Kunst/Museen
16. Mai 2008
ewz.selection: Das Ende der Berufsfotografie?
Der Du-Alleinredaktor Walter Keller stellt im Heft zur ewz.selection die Berufsfotografie in Frage. Aufgrund von Handybildern und Leserreportern sei die Unterscheidung von Amateur und Profi unscharf geworden:
“Warum soll eine Firma noch eine Agentur und einen Fotografen beauftragen, wenn der Chef mit dem Grafikpraktikanten am Screen gleich die ganze Werbekampagne gestalten kann?”
Eine Antwort, was die Fotokunst heute bedeutet, formuliert der Kunstkritiker Peter Plagens einige Seiten weiter hinten:
“Als Galeriematerial unterscheiden sich Fotografien jetzt nicht grundlegend von Gemälden, die gänzlich durch die Vorstellungskraft eines Künstlers hervorgebracht wurden, abgesehen davon, dass ihnen die Berührung der Hand und die Oberflächenvariationen des Gemäldes Fehlen.”
Tatsächlich ist es so, dass einem bei der sehr sehenswerten Ausstellung im Unterwerk Selnau die Fotografien oft an Gemälde erinnern. Zum Beispiel an Gerhard Richter (Bilder von Erika Maak) oder an Historiengemälde (Bilder von Christian Lutz). Was weiter auffällt: hinter fast jeder Arbeit steht ein durchdachtes Konzept, das zum Teil eine lange Vorbereitungszeit voraussetzt. Auch darin unterscheidet sich (gute) Berufsfotografie von Handyfotos.
philipp meier schrieb:
walter keller verdient grossen respekt für alles, was er geleistet hat und nach wie vor leistet!
dieser kulturpessimismus ist jedoch zum haarölseiche! statt neue tendenzen als chance zu sehen, blockiert man sich geistig mit reflexartigem klagen. vor allem: was ist berufsfotografie? einE fotokünstlerIn, die von ihrer künstlerischen fotografie (was ist fotokunst?) leben kann? ist es vielleicht nicht ein problem, dass es zuviele «berufsfotografen» gibt? des weiteren: die fotografie strotzt gänzlich vor einer medialen überpräsenz und kunstmarktwirtschaftlichen sexyness. wo ist eigentlich z.b. die kunst der neuen medien? wovon lebt einE performance-künstlerIn?
wie liest man jeweils so schön in solchen zusammenhängen: walter keller klagt hier auf hohem niveau ;)
Geschrieben am 16. Mai 2008 um 17:26Uhr | Permalink
rb schrieb:
Der Fairness halber hier noch, was Walter Keller auch schreibt:
“Was Bestand haben wird, ist das talentierte Auge, das sieht, was andere nicht sehen. Wer dieses nicht hat, sollte sich neu orientieren. Er wird seine Miete kaum mehr mit Fotografieren verdienen können.”
Geschrieben am 16. Mai 2008 um 19:26Uhr | Permalink
walter keller schrieb:
der untergang des abendlandes (oswald spengler) ist nicht, was mich interessiert, sondern die veränderungen und ihre chancen. eben: talentiertes auge. aber vielleicht eben in zukunft nur noch dieses.
und wenn du wissen willst, lieber philipp meier, wie ein kleiner jazz-unternehmer das macht (ich bin nicht fotofixiert, der linse sei dank), dann schau dir mal das juni-DU an. lohnt sich. ball zurück an dich. herzlich der haarölseicher walter keller
Geschrieben am 18. Mai 2008 um 18:37Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
danke für den steilpass, lieber walter keller. nehme den ball gerne an (der ist ja im moment besonders aktuell, der ball). ich möchte jedoch vor dem tor noch ein paar doppelpässe spielen ;)
ich schätze das talentierte UND das untalentierte auge. lustiger weise spricht man dem zweiteren mehr authentizität zu.
Geschrieben am 19. Mai 2008 um 14:18Uhr | Permalink
David Meili schrieb:
Ich habe die Ansprache von Walter Keller sehr geschätzt, nicht nur, weil er in meiner Generation steht. Viele erfahrene und talentierte Berufsfotografen arbeiten knapp am Existenzminimum oder können sich wegen dem besseren Verdienst des/der Lebenspartner/in über Wasser halten. Das ist bei Schriftstellern der Normalfall. Für einige der Preisträger der ewz.selection bedeutet selbst ein Nebenpreis von wenigen Tausend Franken eine Einkommensgarantie für ein bis zwei Monate.
In den vergangenen Monaten konnte ich auch gut ausgebildete und talentierte Filmleute kennengelernt, die zum Teil sogar gratis arbeiten. Auch hinter bekannten Projekten steht ein Heer von Praktikant/innen.
Die zumeist mit hohen Beamtengehältern und Altersvorsorge dotierten Kulturförderer verschliessen ob dieser Realität beide Augen/Ohren. Wenn ein Kulturbeamter mit einem Jahresgehalt von CHF 140 000.- ein “Werkjahr” für CHF 10 000.- übergibt, stelle ich als Zuschauer mein Cüpli mit Ekel zur Seite.
Diese Problematik konnte und wollte Walter Keller, wie ich es verstanden habe, auch ansprechen, – und viele Teilnehmer/innen der ewz.selection haben es auch so verstanden.
Geschrieben am 20. Mai 2008 um 07:35Uhr | Permalink