Musik, Sonstiges


UBS: 10 Millionen für Lucerne Festival

Die Milliarden-Abschreiber der UBS haben offenbar keinen Einfluss auf das Sponsoring der Bank, zumindest nicht was die klassische Musik betrifft. Kürzlich hatte die UBS zwar mitgeteilt, dass sie das Sponsoring-Engagement für das Verbier Festival und das dazugehörende Orchester kündet, in der New York Times sagt jedoch Michael Haefliger, Direktor des Lucerne Festivals, das Geld komme nun “im selben Umfang” dem Lucerne Festival zugute.
Laut New York Times handelt es sich um gut zehn Millionen Franken pro Jahr. Das Tages-Anzeiger-Magazin bezeichnete in einer langen Reportage vor ein paar Monaten das Engagement der UBS für das Verbier Festival Orcherstra als ”das grösste Kultursponsoring-Projekt der Welt”. Die UBS lässt sich Verbier – bzw. jetzt das Lucerne Festival – mehr kosten als Alinghi.
Glückliches Lucerne Festival, kann man da nur sagen. Und: Spätestens jetzt hat der spröde wirkende Michael Haefliger den Opernhaus-Intendanten Alexander Pereira als Sponsoring-König enttront. Nur in Sachen junge Freundin ist Pereira noch ungeschlagen.

Zum Thema:
Mehr privates Geld in Luzern als in Zürich?
Klassik-Subventionen: Freundschaftsdienst an die Banken

Kunst/Museen


Fischli/Weiss-Geschäftsbericht: Hochglanz-Telefonbuch

Von den 840 Seiten des Ringier Geschäftsberichts 2007 sind 40 dem Geschäft gewidmet und 800 der Kunst. Wobei Peter Fischli und David Weiss das Geschäft von Ringier zur Kunst gemacht haben, indem sie 800 ganzseitige Inserate ausgesucht und kommentar- und bearbeitungsfrei abgedruckt haben. Wie ein Hochglanz-Telefonbuch fühlt sich das Teil mit dem dünnen Papier an.
“Sonne, Mond und Sterne” nennen Fischli/Weiss den Fünf-Kilo-Wälzer, und es scheint, als wollten die zwei untersuchen, wovon Ringier eigentlich lebt: von Inserenten, die Glamour und Glück versprechen. Doch nicht nur Ringier und die Mitarbeiter (ich war auch einer) leben von diesen Inseraten, sondern auch Peter Fischli und David Weiss. Michael Ringier hat ihnen schon viele Werke für seine Sammlung abgekauft und auch die Arbeit für den Katalog dürften die beiden nicht gratis ausgeführt haben.
Insofern kann man das Werk als Dankeschön der Künstler an die Inserenten verstehen. Zum Dank für das viele Geld, das sie an Ringier und damit indirekt auch an Fischli/Weiss überwiesen haben, erhalten sie nun ein Gratis-Inserat im Geschäftsbericht — und dürfen sich als Teil eines Fischli/Weiss-Kunstwerks sehen. Hier drei zufällig ausgewählte Doppelseiten:

ringier1.jpg

ringier2.jpg

ringier3.jpg

Zum Thema:
Faster! Bigger! Better!
Kunstskandal: Fischli/Weiss klauten Rumpelstilz den Bären
Fischli/Weiss, Patrick Frey, König Kraska

Film


Lehrbuchfall Zurich Film Festival

Schon im ersten Jahr hatten die Macher des Zurich Film Festival eine Million Franken für ihr Festival aufgetrieben. Fast alles über Firmensponsoring. Zwei Jahre später konnten sie erwirken, dass die Stadt ihre Subventionskassen für das Festival öffnet. Und nun greifen sie nach Geld von privaten Gönnern, wie das Festival heute mitteilt:

“25 namhafte Vertreter aus den Bereichen Kultur und Wirtschaft kamen letzte Woche im Club zum Rennweg zusammen, um den Gönnerverein ‘Zurich Film Festival Donors’ offiziell ins Leben zu rufen.”

Das Zurich Film Festival erweist sich schon nach drei Jahren als ein Lehrbuchfall, wie man erfolgreich eine hochdotierte Kulturveranstaltung ins Leben ruft. Ein wichtiges Erfolgsrezept wird für die Nachahmer aber nur schwer zu kopieren sein: für die Akquise ein smartes Ex-Model wie Nadja Schildknecht zu finden, dem kein Firmenchef oder Marketingverantwortlicher einen (Sponsoring-)Wunsch ausschlagen kann.

Zum Thema:
Zurich Film Festival: “Nichts anderes als ein Geschäft”

Literatur


Freysingers Buchwerbung

kulturblog.ch hat aus geheimer Quelle das Werbeplakat für ein neues Buch von Nationalrat und Autor Oskar Freysinger erhalten:

schweikert1.JPG

(Das Bild zeigt Ruth Schweikert mit Kind bei ihrem Iran-Besuch vor einem Jahr, Screenshot rebell.tv).

Zum Thema:
Ruth Schweikert mit Kopftuch

Musik


Zürcher Orchester: Probleme mit Transparenz?

Schauspielhaus, Opernhaus, Kunsthaus und auch einige kleinere Institutionen veröffentlichen einen ausführlichen Geschäftsbericht im Internet. Das ist praktisch, will man etwas nachsehen, hat man sämtliche relevanten Zahlen gleich verfügbar. Beim Schauspielhaus stehen sogar die Geschäftsberichte der vergangenen paar Jahre zum Download bereit, wodurch auch Vergleiche möglich sind.
Die zwei hochsubventionierten Orchester von Zürich, das Tonhalle-Orchester und das Kammerorchester ZKO, erachten eine solche Transparenz nicht für nötig. Wer dort die Zahlen möchte und den gedruckten Geschäftsbericht gerade nicht zur Hand hat, muss sich mühselig durchfragen. 
Die Zahlen nur schwer zugänglich zu machen, hat sich bisher für die Orchester gelohnt. Während beim Schauspielhaus jede Auflösung von stillen Reserven irgendwann zum Medienthema wird, bleiben die Orchester weitgehend unbehelligt. So hat bei der Tonhalle niemand untersucht, ob und wie die teure Ablösung des Intendanten Tyrgve Nordwall verbucht wurde; viele Fragen blieben in jener Affäre offen (siehe hier). Auch beim kriselnden ZKO wäre es interessant, die Zahlen der letzten paar Jahre vergleichen zu können. Deshalb: Eine Veröffentlichung von detaillierten Zahlen im Internet sollte bei Kulturinstitutionen eine Bedingung für den Bezug von Subventionen sein.