Pereiras Schweiz, Pereiras Fernsehen

«Meine Schweiz, mein Fernsehen», sagt Opernhaus-Direktor Alexander Pereira in einem Image-Spot des Schweizer Fernsehens.
Wer es schafft, zwei Mal das gesamte SF-Abendprogramm auf den Kopf zu stellen, darf fürwahr den Schweizer Sender sein eigen nennen. Selbst als Österreicher.
Dada siegt: Zürich will nicht nur Kuschel-Kultur
![Unbekannt_Anonym_Dada_Siegt_VD4818_g[1].jpg](http://www.kulturblog.ch/wp-content/uploads/2008/09/Unbekannt_Anonym_Dada_Siegt_VD4818_g[1].jpg)
Das Zürcher Volk will weiterhin ein lebendiges Cabaret Voltaire. Beim Schauspielhaus-Kredit vor ein paar Jahren stimmten noch 53 Prozent Ja. Jetzt, bei einem zwar viel kleineren, von der Brisanz her aber vergleichbaren Kulturkredit, 65 Prozent. Wenn man bedenkt, wie wenige Leute überhaupt wissen, was das Cabaret Voltaire genau ist, geschweige denn je darin waren, ist dies ein ausserordentliches Resultat.
Das klare Ergebnis zeigt: Zürich will nicht nur Kuschel-Kunst. Sondern auch Kunst, die aneckt, die weniger gemütlich und weniger einfach fassbar ist, als bloss ein paar Gemälde an der Wand. Das Wahlergebnis ist aber auch eine Absage an die Zensur-Versuche des Trägervereins und des Präsidialdepartementes, die immer dann einsetzten, wenn die (Gratis-)Presse über ein angeblich provokantes Projekt schrieb.
Im Trägerverein ist nun ein Wechsel fällig: Präsident Guido Magnaguagno stand in schwierigen Zeiten nie hinter dem Leitungsteam, im Abstimmungskampf glänzte er durch Abwesenheit. Er muss nun durch jemanden ersetzt werden, der mit Leidenschaft hinter der Sache steht. Jean-Pierre Hoby war dem Direktions-Duo gegenüber sehr kritisch eingestellt, hat sich aber mit aller Kraft für die Weiterführung eingesetzt. Jetzt sollte er sich dafür einsetzen, dass die Statuten so geändert werden, dass die künstlerische Direktion mehr Autonomie, aber auch mehr Verantwortung für den Betrieb erhält – wie das in einem modernen Kulturbetrieb üblich ist. Dass Kulturbeamte Einfluss auf das Programm nehmen können, wie das bisher der Fall war, darf nicht sein.
Jedenfalls: Für das Cabaret Voltaire war diese Abstimmung das Beste, was ihm passieren konnte. «Dada siegt», hiess es auf dem Plakat von 1920. Das gilt bis heute.
Bericht auf tagesanzeiger.ch: hier.
SBVV gegen Ex Libris: Verzweiflungstat
Ja, ich geb’s zu: bei der letzten Ex-Libris-30 Prozent-Rabatt-Aktion auf das gesamte Sortiment habe ich auch zugeschlagen und einige teure Sachbücher bestellt. Aber: wenn ich an der kleinen Buchhandlung vorbeifahre und mich ein Roman interessiert, so ist es mir eigentlich egal, ob er 20 oder 25 Franken kostet.
Nun geht der Buchhändler- und Verlegerverband SBVV also juristisch gegen Ex Libris vor. Die Klage ist völlig deplatziert, in mehrfacher Hinsicht. Der SBVV hatte unermüdlich proklamiert, dass durch die Aufhebung der Buchpreisbindung mit Ausnahme der Bestseller die Bücher teurer würden. Deshalb sei die Aufhebung der Buchpreisbindung auch für die Konsumenten schädlich. Ex Libris hat aber die Preise aller Bücher gesenkt – dadurch verliert der SBVV sein wichtigstes Argument für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung.
Bei der Diskussion geht auch vergessen, weshalb die Buchpreisbindung in der Schweiz so stossend war: In der Schweiz wurden viel höhere Preise für die Bücher verlangt als in Deutschland. Die Folge: man bestellte die Bücher bei Amazon.de zum billigen deutschen Tarif. Kein Wunder kam das Geld für die Kampagne des SBVV gegen die Abschaffung aus Deutschland. Der deutsche Verband machte für die Kampagne mehrere Hunderttausen Franken locker — die Schweizer nahmen dieses Geld erstaunlicherweise dankend an.
Der grösste Profiteur einer Wiedereinführung der Buchpreisbindung wäre nicht der Schweizer Buchhandel, erst recht nicht der Leser, sondern Amazon Deutschland. Anstatt teure, völlig chancenlose Klagen in die Welt zu setzen, sollte der SBVV seine Energie besser in neue Ideen stecken. Zu denken geben sollte dem SBVV auch, dass die innovativsten Buchhändler und Verleger über den verzweifelten Kampf des SBVV um die Buchpreisbindung nur den Kopf schütteln.
Nachtrag: Ex Libris hat den Auslöser der Klage, den falschen Preis beim Franz-Hohler-Buch, umgehend korrigiert. Rechts der tiefe Preis im Inserat vom Freitag, links der höhere im Inserat in der Sonntagspresse:

Weber/Sanchez: Die ganze Sympathie und Mike Müller auf ihrer Seite
Sie haben sich herausgepützelt, Barbara Weber und Rafael Sanches, in schwarzer Kleidung vor schwarzem Vorhang präsentierten sie heute im Theater Neumarkt ihr Programm und Ensemble. Viele Filmstoffe, einige Uraufführungen und einige berühmte Regie-Namen machen den Kern ihres Programmes aus. Martin Kusej kann künftig zwischen Opernhaus und Neumarkt hin und her pendeln – seine Zürcher Durchschnittsgage dürfte damit um einiges sinken, aber immer noch über dem deutschsprachiges Theaterniveau bleiben. Auch Stefan Pucher und Stephan Müller kennt man in Zürich bzw. im Neumarkt gut, sie sind die Versicherung für den Publikumserfolg.
Weber/Sanches habe die ganze Sympathie und Mike Müller auf ihrer Seite — sie wirken voller Energie, voller Tatendrang, voller Schalk. Es würde niemanden erstaunen, wenn die zwei Mattias Hartmann in seiner letzten Saison in Zürich die Show stehlen würden. Am 2. Oktober geht’s los, endlich.