Bühne
25. Juni 2008
Opernhaus: Homoki der neue Marthaler?
Die Schweizer Presse ist des Lobes voll für die Wahl von Andreas Homoki ans Opernhaus Zürich. Aus der Distanz wird der mutige Entscheid anders beurteilt, die “Welt” sieht bereits den nächsten Fall Marthaler auf Zürich zukommen:
“Die Oper Zürich ist ein wunderbar altväterlich geführter, auf höchsten Touren laufender, international anerkannter Gemischtwarenladen, der Starglanz und geschickten Kompromiss, interpretatorischen Ehrgeiz und große Namen einigermaßen harmonisch vereint. Homoki freilich spielte bisher in der zweiten Liga. Der Zürcher Aufsichtsrat will offenbar einen ästhetischen Neuanfang. Das ehrt ihn. Doch das wollte man beim Schauspielhaus mit dem als Theaterleiter unerfahrenen Christoph Marthaler auch.”
Entgegen der gängigen Meinung war es bei Marthaler in erster Linie nicht die künstlerische Ausrichtung, die das altehrwürdige Publikum vertrieb, sondern dass zu Beginn viele Premieren kurzfristig verschoben werden mussten und dass plötzlich eine ganze Horde von schlechtangezogenen jungen Besuchern das Pfauen-Foyer in Beschlag nahm. Die Zürcher Gesellschaft setzt auf Konventionen, möchte im Parkett unter sich sein. Wenn Homoki diesem Umstand Rechnung trägt, kann auf der Bühne durchaus auch etwas Gewagteres passieren.
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BösFux schrieb:
Ganz abgesehen davon, dass Marthaler-Nachfolger Matthias Hartmann ein künstlerisch mittelklassiger, dafür umso respektloser agierender Karrierist ist, der es vorzieht, auf Endproben Fussball zu schauen bzw. sich Handy-Computerspielen hinzugeben, ist m.E. keine merkliche Verbesserung der Kleiderordnung im Pfauen-Foyer zu erkennen, so sie sich denn im Zeiten Marthalers tatsächlich verschlechtert haben sollte. Mutatis mutandis ist nicht zu befürchten, dass Herrn Homokis Heraufkunft am Zürcher Opernhimmel ähnliches bewirken wird.
Geschrieben am 25. Juni 2008 um 19:57Uhr | Permalink
alberich schrieb:
Das ist doch beides Quatsch: Das Schauspielhauspublikum hat sich sicher nicht an der Kleidung der Besucher gestört, sondern eher an den Unterhosen auf der Bühne – die Ringiers&Co. kamen ja auch nie in der gleichen Kluft in den Pfauen wie ins Opernhaus.
Und wer Hartmann als mittelklassig bezeichnet, verkennt seine enorme Ausdrucksbandbreite und seine kühne musikalische Seite (selbst bei Kleist zu bestaunen). Marthaler hingegen ist ein schmales Talent, das nur eine einzige künstlerische Linie kennt – und lieber einer der ab und zu mit dem Handy spielt, als einer, der mit der Flasche spielt.
Geschrieben am 26. Juni 2008 um 09:28Uhr | Permalink
rb schrieb:
Das angebliche “Unterhosentheater” war v.a. ein Vorwand für die, die gar nie im Schauspielhaus waren. Wem Marthaler nicht gefällt — dafür gibt es durchaus Gründe — dann kaum wegen einer harmlosen Unterhosenszene.
Das mit den Kleidern ist ein bisschen zugespitzt, doch ich hatte von alten, abtrünnigen Schauspielhausbesuchern oft als Grund gehört, dass sie sich im Foyer nicht mehr zu Hause, bzw. wohl fühlten.
Geschrieben am 26. Juni 2008 um 10:02Uhr | Permalink
BösFux schrieb:
@Alberich: Hartmanns bitte was? Seine “kühne musikalische Seite”? Man kann sicher in guten Treuen geteilter Ansicht sein, was die Regiequalitäten Hartmanns betreffen, musikalische Kühnheit, ja überhaupt nur schon Musikalität würde ich ihm – erst Recht im Vergleich mit Marthaler! – nun aber definitiv nicht zusprechen wollen.
Was die Handy/Flaschen-Frage angeht: Menschen, die mit Hartmann arbeiten, scheinen sich an seiner fehlenden Aufmerksamkeit auf Proben weitaus öfter zu stören, als jene, die mit Marthaler arbeiten, daran, dass dieser den Probentag gerne mit einer Flasche Sancerre beginnt, um ihn dann mit Portwein fortzusetzen… Marthaler hat – was Alberich “schmales Talent” nennt – eine Handschrift, die man mag oder weniger, Hartmann – oben heisst dies “enorme Ausdrucksbandbreite” – inszeniert doch zumeist gefällig-oberflächlich, und wird dafür (und dafür, dass er freilich ein prima Kaufmann ist) mit der Burgtheater-Intendanz belohnt. Das Ziel, welches er übrigens schon verfolgte, bevor er seine Warteschleife in Zürich angetreten hat.
Geschrieben am 26. Juni 2008 um 14:35Uhr | Permalink
marcello schrieb:
Auch bei Hartmann gibts Unterhosen und Nackte auf der Bühne, aber das scheint niemanden mehr zu stören bzw. das heisst dann enorme Ausdrucksbreite. Und wenn die “Verkaufte Braut” von Hartmann musikalisch war, dann bin ich Ballack.
Geschrieben am 26. Juni 2008 um 23:02Uhr | Permalink
angi schrieb:
BösFux schreibt, Hartmann sei ein prima Kaufmann, nun kam aber doch bereits im ersten Jahr heraus, dass er den Etat stark überzogen hat und Rücklagen auflösen musste, auch in Bochum nahm er es mit dem Etat nicht sehr genau und überzog schon mal maßlos. Warum ist so jemand en guter Kaufmann?
Geschrieben am 27. Juni 2008 um 10:54Uhr | Permalink