Bühne


A Clockwork Orange: Die Jörg Pohl Show

Foto Leonard Zubler
Sonst ist er immer so etwas wie ein braver Internatsschüler, jetzt darf Jörg Pohl endlich mal so richtig den Bösen spielen — und läuft dabei zu Höchstform auf. “A Clockwork Orange” im Schiffbau wird zur “Jörg Pohl Show”: kraftvoll, rockig, rasant.
Nun gut, einen Stoff auszuwählen, der Stanley Kubrick schon meisterhaft umgesetzt hat, mutet tollkühn an. Und tatsächlich: hat man das Buch von Anthony Burgess und/oder den Film im Hinterkopf, so fällt vor allem auf, was alles weggelassen werden musste. Anstatt nur einen Ausschnitt aus dem Buch herauszugreifen, versucht Regisseur David Bösch die gesamte Geschichte auf die Bühne zu bringen. Durch die vielen Weglassungen geht’s dabei ab und zu etwas gar schnell voran.
Die Kultivierung und Ästhetisierung der Gewalt kommt auf der Theaterbühne wenig zum Tragen; auf durchchoreographierte Kämpfe mit Beethoven-Untermalung wird verzichtet. Dafür wird gerockt — und wie! Alle Darsteller greifen auch zu Instrumenten. Zwar wirkt das irgendwie altbacken (rocken heutige Jugendliche eigentlich noch?), doch mitreissend ist das allemal.
Der Applaus heute an der Premiere war so stark wie selten in dieser Schauspielhaus-Saison. Dies lag vor allem an der starken Leistung von Jörg Pohl, diese Rolle könnte ihm endgültig zum Durchbruch verhelfen. Was hinter den lauten Klängen fast vergessen geht: Was da über Jugend und Gewalt erzählt wird, das liest man heute genau so täglich in den Zeitungen, die Buchvorlage stammt aber von 1962.

Kommentar (1) zu “A Clockwork Orange: Die Jörg Pohl Show”

  1. Pavel schrieb:

    Jörg Pohl ist ja wohl das Schärfste, was sich zwischen Kreis 1 und Kreis 5 abspielt! Ein absolutes Naturwunder. Inklusive der erotischsten Stimme seit Oskar Werner. Unglaublich tolle Leistung!
    Einziges Betrübnis: An dem Abend, an dem ich dort war, liess sich der gute Dramaturg der Aufführung in einer Ansprache vor Beginn dazu hinreissen, die anwesenden SchülerInnen auf eine nicht sehr hinreissende Art und Weise zu ermahnen, sich gefälligst gut zu benehmen, um nicht diejenigen zu stören, die (Zitat) “richtiges Geld für ihre Karten bezahlt haben”… Eine Dreistigkeit, die kaum zu überbieten ist. Da soll mir mal jemand sagen, dass sich Theater ernsthaft um ihr Nachwuchspublikum bemühen und es entsprechend achten…