Literatur, Politik


BAK: Erfolgsabhängige Förderung am falschen Ort

Das Bundesamt für Kultur will eine erfolgsabhängige Buchförderung einführen, nach dem Vorbild von Succes Cinéma. Warum ausgerechnet beim Buch? Beim Film ist eine erfolgsabhängige Förderung nachvollziehbar: aufwändige Produktionen sind meist publikumsträchtiger, mit einer erfolgsabhängigen Förderung ist der Anreiz da, in grössere und teurere Produktionen zu investieren. Auch in der freien Theaterszene könnte eine erfolgsabhängige Förderung sinnvoll sein, damit weniger und dafür ausgereiftere Produktionen auf die Bühnen kämen.
Doch bei der Literatur? Was kann da eine erfolgsabhängige Förderung bewirken? Dass die Bestsellerautoren noch mehr verdienen? Dass die Verlage dafür belohnt werden, wenn sie nur noch Bücher von erfolgsversprechenden Autoren verlegen? Schreibt ein Schriftsteller plötzlich verständlicher, publikumsnäher oder besser, wenn bei Erfolg eine zusätzliche Geldprämie lockt? Kaum.
Beim Film und beim freien Theater ist das in der Regel anders: Das Fördersystem setzt dort den Anreiz, möglichst viel Aufwand in die Akquise von Fördergeldern zu stecken und möglichst wenig in die Produktion. Eine erfolgsabhängige Förderung kann in jenen Sparten tatsächlich zu einer Qualitätssteigerung führen, bei der Literatur nicht.

Kommentare (5) zu “BAK: Erfolgsabhängige Förderung am falschen Ort”

  1. Claudio schrieb:

    Ich habe auch nicht schlecht gestaunt, als ich heute diesen Vorschlag gelesen habe. Genau die gleichen Gedanken gehabt wie Sie, RB. Schön, dass Sie ihnen Ausdruck verleihen.

  2. Hans Ritter schrieb:

    Als ehemaliger Landesbibliothekar sollte Jauslin die Materie Buch doch ganz gut kennen ;)

    Was mir partout nicht in den Kopf will, warum success sowieso denn beim freien Theater so doll sein soll.

    Dass hier zuviel produziert wird, liegt doch nicht am BAK, aber an den kantonalen und städtischen Töpfen, die die Verzettelung unterstützen, indem man Produktion nach Produktion einspeisen muss, um als Compagnie überleben zu können.

    Was kann da eine erfolgsabhängige Förderung bewirken?

    Diese Fragen kann man sich doch durch alle Sparten fragen.

    Literatur ist nicht einfach eine schönere Kunst als andere und verdient deshalb den speziellen Schutz VOR Jauslins neuem schönen Fördertools. Am Ende des Tages produzieren auch Literaten einfach ein Kulturprodukt, das verkauft und verbraucht wie eine CD oder ein Kinoticket.

    Ich finde es jedenfalls schon sehr typisch, dass man aus dem BAK lange nichts hört und dann kommt man mit altem Wein in neuen Schläuchen hervor.

    Jauslin, bitte treten sie doch einfach auf dem Höhepunkt ihres Success zurück wie Sportler das auch machen!

  3. rb schrieb:

    Es stimmt natürlich, dass für das freie Theater nicht das BAK zuständig ist. Es geht hier allgemein um die Überlegung, in welchen Sparten eine erfolgsabhängige Förderung sinnvoll sein könnte und in welchen nicht. Beim freien Theater denke ich, dass sich die «Verzettelung» mit einer teilweise erfolgsabhängigen Förderung mildern liesse. Wie sie richtig bemerken, liegt es da v.a. an den Gemeinden und Kantonen, sich diesbezüglich Gedanken zu machen.

  4. BösFux schrieb:

    Ich erlaube mir mal, daran zu zweifeln, dass in bezug auf das Theaterschaffen der von rb suggerierte Zusammenhang zwischen finanzieller Förderung und “Ausgereiftheit” derart zwingend und linear ist. Als ‘Hinter-die-Kulissen-Kucker’ in einigen grossen deutschsprachigen Häusern kann ich diesen Zusammenhang in derartiger Apodiktik jedenfalls nicht zustimmen. Aber vielleicht ist es ja so, dass die freie Szene tatsächlich viel produktiver umgeht mit dem Geld als die Staatstheater.

  5. Matthias Buercher schrieb:

    Bei der erfolgsabhängigen Förderung geht es um einen anderen Aspekt, der hier nicht beachtet wurde: Der wirksamste Effekt bei succès cinéma ist beim Kinobesitzer. Wenn dieser 2.50 pro Eintritt cash erhält, dann kann das für ihn ein Argument sein, den Film zu spielen oder länger im Saal zu behalten.
    Das gleiche Problem stellt sich beim Buch: Es werden soviele Bücher publiziert, dass es Schweizer Bücher schwer haben, in der Buchhandlung im Gestell und dann auch noch einigermassen sichtbar zu sein. Gleichzeitig werden die Buchhandlungen mit der Preisfreigabe mit sinkenden Margen kämpfen müssen. 2.50 würden hier die Marge eines Buchhändler um 20-30% erhöhen.
    Die Frage stellt sich hingegen, wir die Förderung ausgestaltet wird, wohin das Geld geht, ob es Minima und Maxima gibt.