Literatur


SBVV gegen Ex Libris: Verzweiflungstat

Ja, ich geb’s zu: bei der letzten Ex-Libris-30 Prozent-Rabatt-Aktion auf das gesamte Sortiment habe ich auch zugeschlagen und einige teure Sachbücher bestellt. Aber: wenn ich an der kleinen Buchhandlung vorbeifahre und mich ein Roman interessiert, so ist es mir eigentlich egal, ob er 20 oder 25 Franken kostet.
Nun geht der Buchhändler- und Verlegerverband SBVV also juristisch gegen Ex Libris vor. Die Klage ist völlig deplatziert, in mehrfacher Hinsicht. Der SBVV hatte unermüdlich proklamiert, dass durch die Aufhebung der Buchpreisbindung mit Ausnahme der Bestseller die Bücher teurer würden. Deshalb sei die Aufhebung der Buchpreisbindung auch für die Konsumenten schädlich. Ex Libris hat aber die Preise aller Bücher gesenkt – dadurch verliert der SBVV sein wichtigstes Argument für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung.
Bei der Diskussion geht auch vergessen, weshalb die Buchpreisbindung in der Schweiz so stossend war: In der Schweiz wurden viel höhere Preise für die Bücher verlangt als in Deutschland. Die Folge: man bestellte die Bücher bei Amazon.de zum billigen deutschen Tarif. Kein Wunder kam das Geld für die Kampagne des SBVV gegen die Abschaffung aus Deutschland. Der deutsche Verband machte für die Kampagne mehrere Hunderttausen Franken locker — die Schweizer nahmen dieses Geld erstaunlicherweise dankend an.
Der grösste Profiteur einer Wiedereinführung der Buchpreisbindung wäre nicht der Schweizer Buchhandel, erst recht nicht der Leser, sondern Amazon Deutschland. Anstatt teure, völlig chancenlose Klagen in die Welt zu setzen, sollte der SBVV seine Energie besser in neue Ideen stecken. Zu denken geben sollte dem SBVV auch, dass die innovativsten Buchhändler und Verleger über den verzweifelten Kampf des SBVV um die Buchpreisbindung nur den Kopf schütteln.

Nachtrag: Ex Libris hat den Auslöser der Klage, den falschen Preis beim Franz-Hohler-Buch, umgehend korrigiert. Rechts der tiefe Preis im Inserat vom Freitag, links der höhere im Inserat in der Sonntagspresse:
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Kommentare (19) zu “SBVV gegen Ex Libris: Verzweiflungstat”

  1. Dani Landolf schrieb:

    Lieber Rico Bandle

    Es ist nicht am SBVV oder sonst jemandem, der für die Buchpreisbindung kämpft, Ihnen oder irgendwem sonst vorzuschreiben, wo er seine Bücher kaufen will. Und dass Sie die 30-Prozent-Septemberaktion bei Ex Libris nutzen, sei Ihnen ebenfalls unbenommen, wie auch ein Kauf bei Amazon. Selbst Dumpingpreise sind juristisch kaum zu verhindern. Und trotzdem haben sich auch Buch-Disounter an gewisse Spielregeln zu halten und die Kundinnen und Kunden nicht zu täuschen. Darum geht es bei der Klage des SBVV gegen Ex Libris.

    Doch das ist eigentlich nur ein Nebenschauplatz. Viel bedenklicher ist, dass von Ex Libris mit der von den meisten Schweizer Medien fast durchwegs unkritisch begleiteten Dumping-Kampagne systematisch versucht wird, die Vielfalt der Schweizer Buchhandelslandschaft – und mit ihr die Autoren und Verlage – zu zerstören. Denn wenn der Schweizer Buchhandel am Boden ist, braucht es kein Preisbindungsgesetz mehr. Und genau das ist das Ziel von Ex Libris. Das Unternehmen hat die Rabatt-Aktion nicht zufälligerweise nach dem Entscheid der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) für ein Buchpreisbindungsgesetz lanciert.

    Ex Libris ist eine Firma, die keine Buchhandels-GAV-Löhne zahlt, keine Buchhändlerinnen anstellt (geschweige denn welche ausbildet), ein sehr dürftiges Bestseller-Sortiment führt und sich offensichtlich nicht um den Gewinn (teilweise liegt der Ladenpreis unter dem Ankaufspreis),
    sondern nur um das Ausschalten der Konkurrenz kümmern muss. Mit der Migros im Rücken kann sich das Ex Libris offensichtlich leisten. Der restliche Schweizer Buchhandel nicht.

    Mit dieser Aktion gibt Ex-Libris genau die Richtung vor, in der sich ein total liberalisierter Buchmarkt bewegt: In Ländern ohne Buchpreisbindung läuft der Kampf um die billigsten Bestseller nämlich über die Supermärkte, der restliche Buchhandel steht aussen vor – und mit ihm die Autoren und Verlage, die nicht nur Massenware produzieren. Der grosse Verlierer dieser Entwicklung ist die kulturelle Vielfalt.

    Und zu den Verlierern gehören auch die Leserinnen und Leser, die für Nicht-Bestseller – also für 90 Prozent der Titel – mittelfristig deutlich mehr bezahlen als früher. Währenddem in Deutschland und Frankreich (preisgebundene Märkte) die durchschnittlichen Buchpreise deutlich unter der Entwicklung der Teuerung liegen, ist es in Grossbritannien oder in der Westschweiz gerade umgekehrt. Darüber können auch die aktuellen Rabatt-Aktionen und Zwei-für-eins-Angebote an den Flughäfen nicht hinwegtäuschen.

    DieBuchpreisbindung ist intelligente Buchförderung, welche die Vielfalt zu fairen Preisen bewahren hilft. Der SBVV verteidigt keine hohen Buchpreise. Im Gegenteil: Im Gesetzesvorschlag, welcher zur Zeit von der WAK diskutiert wird, sind 1:1-Umrechnungen zu Eurokurs ebenso möglich wie auch Kundenrabatte.

  2. Roger Huber schrieb:

    Warum die Schweiz keine Buchpreisbindung braucht!

    Die Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands, Frau Marianne Sax, und Dani Landolf sind überzeugt, dass es heute in der Schweiz ein Gesetz braucht, das dem Konsumenten vorschreibt, welchen Preis er für ein Buch in der Schweiz bezahlen muss. Bis vor 17 Monaten gab es in der Schweiz eine Vereinbarung zwischen den Buchhändlern und den Verlagen, die so genannte Buchpreisbindung. Sie sorgte dafür, dass Bücher in der Schweiz bis zu 20 und mehr Prozent teurer verkauft wurden als in Deutschland. Grund waren u. a. völlig überhöhte Umrechnungspreise. Viele Konsumenten waren darüber erbost und haben deshalb in den vergangenen Jahren immer häufiger ihre Bücher im Ausland, meist über Online-Shops im Internet, gekauft. Experten gehen dabei von einem Umsatz von jährlich rund 100 Millionen Franken aus. Umsatz, der dem Schweizer Buchhandel fehlt. Der reine Buchumsatz (ohne Schulbücher) in der Deutschschweiz liegt bei etwa 600 Millionen Franken im Jahr. Anzumerken ist weiter, dass die Bücher vom Bund mittels einem reduzierten MwSt-Satz bevorzugt werden, im Umfang von mehreren Dutzend Millionen Franken.

    Aufgrund des Bundesgerichtsentscheides gegen die Preisbindung hat der Bundesrat vor etwas mehr als einem Jahr die damals herrschende Preisabsprache verboten. Seit dem herrscht auch in diesem Wirtschaftssektor freier Wettbewerb. Wir diskutieren hier über einem Wettbewerb, bei dem die Autoren oder Verlage keinen Franken weniger verdienen als noch die Preisbindung herrschte. Wir diskutieren hier einzig und alleine über Händlermargen. Als die Buchpreisbindung noch existierte, musste jedes Buch in der Schweiz zum gleich hohen Preis verkauft werden. Seit der Zerschlagung dieses Preiskartells kann nun jeder Buchverkäufer selber entscheiden, welchen Preis er für sein Produkt verlangt und selber entscheiden, welche Marge er erwirtschaften will. Ein Vorgang, der heute in allen anderen Branchen gebräuchlich ist.

    Frau Sax möchte ein Preisgesetz, damit der kulturelle Wert des Buches nicht ganz unter den Tisch fällt. Diese Meinung vertritt die Verbandspräsidentin von 270 Buchhandlungen. Doch nicht nur wir von Ex Libris fragen uns, was überhöhte Buchpreise mit Kultur zu tun haben. Denn wie bereits erwähnt, leiden die Verleger und Autoren nicht unter den tieferen Buchpreisen. Auch das von Frau Sax gerne genannte Argument der Vielfalt sticht nicht. Im Gegenteil, seit Jahren steigt das Neuangebot an deutschen Büchern kontinuierlich. Dieses Jahr sind über 100′000 neue Bücher auf den deutschsprachigen Markt geworfen worden. Der kulturelle Buchuntergang lässt damit wohl noch einige Zeit auf sich warten. Der Trend zu steigender Buchproduktion ist ebenfalls in Ländern zu beobachten, welche kein Preisgesetz kennen.

    Auch die von den Buchhändlern an die Wand gemalten Horrorszenarien von einem Buchhändlersterben sind bisher ausgeblieben. Auch die Studie, die im Auftrag der WAK des Nationalrates erstellt wurde, konnte den Killertrend für die Buchhändler nicht bestätigen. Ex Libris hat seit dem Fall der Kartellpreise sein gesamtes Buchsortiment um 15 Prozent verbilligt und räumt bei Bestsellern seinen Konsumenten einen Rabatt von 30 Prozent ein. Viele Konsumenten, die als Kunden von den Buchhändlern nicht ernst genommen wurden, kehrten mit der Preisoffensive von Ex Libris für ihre neuen Buchkäufe wieder in die Schweiz zurück. Darunter viele von Gemeinden finanzierte Bibliotheken.

    Was Frau Sax und viele Buchhändler noch nicht begriffen haben: Es wird in den kommenden Jahren eine Konzentration im Buchhandlungsnetz geben, nicht nur in der Schweiz sondern weltweit. Studien erwarten, dass der Onlineanteil im Buchgeschäft in den kommenden Jahren von derzeit rund 10 Prozent auf über 50 Prozent steigen wird. Dies wird mit und ohne ein Buchpreisbindungsgesetz passieren. Diesem Trend können sich auch die Schweizer Buchhändler nicht entziehen. Überleben werden in diesem Markt neben den Grossen jene Anbieter, die kundennah agieren, spezialisierte Nischenmärkte abdecken und Dienstleistungen anbieten, die grosse Player nicht anbieten können. Absolut matchentscheidend und wichtig ist aber, dass alle Marktteilnehmer in der Schweiz (!) nicht durch diktierte Franken-Preise gegenüber dem deutschsprachigen Ausland im Nachteil sind – sondern im Gegenteil, sich durch freie Preise unternehmerischen Freitraum schaffen und innovativ sind.

    Warum steht das Schweizer Unternehmen Ex Libris in seinem Kampf um günstige Buchpreise fast alleine da? Der deutsche Buchkonzern Thalia (dazu gehören in der Schweiz Thalia, Stauffacher, Jäggi, Meissner, ZAP, Vogel, etc.)und der deutsche Buchriese Weltbild haben kein Interesse an günstigen Büchern in der Schweiz. In Deutschland existiert eine Buchpreisbindung, die man durch das Verhalten der Schweizer Filialen nicht in Gefahr bringen will. Auch der Buchhändler Orell Füssli (dazu gehören neben den OF-Filialen, Krauthammer, Rösslitor, Huber, Meili, Räber, etc.) ist zu 49 % in deutscher Hand (Hugendubel-Gruppe). Nicht verwunderlich deshalb, dass Frau Sax und ihr Verband tatkräftig aus Deutschland beraten und personell und finanziell in der Lobbyarbeit grosszügig unterstützt werden.

    Frau Sax erklärt, dass 90 Prozent ihrer Mitglieder auf gebundene Ladenpreise angewiesen sind. Hier gibt Frau Sax endlich zu, um was es ihr und ihrem Verband im Kampf um eine Buchpreisbindung wirklich geht. Um Kultur geht es dabei nur ganz am Rande. Es sind vor allem wirtschaftliche Gründe die Frau Sax zu immer schärfere Angriffe gegen Ex Libris treibt. Ihr Verband will mit überhöhten Preisen ihre Existenz gesetzlich absichern. Stossend dabei: die Konsumenten sollen mittels überhöhten Preisen zu einer unfreiwilligen Buchhändler-Subvention gezwungen werden. Diese konsumentenfeindlichen Preise dürften die Leserinnen und Leser jährlich zwischen 70 und 120 Millionen Franken kosten. Und viele Schweizer Buchkäufer werden sich wieder im Ausland eindecken. Das vom Buchkartell angestrebte neue Buchpreisbindungs-Gesetz würde uns und andere zwingend vorschreiben, die Buchpreise wieder zu Lasten der Konsumenten massiv zu erhöhen und uns und andere Schweizer Marktteilnehmer im Kampf gegen international tätige Unternehmen massivst einschränken

    Ex Libris hat im September seine Preisoffensive verdoppelt und offeriert seinen Kunden einen Rabatt von 30 Prozent auf alle deutschsprachigen Bücher. Aufgeschreckt über diese Preisaktion hat Frau Sax und ihr Verband rasch reagiert und sofort gegen Ex Libris geklagt, als in einem Inserat ein Franz Hohler-Buch mit einem falschen Preis irrtümlicherweise angeschrieben und beworben wurde. Gleichzeitig wirft das Buchkartell Ex Libris vor, mit dieser Preisoffensive den unabhängigen Buchhandel mit Dumpingpreisen zu zerschlagen und die Totengräber des Schweizer Buchhandels zu sein. Nur: auch Ex Libris muss, wie alle anderen Migros-Unternehmen (Globus, oder Denner) dem Genossenschaftsbund Gewinn abliefern. Auch hat sich das Schweizer Buchkartell nie zur Situation in der Vergangenheit geäussert, dass aufgrund überhöhten Schweizer Preisen Amazon der Nutzniesser von dieser Marktabschottung war, da er zu günstigen Euro-Preisen in die Schweiz liefern konnte. Weitere Vorwürfe von Frau Sax zielen auf unsere “miserablen” Löhne. Nur: alle Mitarbeiter von Ex Libris unterstehen dem Migros-L-GAV, der als vorbildlich und sehr fortschrittlich beurteilt wird. Gerade von dem könnten sich die Buchhändler in diversen Bereichen mehrere Scheiben abschneiden. Auch das “lausige Bestsellersortiment” wird von Sax mehrmals erwähnt. Nur: Ex Libris Kunden scheinen dieses “lausige Angebot” in den 120 Filialen und im Internet positiv aufzunehmen und freuen sich über unsere Preisoffensive. Ex Libris agiert hier im Geist von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler “Wir kämpfen hart für unsere Kunden und für faire Preise”.

  3. Zappadong schrieb:

    Duttweiler in Ehren, aber wer so hart für “faire” Preise kämpft, nimmt anderen die Luft zum Atmen. So sind wir heute so weit, dass sich die Migros (und ihr Konkurrenz Coop) in allen Sparten sehr wohnlich eingerichtet haben und in jedem Segement (vom Gartenbau über Weiterbildung, Bücher und CDs bis zur Sportswear) genau das anbieten, was sich am besten verkauft – zu Preisen, bei denen die “Kleineren” nicht mehr mithalten können. Die dürfen dann das Spezielle, die Nischenprodukte anbieten. Dumm nur, dass es sich von Nischenprodukten wenig gut bis schlecht lebt.

    Das mit den Bibliotheken, die zu Ihnen “zurückkehren”, ist ja nett für Sie, Herr Huber, aber als Autorin und Buchfreak kaufe ich ausschliesslich in kleineren, lokalen Buchläden ein, und ich weiss aus nicht wenigen Gesprächen, dass diese besonders der Abzug der Bibliotheken zu Ex Libris (und anderen Billiganbietern) sehr bis heftig schmerzt. Ich verstehe nicht, wie eine Gemeinde wegen ein paar Franken ihre lokalen Buchläden aufgibt und bin froh um jene Bibliotheken, die ihre Buchhändler vor Ort unterstützen.

    Ich möchte meine Bücher in einem lokalen Buchladen kaufen, in dem ich gut beraten werde, in dem ich diese spezielle Atmosphäre spüre, die ich bei den Ketten (ex und hopp) vermisse. Ich möchte nicht per Internet bestellen, weil ich das Buch, das ich kaufen werde, in meinen Händen halten möchte, die erste Seite lesen können ect. Ich möchte mit einer kompetenten Buchhändlerin über Bücher diskutieren können und mich beraten lassen.

    Trotzdem bin ich gegen die Buchpreisbindung, weil ich denke, dass sie meinen lokalen Buchläden auch Chancen bietet – und weil ich hoffe, dass es immer Leute geben wird, die sich für den lokalen Buchladen entscheiden werden und halt ein bisschen mehr für ihr Buch ausgeben.

  4. Zappadong schrieb:

    PS (War heute Morgen in Eile): Ich denke, schlussendlich geht es auch bei dieser Frage darum, wie viel die Menschen für Qualität zu zahlen bereit sind. Solange eine Mehrheit immer weniger zu zahlen bereit ist, hinter jedem Schnäppchen herhechelt, stets auf den eigenen Vorteil bedacht, ohne Wertschätzung für die Dinge, die da gekauft werden, kann auch eine Buchpreisbindung nichts retten (weil dann tatsächlich die Bücher im Ausland bestellt werden – wovon nun gar niemand in der Schweiz etwas hat).

    Es braucht ein Umkehren im Denken, ein Zurück zur Wertschätzung. Ich bin naiv genug, daran zu glauben, dass es Menschen gibt, die nicht irgendwann nur noch von Grosskonzernen und Riesenketten beliefert werden möchten. Ich hoffe darauf, dass es jeden Tag ein paar mehr werden. Damit will ich nicht sagen, dass es keine Grosskonzerne mehr geben sollte – aber ich wünsche mir, dass die “Kleinen”, “Individuellen” bestehen bleiben.

  5. Urs schrieb:

    Hallo Herr Bandle,

    Endlich mal ein bemerkenswerter Beitrag von einem Kulturredaktor zum leidigen Thema Buchpreisbindung. Es mag ein paar Leute mit Partikularinteressen geben, die die Preisbindung unbedingt haben wollen, der Rest der Bevölkerung würde nach der Wiedereinführung der Bindung einfach im Ausland (online) bestellen.
    Das Pricing der zumeist in Deutschland ansässigen Verlage ist für den Schweizer Markt bisher äusserst unattraktiv gewesen. Was ständig als exaltierte Kultur dargestellt wird, sind in 95% der Fälle ganz normale Massenprodukte, die von einer sehr bequemen Branche ohne Rücksicht auf volkswirtschaftliche Verluste zu überhöhten Preisen verkauft werden. Ich habe vor 15 Jahren als Mitarbeiter einer Buchhandlung in Basel mehrfach erlebt, wie deutsche Kunden Bücher entnervt nicht gekauft haben als sie feststellen mussten, wie ungerechtfertigt hoch der ‘Schweizer Preis’ ist. Mittlerweile haben sich die Zeiten endlich verändert: ein Amazon.de-Kunde muss für ein Buch sagenhafte 43% mehr bezahlen als ein exlibris.ch-Kunde in der Schweiz (aktuelle Aktion bis Ende September). Insofern Ex Libris mehr als eine Million Titel liefert, kann von einem Tiefpreiskult um einige, wenige Beststeller keine Rede sein. Es ist vielmehr so, dass jetzt eine Preisdifferenzierung auch bei Büchern möglich ist, wie dies beispielsweise bei CDs schon längst der Fall ist. Es ist einfach nicht gerechtfertigt, alle Produkte über den gleichen Kamm scheren und den Schweizer Kunden preislich schmoren zu lassen.
    Sollte die Buchpreisbindung in der Schweiz wieder eingeführt und der Verbraucher geknebelt werden, seien kleinere Anbieter wie buch24.de empfohlen, die einen exzellenten Service bieten und nicht die problematische Marktmacht von Amazon haben.

  6. unbekannt schrieb:

    Die 30% sind grundsätzlich nicht das Problem, sondern das Exlibris “unlauteren Wettbewerb” betreibt. Exlibris verkauft die Bücher deutlich unter dem von ihm bezahlten Einstandspreis, und das ist Gesetzeswiedrig. Wer also zahlt die Differenz? Seit Jahren schreibt Exlibris rote zahlen, den Verlust trägt das Mutterhaus Migros seit jeher ohne wenn und aber. Vermutlich noch finanziert mit Migros Kulturprozenten. KEIN einziger Buchhändler ist in der Lage nur annähernd an diese Preise heranzukommen. Hier geht es einzig und alleine um teuer erkaufte Marktanteile ohne Rücksicht auf Verluste. Auch allfällige auferlegte Bussen wurden hier mit Sicherheit durch den Genossenschaftbund bereits miteinkalkuliert. Den Konsumenten kann es zur Zeit nur freuen, aber was passiert wenn die Migros der teuren Tochter den Hahn zu dreht? Harter Preiskampf ist i.O., aber bitte nach den (gesetzlichen) Spielregeln.

  7. Roger Huber schrieb:

    Lieber unbekannter Schreiber (darf ich auch Feigling sagen?)

    So viele sachliche Fehler auf den paar Zeilen ist schon selten. Also unbekanntenr und unbedarfter Schreiber: Ex LLbris betreibt keinen unlauteren Wettbewerb. Wenn man natürlich tiefere Preise als bei der Konkurrenz schon für unlautern hält, OK, dann ist Ex Libris es. Wenn ihre Quellen, was den Einstand angeht, so gut sind, dann haben sie doch den Mut und verklagen Sie Ex Libris.
    Upps, obwohl es Ex Libris nicht tut, illegal wäre es aber auch nicht. Oder zeigen Sie mir mal die Vorschrift. Wie gesagt, wir leben in einer freien Wirtschaft. Ex Libris könnte Bücher sogar verschenken und es wäre nicht illegal. Ist halt schon schwierig, wenn es auf einmal Konkurrenz gibt und man nicht mehr in seiner ruhigen Matte hängt und sich um so lästige Dinge wie Kunden sorgen oder sogar Rabatte gewähren muss. Böse Welt. Vielleicht sollten Sie mal den Film “Dutti” über Gottlieb Duttweiler anschauen. Dann werden Sie verstehen, was dieser Mann für eine Vision hatte. Kaufen Sie den Film dann aber bei Ex Libris. Denn ich will nicht, dass sie zuviel Geld für ein Produkt ausgeben müssen. Das können sie sparen und gleich in ein gutes Buch über Betriebswirtschaft investieren. Da scheinen Sie noch Potenzial zu haben. Hingegen sollten Sie sich fern von all diesen Büchern über Weltverschwörungstheorien.

  8. Zappadong schrieb:

    Fakt ist, dass ein Kollege von mir vor Jahren seinen Plattenladen zugemacht hat, weil ER die Platten im Ankauf teurer kaufen musste als er sie bei Ex Libris erstehen konnte (das machte dann irgendwann keinen Sinn mehr).

    Aber darum geht es hier nicht.

    Was mir hier sauer aufstösst ist Ihr Tonfall, Herr Huber. Das mit der “ruhigen Hängematte” ist eine Unterstellung, die den grössten Teil der Buchhändler schlicht und einfach beleidigt. Rabatte, wie sie Ex Libris gewährt, kann sich ein Buchladen nicht leisten. Und wenn es um die Kundenberatung geht, bin ich in jedem Buchladen mehr Kunde als bei der Ex Libris, wo das einzige Personal an der Kasse anzutreffen ist (mindestens in den Läden, die ich kenne).

    Nochmals: Ich bin gegen die Buchpreisbindung. Ich hoffe auf ein Umdenken, ein Wegkommen von der “Geiz ist geil” Mentalität. Und wenn der Tonfall “pro Buchladenketten” überall so aggressiv ist wie jener von Herrn Huber, müssen all jene Buchhändler, welche Sorge zu ihren Kunden tragen, tatsächlich keine Angst haben.

  9. Roger Huber schrieb:

    Lieber Zappadong (auch nicht wirklich ein transparenter Name)

    Meine Unterstellung ist tatsächlich nicht für jene Buchhändler, die immer noch gemerkt haben, dass wir im Jahre 2008 leben. Bei Ex Libris erwarte ich zudem keine Beratung. Diese erwarte ich eigentlich in einer Buchhandlung. Da könnte man sich ja endlich unterscheiden.
    Und glauben Sie mir, ich habe schon viele Buchhandlungen besucht. Jene, die mich als Kunde ernst nehmen – und da braucht es nicht wirklich viel, eine einigermassen nette Begrüssung, vieleicht noch die Frage, ob man helfen kann – und schon bin ich ein treuer Kunde.

    Leider scheint dies bei vielen Buchhändlern oder deren Angestellten immer noch nicht angekommen zu sein, dass der Kunden wichtig ist. Das sind aber gerade jene Kulturumenschen, die am lautesten nach diesem unseligen Gesetz rufen. Und wenn ein paar 100 Buchhändler oder wenigsten ihr Verband immer wieder versucht, die Leute glauben zu machen, dass es bei den überhörten Preisen um Kultur geht, dann regt mich das auf.

    Es geht ja einzig um die Marge der Buchhändler und um nichts anderes. Viele Buchhändler haben immer noch nichts verstanden, dass die Konsumenten in Zukunft immer mehr Online einkaufen werden. aber anstatt sich damit auseinanderzusetzen hoffen viele Buchhändler auf ein Kartellgesetz, dass ihnen hilft, noch ein paar Jahre weiterzuwursteln. Dafür soll der Konsument aber jährlich 70 bis 120 Mio mehr bezahlen. Amazon wird sich auch über mehr Kunden aus der Schweiz wieder freuen dürfen. Aber solche Dinge interessiert den SBVV nicht, lieber will man vom Staat garantierte Preise. Und sorry, da werde ich einfach stinking. Denn ich sehe nicht ein, warum ich 30 Prozent mehr für das gleiche Produkt zahlen muss, wie ein Deutscher. Und kommen sie mir nicht mit den höheren Kosten. Nach 20 jahre wirken als Wirtschaftsjournalist habe ich dieses Argument schon bei zu vielen Preisdiskussionen gehört, und selten stach es.

    Und wenn Sie meinen Ton als zu aggresiv empfinden, tut es mir leid. Aber wer so arrogat auftritt wie der Verband der Buchhändler und zudem so viele Lügen verbreitet, so das macht mich aggresiv.

    Noch kurz zu den Preisen. Selten hat ein kleiner gegen ein Grosser in einem Preiskampf gewonnen. So läuft es halt in einer liberalisierten Wirtschaft. Leider habe ich von den Buchhändlern nie auch nur ein Wort zu folgenden Themenen gehört:

    Dienstleistungen, Kundenansprache, Events, Internetshop, Spezielle Angebote für Kunden (ich habe schon für viele tausenden Franken eingekauft. Zu einer Lesung hat es immer noch nicht gelang. Nur die SBB arbeitet noch unprofessioneller mit seinen Kunden)), Kundenkarten. und und und ….

    Sogar Frau Sax vom SBVV hat gemerkt, wie schlimm es um die Branche steht. Sie hat doch ihren Kolleginnen und Kollegen tatsächlich geschrieben, die Buchhändler müssten wieder anfangen ihre Kunden an der Türe zu begrüssen und mit dem Namen ansprechen. Aber Hallo!!!! Und dann fragen Sie mich, warum ich langsam agressiv werde.

    Auch morgen werde ich wieder mal in eine Buchhandlung gehen und schauen ob sich etwas verbessert hat. Viel Hoffnung habe ich nicht. Vielleicht suche ich bei den ratgebern das Buch “Wie gehe ich um mit schwierigen Kunden”. ich werde es dann Frau Sax schenken……

    Sorry, wenn es noch ein paar Tippfehler hat, aber im rumpelnden Zug tippts sich schlecht

  10. Zappadong schrieb:

    Lieber Herr Huber

    Ich weiss nicht, in welchen Buchläden sie einkaufen. In “meinen” kleinen bis sehr kleinen Buchläden werde ich mit einem Lächeln empfangen und herzlich gegrüsst. Ich kenne das Personal und wir unterhalten uns immer angeregt.

    Und nun zu Ihren Wünschen: Ich will keine Events (ich bin umzingelt von Events und gottenfroh, wenn ich eine eventlose Oase betreten darf) und der erste Buchladen, der mir eine Kundenkarte anbietet ist gleichzeitig mein Ex-Buchladen (ich hasse Kundenkarten – hier ein Märggli, dort ein Pünktli, hier ein Gutscheinli, dort ein Superaktiönli – uäch!). Was ich damit sagen will: Nicht jeder Kunde ist ein Pünggtlisammler und / oder scharf auf ein Gschänggli oder gar ein Eventler. Es soll solche geben, die ihre Schwerpunkte anderswo legen.

    Wo ich mit Ihnen einig bin: Die Buchhändler müssen sich anstrengen (wobei ich sicher bin, dass viele das sowieso tun). Ich bin auch sicher, dass sich kreative Buchhändler auch ohne Preisbindung halten werden können (von mir aus auch mit Events – ich muss ja nicht hin).

    Trotzdem verstehe ich die Bedenken von Buchhändlern. Ich war in England, als Harry Potter 7 erschien. Den billigsten gab’s in einer Supermarktkette, die sonst keine Bücher verkauft – für fünf Pfund (rund zwölf Franken).

    Frau Zappadong (mehr Transparenz als den Link, über den man in zwei Klicks zu meinem Realnamen kommt, biete ich nicht … kundenunfreundlich, wie ich bin ;-) )

  11. Andreas Janki schrieb:

    Ich bin Buchhändler im Rheintal und kann somit zumindest zu einigen Punkten, die hier diskutiert wurden, etwas beitragen. Zum ersten stimmt es wohl nicht, dass man bei Amazon die Bücher um 30% billiger einkaufen kann, als zum hier vorgeschlagenen Ladenpreis. Habe gerade vorhin ein paar Vergleiche angestellt und im Grossen und Ganzen sind die Bücher bei Amazon ca. 10% billiger (so als ob man den Euro-Preis mit 1.8 multipliziert).
    Würde Ex Libris die Bücher 10% billiger anbieten als der Rest, würde wohl auch kaum jemand klagen. Die Nörgler, die es eine Unverschämtheit finden, dass man in Deutschland die Bücher billiger kaufen konnte (es gibt übrigens noch weit mehr Produkte die in unserem Nachbarland billiger zu erwerben sind als hierzulande) würden endlich Ruhe geben, zu Ex Libris gehen und das Geld bleibt in der Schweiz … der Rest würde wohl weiterhin bei den lokalen Buchhandlungen einkaufen …

    Bei 30% verhält es sich nunmal aber wirklich so, wie es weiter oben schon angetönt wurde. Die meisten Bücher müsste ich dann, um zumindest bei den Preisen konkurrenzfähig zu bleiben, als (kleiner) Buchhändler zu Preisen verkaufen zu denen man sie eingekauft hat, oder legt in vielen Beispielen sogar noch drauf. Wie Ex Libris die 30% gewähren kann und sich trotzdem selber tragen soll, bleibt mir als kleiner Buchhändler ein völliges Rätsel. Vielleicht bekommt er durch die Menge an Büchern bei den Ausliefereren Rabatte, die man als normaler Buchhändler nunmal nicht bekommt … ich hab keine Ahnung …. selbst dann müssten 30% eigentlich Selbstmord sein …

    Obschon ich SBVV-Mitglied bin, habe ich nicht grundsätzlich etwas gegen das Aufheben der Buchpreisbindung (und somit dem Ermöglichen die Bücher hierzulande billiger zu machen, obschon ich finde, dass das Produkt Buch als solches gar nicht teuer war), sofern sich die “Grossen” einigermassen “fair” verhalten … 30% sind dies, nach welchen Massstäben auch immer, aber leider nicht … da man diese als Buchhändler wie gesagt unmöglich gewähren kann ohne daran zu Grunde zu gehen.

  12. Zappadong schrieb:

    So trifft man sich denn im Internet (witzig)… Entschuldigen Sie Herr rb, wenn ich kurz persönlich werde: Ich bin ziemlich sicher, dass Andreas nicht weiss, wer sich hinter Zappadong verbirgt und grüsse darum einen meiner vorher hoch gelobten Buchhändler ganz herzlich :-)
    (Andreas, ich bin’s, die Alice mit den Jugendbüchern)

  13. Rico Bandle schrieb:

    Sie müssen sich nicht entschuldigen, Frau Zappadong. Sie sind hier immer willkommen, erst recht, wenn Sie unerwarteterweise einen Freund treffen.

  14. Thomas schrieb:

    Wenn Amazon der Profiteur der Schweizer Buchpreisbindung sein soll, dann gibts nur eins: Die Zollgebühren für Amazon-Bestellungen erhöhen. Dass hier ein Kulturjournalist sich gegen die Vielfalt von Büchern einsetzt, zeigt v.a. eines: Der Chefredaktor des Tages-Anzeigers übt (bekanntlich seit der Versetzung der gesamten Kulturredaktion ins Provisorium) immer noch Druck aus, die Hochkultur aus den Spalten seines Boulevard-Blattes zu verbannen.

  15. Insider schrieb:

    Ich habe selten so einen Blödsinn gelsen wie von Roger Huber. Die Löhne sind wirklich miserabel, ganz zu schweigen von den restlichen Arbeitsbedingungen. Gesetzlich vorgeschriebene Pausen werden ebenfalls nicht eingehalten. Und Gott möge uns vor dem “vorbildlichen” Migros GAV schützen, ähnliche Zustände findet man sonst wohl nur noch in China.

    Wundern darf man sich darüber allerdings nicht, wenn man sieht wie lausig der Laden geführt wird. Diese “nach mir die Sintflut” Mentalität haben wir ja schon bei anderen Firmen geshen.

  16. Roger Huber schrieb:

    Lieber Insider

    ich kann wenigstens zu meinen Aussagen stehen und verstecke mich hinter einem dümmlichen Pseudonym. Wenn Sie schon etwas zu sagen haben, dann bitte so, dass es auch klar wird. Natürlich wird man bei einem Discounter nicht reich. Bei einem Buchhändler aber auch nicht, dort müssen aber viele um ihre Sozialleistungen kämpfen, denn die sind wirklich nicht der Wahnsinn. Egal. Was Leute wie sie nicht vertanden haben, ist, dass sich der Markt mit Büchern in den letzten 10 Jahren dramatisch verändert hat und nun mit den E-Books noch weiter verändern wird. Traditionalisten wie Sie können einfach nicht verstehen, dass heute die Kunden, den um Sie geht es letzlich, andere Bedürfnisse haben als vor 20 Jahren. Doch anstatt dass sich der Buchhandel (oder wenigstens die meisten davon) anpassen, jammert man, greift die Konkurrenz an und fordert staatliche Unterstützungen. Bravo, das ist Unternehmertum pur. Nicht vergessen, jedes Jahr kommen rund 100′000 Bücher in Deutsch auf den Markt. Wir werden also nicht doofer und auch die Kultur geht nicht zu Grunde. Einzig die wenig innovativen Buchhändler werden verschwinden – denn die braucht es nicht mehr.

  17. Insider schrieb:

    Lieber Herr Huber

    Ich stehe zu meinen Aussagen, auch wenn ich zu meinem eigenen und zum Schutz meiner Kollegen ein Pseudonym verwende.

    Ich habe nie gesagt, dass man bei einem Discounter reich werden soll. Es ist aber leider so, dass Ex libris die tiefen Preise nicht alleine durch die Marktstellung erreichen kann, sondern diese zum Teil auf dem Rücken der Mitarbeiter entstehen.

    Die Bedürfnisse der Kunden im Büchermakrt haben sich nicht anders verändert als in anderen Branchen auch. Die Maxime lautet schneller und billiger, was ja auch in Ordnung ist.

    Sie fordern Innovation von den Buchhändlern? Wo ist die Innovation von Ex libris? Diese Frima hat mehrfach bewiesen, dass sie nicht in der Lage ist mit Innovation und Qualität auf den Markt zu reagieren. Das einzige was diese Firma beherrscht, die einzige Reaktion auf herausforderungen, sind weitere Preissenkunen auf Kosten der Mitarbeiter, Lieferanten und schlussendlich der Kunden.

  18. Thomas Locher schrieb:

    Von der Buchpreisbindung wird und hat niemand profitiert ausser den grossen Buchhandlungsketten, welche weiterhin garantierte, fette Gewinne haben. Der Kunde zahlt zuviel und die Löhne der Angestellten bleiben tief. So ist zum Beispiel der Branchenriese ” Thalia ” immer noch nicht dem Gesamtarbeitsvertrag beigetreten. Reallohnerhöhungen wurden in den letzten Jahren (auch während der Preisbindung) und bei konstant steigenden Umsätzen nie vollständig und auch nie sämtlichen Mitarbeiter gewährt. Viele Mitarbeiter haben in den letzten Jahren Reallohneinbussen von 5 – 10 % hinnehmen müssen. Diese auf einem Lohnniveau, welches weit unter dem ohnehin tiefen Branchendurchschnitt liegt.

    Die Firma verkauft sich gegen aussen als feinsinniges Kulturhaus. Tatsächlich herrscht bei Thalia aber die selbe Abzockermentalität wie bei Lidl und Co.

    Solchen Unternehmen jetzt auch noch per Gesetz ein Preiskartell zu gewähren ist einfach nur pervers.

  19. Kai Jerzö schrieb:

    ***Zur Diskussion und zum gegenseitigen Respekt***
    Ich würde es begrüssen, wenn ich als treuer kulturblog.ch-Leser ein bisschen mehr Respekt von Seiten Herrn Bandles in Richtung seiner Lesern verspürte. Immerhin verbringen die Kommentarschreiber dankenswerte Argumente in die Diskussion ein und investieren viel Zeit, Ihre Ausführungen verständlich zu formulieren.

    Mit Verlaub, Herr Bandle, sie scheinen mir etwas mimosenhaft zu agieren, und wenn Sie Leserbriefschreiber-Namen wie “Urs” ohne Einwände akzeptieren (der Sie in seinem Kommentar lobt, versteht sich –> wer ist eigentlich Urs?!), dann sollten Sie doch bitte auch die anderen leben lassen, die anonym (aber durchaus anständig schreiben) und sich Aussagen wie “Lieber unbekannter Schreiber (darf ich auch Feigling sagen?)” verbieten. Das steht einem Tages-Anzeiger nicht gut an und verleitet Menschen wie einen Roger Huber dazu, mit seltsam anmutenden Sätzen wie “ich kann wenigstens zu meinen Aussagen stehen und verstecke mich hinter einem dümmlichen Pseudonym” Ihrem Beispiel zu folgen.

    ***Zum eigentlichen Thema der Buchpreisbindung***
    Ich finde den ersten sachlichen Kommentar von Dani Landolf vom SBVV hervorragend und möchte auf seine letzte Aussage betreffend der Umrechnungskurse Euro-Schweizer Franken zurückkommen.

    Es wird in der ganzen sehr emotional geführten Diskussion, sowohl in den eidgenössischen Räten und Kommissionen wie auch in Medien-Diskussionen leider durchgehend die Buchpreisbindung mit dem Umrechnungskurs Franken-Euro vermischt. Die beiden Sachen haben miteinander wenig bis gar nichts zu tun. Alleine die Umrechnungskurse sind aber schuld an den höheren Preisen in der Schweiz.
    Das scheint ausser Dani Landolf niemand zu begreifen.

    Denn Verlage können es sich heute gar nicht leisten, Bücher teuer anzubieten, da die Absätze darunter leiden. Alle mittleren und kleinen Schweizer und deutschen Verlage, von denen ich Zahlen kenne (einige Dutzend Verlage sind das), kalkulieren äusserst spitz und kommen frühestens bei der Hälfte der verkauften Auflage überhaupt in schwarze Zahlen. Demgegenüber stehen Geldrückläufe nach 180 bis 200 Tagen und ein blindes Remissionsrecht des Handels. Gewinne sind in dieser Branche nur bei den ganz grossen Playern möglich, die anderen zahlen ein Leben lang Schulden ab, finanzieren sich über ein Erbe, oder überlegen sich jede hohe Startauflage dreimal.

    Ich würde mir wünschen, wenn in Sache Buchpreisbindungsgesetz vermehrt fundiert und auf Fakten abgestützt diskutiert wird, statt in populistischer Manier alles zu einem ungeniessbaren Brei zu vermengen. Und wenn denn endlich klar würde, dass das Buch als Medium politische Unterstützung braucht. Bücher als blosse Ware zu (de)klassieren ist armselig und der Stellung einer Nation wie der Schweiz, die sich allein mit Geist und Bildung überhaupt erst international etablieren konnte, sehr abträglich.

    Ein Verlag ist heute verpflichtet, einen gebundenen Europreis für Deutschland anzugeben und er muss dabei auch Wechselkursschwankungen berücksichtigen. Noch gibt es kein Modell für tagesaktuelle Preise. (Wie rechnen Sie sowas ab?) Als Schweizer Verlag haben Sie besonders schwierig, weil die protektionistischen Schweizer Zölle Ihnen das Leben schwer machen (Ausfuhr und Einfuhr von Waren nur gegen “Strafzoll”), vor allem wenn Sie für den deutschen Markt produzieren. Im Gegensatz zu Deutschland haben wir auch seit langem keine ermässigten Posttarife mehr, was eine Katastrophe ist. Dies führt zum Beispiel dazu, dass ich meine Bücher aus Deutschland in die Schweiz versende (!!!) via meine Deutsche Auslieferung, das kommt summa summarum billiger als ein Versand von Zürich nach Zürich.

    Es geht schon lange nicht mehr ums Sparen, es geht um die Existenz der Vielfalt von Inhalten, die eine Vielfalt von Verlagen und verschiedenen Denkansätzen braucht.
    Es gibt wohl nur noch ganz wenige Industriezweige, in denen so viele Idealisten und Kulturinteressierte (von den Autoren/Fotografen/Illustratoren über die Verleger bis hin zu den sehr schlecht bezahlten Buchhändlerinnen) zu so tiefen Löhnen arbeiten. Und Rationalisierungspotential ist nur sehr wenig vorhanden, denn Ideen und Inhalte und Übersetzungen lassen sich schlecht rationalisieren.

    Sie täuschen sich, preiswerter lassen sich Bücher (mit Inhalten) nicht mehr herstellen. Das sollten Sie als Journalist eigentlich wissen, spart sich Ihre Branche (Zeitungen) doch gerade zu Tode und entlässt jeden Hintergrundjournalisten, der etwas Zeit braucht für Recherchen. Sie müssen Unmengen eines Titels absetzen, dass sich ein Buch rechnet. Die Idee, dass man hier noch mehr rauspressen könnte, ist kontraproduktiv, illusorisch und zeugt von einem sehr begrenzten Weltverständnis. (“Es ist alles schon so schön eingerichtet, drehen wir ein wenig an den Reglern, dann kommt mehr Milch aus der Kuh…”)

    Heute schon wird kein einziges Buch mehr, dass ohne Subventionen oder Querfinanzierung auskommen muss, in der Schweiz produziert, da sich dies nicht mehr rechnen kann, die meisten Vierfarb-Bildbände sind nicht einmal mehr in Europa entstanden. Denn nur wenn Sie Ihre Kunstbildbände in Asien produzieren (China, Thailand, Singapur, etc.) können Sie überhaupt noch Geld erwirtschaften, um die (tiefen) Löhne Ihrer Lektoren und Autoren bezahlen zu können.

    Beseeltes Einkaufen in einer Ikea-Lidl-Migros-Weltbild-Einheitswelt wünscht Ihnen
    Kai Jerzö alias Jerzovskaja, Verleger Herzglut Verlag Zürich, Autor und Illustrator
    Mitglied swips.ch (Swiss Independent Publishers)