Bühne


Theater am Rednerpult

Foto Stephan Rappo
Vor zwei Wochen brachte Maggie Tapert mit ihrem Sex-Casting im Theater am Neumarkt die Zürcher Kulturbeamten in Wallung, gestern war sie wieder in dem Theater, als regulärer Premierengast. Vielleicht dachte die Sexberaterin, sie könne von der ”Publikumsberatung” (so heisst das Stück) etwas lernen. Wahrscheinlich wollte sie aber einfach einmal sehen, was sonst so in dem Theater läuft.
Nichts skandalöses an jenem Abend — und auch nichts, was sich als besonders herausragend erweist. Das Stück von Kathrin Röggla mit dem Ex-Ensemble-Mitglied Leopold von Verschur in der Hauptrolle, ist eine intellektuelle Spielerei, das wie ein Comedy-Stück beginnt und je länger je verrückter, aber auch anstrengender wird. Eineinhalb Stunden spricht der schüchterne, leicht verwirrte Mann, der doch sehr von sich selbst überzeugt ist, am Rednerpult, von Foucault und Jean Paul, vom Kapitalismus und vom Neobiedermeier. Von einer Redner-Agentur engagiert, weiss der Redner weder worüber er genau spricht, noch zu welchem Anlass — ein Konzept, das überstrapaziert wird.
Hier noch ein Ausschnitt aus dem wunderbaren Prolog, vorgetragen vom “Sponsor des Abends”, Franz Tröger:

“das theater, in dem wir uns heute versammeln, steht an einem scheideweg. ein intendant wird es zum ende der spielzeit verlassen, mit ihm sein gesamtes künstlerisches team, er wird ausgetauscht gegen zwei neue — halb so alte. (das was ich zu meiner Frau, natürlich nur im scherz, sage: ‘wenn du 50 wirst tausche ich dich ein gegen zwei 25jährige!’, hier wird es ereignis.)”

Kommentar (1) zu “Theater am Rednerpult”

  1. JP schrieb:

    Ich war gestern dort und möchte widersprechen. Der Abend ist eine Perle. Was Leopold von Verschuer als Schauspieler riskiert, ist bewundernswert, und der Text ist – würde ich sagen, wenn es nicht so grossspurig wäre – eine zeitgenössische Antwort auf Peter Brook im Schauspielhaus.