Bühne
4. Oktober 2008
Neumarkt: Die jungen Biederen
So ein Startwochenende ist für eine neue Direktion nicht einfach. Im Publikum sitzen lauter Kritiker und Fachleute, alle Augen sind auf das Direktorenduo gerichtet, nie mehr werden Weber/Sanchez so viel Aufmerksamkeit erhalten, wie dies in den letzten zwei Tagen der Fall war.
Das erste Fazit ist ernüchternd. Vielleicht auch, weil die Erwartungen hoch, wahrscheinlich zu hoch waren. Die jungen Wilden, die man sich erhofft hat, haben sich als die jungen Biederen herausgestellt. Auf eine harmlose Filmadaption folgte eine harmlose Musicaladaption. Und beide Male sass man im Publikum und fragte sich: Warum tun die das? Inhaltlich brachten beide Stück kaum eine Erkenntnis, formal fehlte jeglicher Mut oder Wille zum Experiment. Zum ersten Stück, «Der Boss von allem» unter der Regie von Rafael Sanchez, meint Kollege Peter Müller zu recht: «Wo der Film raffiniert bös ist, bleibt Sanchez` Inszenierung mässig lustig und harmlos.» Bei «Hair Story» zeigt uns Post-Hippie Barbara Weber, wie sie sich die Hippies vorstellt. Und bleibt bei lauter Klischees hängen. Immerhin: Wenn nicht das langweilige Fachpublikum (der Schreibende eingeschlossen) im Saal sitzt, könnte bei den vielen eingängigen Liedern durchaus Stimmung aufkommen.
Vielleicht wollten Weber/Sanchez zum Start auf der sicheren Seite stehen. Sie haben auf leichte Kost gesetzt, jegliches Risiko gescheut — und verloren. Hoffnung für die kommenden Projekte macht das Ensemble: Schauspielerisch vermochten beide Abende zu überzeugen.
philipp meier schrieb:
ich finde das einen sehr viel versprechenden start. gratulation von nachbarn zu nachbarn. (unabhängig davon halte ich nach wie vor nicht viel von der kunstform theater;)
Geschrieben am 8. Oktober 2008 um 13:07Uhr | Permalink
KulturClub schrieb:
…und wie hat es dem Publikum gefallen. Ist ja nicht selten, dass dort etwas anderes ankommt als bei den Kritikern.
Geschrieben am 29. November 2008 um 19:01Uhr | Permalink