Bühne


Der Niedergang des Bernhard-Theaters

Kaum jemand bedauert mehr den Niedergang der Zürcher Boulevard-Bühne — das Casinotheater Winterthur hat das Traditionshaus mehr als ersetzt. In der Tagespresse ist das Bernhard-Theater aber immer noch unter «Zürcher Theater» aufgeführt:

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Das Opernhaus wird dort bald eine Probebühne einrichten, damit dürfte die Bernhard-Theater-Rubrik endgültig aus dem Theaterkalender verschwinden.
Das Cabaret Voltaire darf kein Sex-Casting mehr durchführen, die Miss Bikini Wahl erscheint nicht mehr im Theaterkalender — was für ein Kulturverlust für Zürich.

Bühne


Theater: Auf die Erweiterung folgt die Finanzkrise

Anmerkung: Aus diesem Blog-Eintrag ist ein Artikel auf tagesanzeiger.ch geworden, siehe hier. 

In Basel fordert der Verwaltungsrat des Theaters 15 zusätzliche Millionen, sonst müsse bei der Qualität abgebaut, im schlimmsten Fall sogar das Ballett abgeschafft werden. In Zürich verzichtet Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann auf Neuproduktionen im Schiffbau, wegen Geldmangel. Diese Ankündigungen sind nicht bloss Druckmittel, um hoffentlich an neues Geld zu kommen, bei beiden Institutionen ist die finanzielle Lage tatsächlich besorgniserregend.
Weshalb ist das ausgerechnet beim Zürcher Schauspielhaus und beim Theater Basel der Fall? Beide Institutionen haben in den letzten zehn Jahren räumlich stark ausgebaut: das Schauspielhaus mit dem Schiffbau, das Theater Basel mit dem Schauspielhaus. Die Subventionen hielten mit dem Ausbau nicht Schritt, die Zuschauerzahlen sanken sogar.
Erst die Erweiterung, dann die finanziellen Probleme – falls dies zur Regel wird, trifft es als nächstes die Stadttheater in Bern und St. Gallen. Beide haben erst kürzlich ausgebaut, St. Gallen mit der Lokremise, Bern mit den Vidmar-Hallen. Es könnte also eine nationale Theater-Finanzkrise auf uns zukommen.

Bühne, Sonstiges


Aktuelle und zukünftige Serien-Stars

Das Theater Neumarkt hat bekanntlich eine neue Direktion, am 2. September um 11 Uhr präsentiert sie den Medien ihre Pläne und ihr neues Ensemble. Das Schweizer Fernsehen hat bekanntlich eine neue Arztserie, am 2. September um 11 Uhr dürfen sich die Medien die ersten zwei Folgen anschauen. Das eine hat mit dem andern nichts zu tun, mag sich manch einer denken. Aber halt! Ziemlich viele Ex-Neumärktler haben bei Film und Fernsehen Fuss gefasst, bei “Lüthi und Blanc” waren mehrere mit dabei, bei der Arztserie “Tag und Nacht” spielt Daniel Rohr mit wohl nicht als einziger. Und so kann man folgern: Am 2. September um 11 Uhr werden beim Bahnhof Stadelhofen die aktuellen Serien-Stars vorgestellt, im Theater am Neumarkt die zukünftigen.

Sonstiges


Kongresshaus: Unrealistischer Vorschlag aus schlechtem Gewissen

Aus Missgunst haben einige einheimische Architekten das Kongresshaus von Moneo bekämpft – über ihren Erfolg waren sie wahrscheinlich selbst überrascht. Offenbar ist ihnen nicht mehr ganz wohl in ihrer Haut, deshalb kommen sie jetzt mit einem gut klingenden, aber völlig unrealistischen Vorschlag: Aus dem alten Kongresszentrum ein Kulturzentrum zu machen. Man nehme das Wort Kultur in den Mund — das wirkt immer nach einer hehren Absicht, mögen sich die Architekten gedacht haben.  
In Zürich ein weiteres grosses Kulturzentrum zu etablieren ist etwa so realistisch, wie ein Becken für einen zweiten See auszuheben. Man sehe nur, wieviel Mühe schon die bestehenden Häuser haben, zu mehr Subventionsgeld und Besuchern zu kommen. Vor der Erneuerung des Theater 11 hätte man noch sagen können, man könnte das kommerzielle Theater von Oerlikon in an den attraktiven Standort in die Stadt holen — aber dafür ist es zu spät.
Jedenfalls: Mit einem solchen Vorschlag werden die Verhinderer-Architekten den Schaden nicht wettmachen können, den sie angerichtet haben.

Kunst/Museen


Dada-Polizei

Die Dada-Polizei macht Wahlkampf. kulturblog.ch macht mit: 

Sonstiges


Jedem Festival die Promigäste, die es verdient

Bis Ende des Filmfestivals Locarno werden fünf Bundesräte dort gewesen sein, weiss heute die Aargauer Zeitung. Das Filmfestival wird zum Politiker-Treffen. Ganz anders das Lucerne Festival. Dort sind zwar auch immer ein paar Politiker vertreten, hauptsächlich zeigt sich dort aber die Wirtschaftselite.
An Festspielen im angrenzenden Ausland ist das gleiche Phänomen zu beobachten: Nach Bayreuth gehen die Politiker, nach Salzburg die Wirtschaftsführer. Prominenz bleibt offenbar gerne unter sich; aufgeteilt nach den Promi-Kategorien Show, Wirtschaft und Politik. Kommt einer, kommen die andern auch. Doch weshalb gehen die Politiker ausgerechnet nach Locarno und die Wirtschaftsführer nach Luzern – und nicht umgekehrt? Der Schluss liegt nahe: Sie folgen ihrem Geld. Locarno ist hochsubventioniert, das Lucerne-Festival finanziert sich vorwiegend über Sponsoring-Gelder.
Und wohin geht die Showprominenz? Vielleicht dorthin, wie sie nicht mit Politikern und CEOs posieren muss? Jedenfalls: Jedes Festival erhält jene Promi-Gäste, die es verdient.

Bühne


Gutmensch-Spektakel

“Wir brauchen keinen Drittweltbonus”, sagt der neue Leiter des Zürcher Theaterspektakels, Sandro Lunin, in der NZZ am Sonntag. Aufpassen, dass das Theaterfest nicht zum Gutmensch-Spektakel wird, muss er aber schon.
Das Festival als CO2-Neutral zu verkaufen, ist o.k. – es ist heute usus, mit einem solchen Label den mit Autos heranfahrenden Kunden ein gutes Gewissen einzuflössen. Problematischer ist, dass Lunin ein Teil des Programms neu durch Calmy-Reys Deza finanzieren lässt — wie schon bei seiner früheren Wirkungsstätte, dem Berner Schlachthaus. Zwar ist es durchaus positiv, dass am Theaterspektakel die Dritte Welt stark vertreten ist, aber die Auswahl soll klar nach künstlerischen und nicht nach irgendwelchen entwicklungshelferischen Kriterien erfolgen. Selbst wenn dies bei Lunin nicht der Fall sein sollte: Wenn man solche Geldquellen anzapft, gerät man in Verdacht, dem Künstlerischen nicht absolute Priorität einzuräumen.