Bühne


DV8: Homophobie-Lektion zur Festspieleröffnung

Am Samstag war das Eröffnungsfest der Zürcher Festspiele in der Gessnerallee und die Mehrheit der Disco- und Fussballübertragungs-Besucher wusste wohl gar nicht, was die Festspiele überhaupt sind, geschweige denn, dass dies ein Festspielanlass ist. Die privilegierte Klasse hatte ihre eigene Eröffnungsparty einen Tag zuvor im Opernhaus. Es ist zwar aus PR-Sicht legitim und sinnvoll, den letzten, schwierigen Monat der Spielzeit zu retten, indem man alle Produktionen, die mit wenigen Ausnahmen ohnehin gespielt würden, “Festspiele” nennt; dass dadurch aber so etwas wie eine Festspielstimmung aufkommt, ist illusorisch.
Am ehesten noch profitieren die kleineren Bühnen von dieser PR-Massnahme: aus dem Festspieltopf erhalten sie zusätzliches Geld, um sich etwas grössere Produktionen leisten zu können. In der Gessnerallee war am Startwochenende DV8 aus England zu Gast. Eine Multikulti-Truppe mit einem klaren aufklärerischen Anspruch. Für “To Be Straight With You” hat sie unzählige Interviews zum Thema Homosexualität und Religion geführt und bringt diese gesprochen und getanzt auf die Bühne. Das wirkt zu Beginn wie eine Lehr-Stunde, wird dann aber immer persönlicher, körperlicher, stärker. Ob das Zürcher Kulturpublikum der richtige Adressat für ein solches Anti-Homophobie Stück ist, sei dahingestellt. Trotz Hitze und Fussball waren aber alle Vorstellungen voll – vielleicht hat das PR-Ereignis ”Festspiele” doch positiv mitgewirkt.

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