Sonstiges
18. Mai 2008
Hartmann und Harnoncourt: Zwei km/h Differenz
In der NZZ gibt es die biedere Kolumne “Was ist schweizerisch?”, prominente ausländische Zeitgenossen dürfen dort schreiben, was wir alle schon wussten: Schweizer sind pünktlich, verschlossen, arbeitsam aber doch sympathisch oder zumindest ansatzweise interessant. Der Dirigent und Mozart-Spezialist Nikolaus Harnoncourt meint in der Kolumne von gestern noch einen andern Aspekt gefunden zu haben:
“‘Schweizerisch’ bedeutet für mich zum Beispiel eine Autokolonne auf einer sonst leeren Strasse; man fährt 52 km/h, einem Auto nach. Wir verlieren irgendwann die Geduld, fahren vor (60 km/h sind erlaubt); im ersten Wagen das typisch altschweizerische Genick mit weissen Haaren; ‘ich fahre, wie ich fahre’.”
Nur blöd, dass Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann zwei Wochen zuvor an der selben Stelle geschrieben hatte:
“Dass auf der Seestrasse am Mythenquai immer alle 50 Kilometer pro Stunde fahren, auch da, wo die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei 60 Kilometern pro Stunde liegt, das finde ich typisch schweizerisch.”
Immerhin: Bei Harnoncourt fahren die Schweizer zwei km/h schneller als bei Hartmann.