Film


Filmpreis: Frack gegen Rollkragenpulli

BAK-Filmchef Nicolas Bideau möchte nicht, dass die neue Filmakademie bereits im nächsten Jahr die Nominationen für den Filmpreis vornimmt — obwohl sie eigens dafür geschaffen wurde. Als Grund schiebt er finanzielle und juristische Gründe vor. Doch Bideau, der die Filmförderung immer schon als Show verstand, möchte bei der ersten TV-Übertragung einer Schweizer Filmpreisverleihung die Zügel alleine in der Hand halten. Die Dachorganisation der Filmer, Cinésuisse, hat gestern ein Protestschreiben veröffentlicht (pdf).
Der Streit ist nur eine weitere Episode im Kampf zwischen jenen, die unter Erfolg v.a. viele Zuschauer verstehen und jenen, die weiter an ihren Kunstfilmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit werkeln wollen. Personifiziert ist das ein Kampf der Funktionäre Nicolas Bideau gegen Ivo Kummer, bei den Filmemachern Michael Steiner gegen Samir. Die eine Seite will so etwas wie ein Schweizer-Oscar mit Frack-Pflicht, die andere Seite will beim altgedienten Rollkragenpulli bleiben.
Bei Cinésuisse und in der Filmakademie ist die Rollkragenpullifraktion (noch) in Überzahl und so fürchtet Bideau, dass sie ihm seine grosse TV-Show im KKL Luzern vermiesen könnte. Mit aller Kraft will er verhindern, dass Leute das Schweizer Oscärchen abholen, von denen noch nie jemand etwas gehört hat und die Ex-Missen im Parkett sitzen bleiben. 
Der Konflikt wird sich nicht so rasch lösen, die Schweizer Filmpolitik bleibt eine Seifenoper. 

Kommentar (1) zu “Filmpreis: Frack gegen Rollkragenpulli”

  1. Ivo schrieb:

    Ach du meine Güte! Der Schreibende RB (Rico Bandle) ortet einen Konflikt, den es wohl nur in seinem Kopf gibt: Rollkragenpulli gegen Smoking? Wenn die Welt so einfach wäre! Und ich sogar noch einen solchen Pulli tragen würde, vielleicht wüsste ich dann, was damit gemeint ist?
    RB sollte wissen, dass es bei der Akademie um die Nominationsarbeit für den CH Filmpreis geht und mitnichten um die Preiseverleihung selber, die zu hundert Prozent von der SRG im KKL gestaltet und auch verantwortet wird. Da hat selbst ein Bundesbeamter nichts dreinzuschwatzen. Stossend an der ganzen Sache ist bloss, dass ein Sektionschef seine Arbeit nicht richtig macht. Wären die rechtlichen und finanziellen Stolpersteine (was ist eigentlich inhaltlich damit gemeint??) viel früher auf dem Tisch gelegen, hätte die Filmbranche anders darauf reagieren können. Aber jetzt, wo der Zug ins Rollen geraten und die Akademie gegründet ist, eigenmächtig auf “Rot” zu schalten, ist ein Watsch ins Gesicht derer, die in den vergangenen Monaten für diese Akademielösung gearbeitet und auch finanzielle Mittel dafür gefunden haben, die sich nun in Luft auflösen. Und wenn das BAK, wie zu lesen ist, den CH Filmpreis ab 2010 gänzlich der Akademie übergeben, sich jedoch nicht mehr finanziell daran beteiligen will, wird RB sein Cüpli nicht mal selber zahlen können, weil es der Anfang vom Ende der dann zwölfjährigen Geschichte des CH Filmpreises sein wird. Hélas – die Smoking Fraktion kann sich dann bei einer Barfuess Disco mit garantiertem Selbsterfahrungsfaktor in Szene setzen!