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Krise im Schiffbau

Einbruch um 90 Prozent.

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Hat das Schauspielhaus noch einmal Glück gehabt.

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Neumarkt: Die jungen Biederen

So ein Startwochenende ist für eine neue Direktion nicht einfach. Im Publikum sitzen lauter Kritiker und Fachleute, alle Augen sind auf das Direktorenduo gerichtet, nie mehr werden Weber/Sanchez so viel Aufmerksamkeit erhalten, wie dies in den letzten zwei Tagen der Fall war.
Das erste Fazit ist ernüchternd. Vielleicht auch, weil die Erwartungen hoch, wahrscheinlich zu hoch waren. Die jungen Wilden, die man sich erhofft hat, haben sich als die jungen Biederen herausgestellt. Auf eine harmlose Filmadaption folgte eine harmlose Musicaladaption. Und beide Male sass man im Publikum und fragte sich: Warum tun die das? Inhaltlich brachten beide Stück kaum eine Erkenntnis, formal fehlte jeglicher Mut oder Wille zum Experiment. Zum ersten Stück, «Der Boss von allem» unter der Regie von Rafael Sanchez, meint Kollege Peter Müller zu recht:  «Wo der Film raffiniert bös ist, bleibt Sanchez` Inszenierung mässig lustig und harmlos.» Bei «Hair Story» zeigt uns Post-Hippie Barbara Weber, wie sie sich die Hippies vorstellt. Und bleibt bei lauter Klischees hängen. Immerhin: Wenn nicht das langweilige Fachpublikum (der Schreibende eingeschlossen) im Saal sitzt, könnte bei den vielen eingängigen Liedern durchaus Stimmung aufkommen.
Vielleicht wollten Weber/Sanchez zum Start auf der sicheren Seite stehen. Sie haben auf leichte Kost gesetzt, jegliches Risiko gescheut — und verloren. Hoffnung für die kommenden Projekte macht das Ensemble: Schauspielerisch vermochten beide Abende zu überzeugen. 

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Pereiras Schweiz, Pereiras Fernsehen

Screenshot SF

«Meine Schweiz, mein Fernsehen», sagt Opernhaus-Direktor Alexander Pereira in einem Image-Spot des Schweizer Fernsehens. 
Wer es schafft, zwei Mal das gesamte SF-Abendprogramm auf den Kopf zu stellen, darf fürwahr den Schweizer Sender sein eigen nennen. Selbst als Österreicher.

 

 

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Weber/Sanchez: Die ganze Sympathie und Mike Müller auf ihrer Seite

Sie haben sich herausgepützelt, Barbara Weber und Rafael Sanches, in schwarzer Kleidung vor schwarzem Vorhang präsentierten sie heute im Theater Neumarkt ihr Programm und Ensemble. Viele Filmstoffe, einige Uraufführungen und einige berühmte Regie-Namen machen den Kern ihres Programmes aus. Martin Kusej kann künftig zwischen Opernhaus und Neumarkt hin und her pendeln – seine Zürcher Durchschnittsgage dürfte damit um einiges sinken, aber immer noch über dem deutschsprachiges Theaterniveau bleiben. Auch Stefan Pucher und Stephan Müller kennt man in Zürich bzw. im Neumarkt gut, sie sind die Versicherung für den Publikumserfolg.
Weber/Sanches habe die ganze Sympathie und Mike Müller auf ihrer Seite — sie wirken voller Energie, voller Tatendrang, voller Schalk. Es würde niemanden erstaunen, wenn die zwei Mattias Hartmann in seiner letzten Saison in Zürich die Show stehlen würden. Am 2. Oktober geht’s los, endlich.

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Der Niedergang des Bernhard-Theaters

Kaum jemand bedauert mehr den Niedergang der Zürcher Boulevard-Bühne — das Casinotheater Winterthur hat das Traditionshaus mehr als ersetzt. In der Tagespresse ist das Bernhard-Theater aber immer noch unter «Zürcher Theater» aufgeführt:

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Das Opernhaus wird dort bald eine Probebühne einrichten, damit dürfte die Bernhard-Theater-Rubrik endgültig aus dem Theaterkalender verschwinden.
Das Cabaret Voltaire darf kein Sex-Casting mehr durchführen, die Miss Bikini Wahl erscheint nicht mehr im Theaterkalender — was für ein Kulturverlust für Zürich.

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Theater: Auf die Erweiterung folgt die Finanzkrise

Anmerkung: Aus diesem Blog-Eintrag ist ein Artikel auf tagesanzeiger.ch geworden, siehe hier. 

In Basel fordert der Verwaltungsrat des Theaters 15 zusätzliche Millionen, sonst müsse bei der Qualität abgebaut, im schlimmsten Fall sogar das Ballett abgeschafft werden. In Zürich verzichtet Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann auf Neuproduktionen im Schiffbau, wegen Geldmangel. Diese Ankündigungen sind nicht bloss Druckmittel, um hoffentlich an neues Geld zu kommen, bei beiden Institutionen ist die finanzielle Lage tatsächlich besorgniserregend.
Weshalb ist das ausgerechnet beim Zürcher Schauspielhaus und beim Theater Basel der Fall? Beide Institutionen haben in den letzten zehn Jahren räumlich stark ausgebaut: das Schauspielhaus mit dem Schiffbau, das Theater Basel mit dem Schauspielhaus. Die Subventionen hielten mit dem Ausbau nicht Schritt, die Zuschauerzahlen sanken sogar.
Erst die Erweiterung, dann die finanziellen Probleme – falls dies zur Regel wird, trifft es als nächstes die Stadttheater in Bern und St. Gallen. Beide haben erst kürzlich ausgebaut, St. Gallen mit der Lokremise, Bern mit den Vidmar-Hallen. Es könnte also eine nationale Theater-Finanzkrise auf uns zukommen.

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Aktuelle und zukünftige Serien-Stars

Das Theater Neumarkt hat bekanntlich eine neue Direktion, am 2. September um 11 Uhr präsentiert sie den Medien ihre Pläne und ihr neues Ensemble. Das Schweizer Fernsehen hat bekanntlich eine neue Arztserie, am 2. September um 11 Uhr dürfen sich die Medien die ersten zwei Folgen anschauen. Das eine hat mit dem andern nichts zu tun, mag sich manch einer denken. Aber halt! Ziemlich viele Ex-Neumärktler haben bei Film und Fernsehen Fuss gefasst, bei “Lüthi und Blanc” waren mehrere mit dabei, bei der Arztserie “Tag und Nacht” spielt Daniel Rohr mit wohl nicht als einziger. Und so kann man folgern: Am 2. September um 11 Uhr werden beim Bahnhof Stadelhofen die aktuellen Serien-Stars vorgestellt, im Theater am Neumarkt die zukünftigen.

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Gutmensch-Spektakel

“Wir brauchen keinen Drittweltbonus”, sagt der neue Leiter des Zürcher Theaterspektakels, Sandro Lunin, in der NZZ am Sonntag. Aufpassen, dass das Theaterfest nicht zum Gutmensch-Spektakel wird, muss er aber schon.
Das Festival als CO2-Neutral zu verkaufen, ist o.k. – es ist heute usus, mit einem solchen Label den mit Autos heranfahrenden Kunden ein gutes Gewissen einzuflössen. Problematischer ist, dass Lunin ein Teil des Programms neu durch Calmy-Reys Deza finanzieren lässt — wie schon bei seiner früheren Wirkungsstätte, dem Berner Schlachthaus. Zwar ist es durchaus positiv, dass am Theaterspektakel die Dritte Welt stark vertreten ist, aber die Auswahl soll klar nach künstlerischen und nicht nach irgendwelchen entwicklungshelferischen Kriterien erfolgen. Selbst wenn dies bei Lunin nicht der Fall sein sollte: Wenn man solche Geldquellen anzapft, gerät man in Verdacht, dem Künstlerischen nicht absolute Priorität einzuräumen.

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Sitting Ovation

An der “Heidi“-Premiere gestern in Walenstadt beschäftigte mich die Frage: Darf man bei einer Standing Ovation als Einziger sitzen bleiben?

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Theater Neumarkt: am dran, am ab

Gegründet hatte es Felix Rellstab als “Theater am Neumarkt”, unter den Direktoren Crescentia Dünsser und Otto Kukla wurde es zum “Theater Neumarkt”, deren Nachfolger, Wolfgang Reiter, nannte es wieder “Theater am Neumarkt”. Ab kommender Spielzeit, unter Barbara Weber und Rafael Sanches, wird es erneut zum ”Theater Neumarkt” umbenannt, wie der provisorischen Homepage zu entnehmen ist. Am dran, am ab – was solls.

Zum Thema:
Neue Köpfe im Theater am Neumarkt

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Oper in der Fanzone: Besser als Fussball

Fotos rb

Dem Opernhaus ist mit der Übertragung der Carmen-Premiere in der Fanzone am Bellevue ein Coup gelungen. Der Ansturm war grösser als an manchen Vorrunden-Spielen, alle Sitzplätze wären besetzt, Hunderte von Leuten mussten stehen oder auf dem Boden Platz nehmen. Damit ist klar: einer der grössten Profiteure der Euro ist das Zürcher Opernhaus. Die Kosten für die neuen Schallschutzfenster und für diese geniale PR-Aktion einer Gratis-Opern-Übertragung übernahm die Stadt. Der Nutzen, der das Opernhaus daraus zieht, reicht weit über die Euro hinaus.
Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann hat die “Carmen” auf Hochglanz poliert, aalglatt wie ein Spoerli-Ballett kommt seine Inszenierung daher — für eine Grossleinwand-Übertragung ideal. Nur eine kurze Bild-Ton-Verzögerung trübte an dem wunderbaren Sommerabend den Genuss der Bizet-Ohrwürmer, doch wenn man beim Zuschauen ein paar Carlsberg-Biere zu sich nahm, war dies kaum mehr bemerkbar. 
Eigentlich sollte das Opernhaus nun einen Schritt weitergehen und seinen Chor und den Escamillo beim Euro-Finale zur Verfügung stellen, damit die bei jedem Tor der Spanier das “Toreador”-Lied anstimmen können.

Zum Thema:
EM & Pereira: Unnötig geschimpft

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Opernhaus: Homoki der neue Marthaler?

Die Schweizer Presse ist des Lobes voll für die Wahl von Andreas Homoki ans Opernhaus Zürich. Aus der Distanz wird der mutige Entscheid anders beurteilt, die “Welt” sieht bereits den nächsten Fall Marthaler auf Zürich zukommen:

“Die Oper Zürich ist ein wunderbar altväterlich geführter, auf höchsten Touren laufender, international anerkannter Gemischtwarenladen, der Starglanz und geschickten Kompromiss, interpretatorischen Ehrgeiz und große Namen einigermaßen harmonisch vereint. Homoki freilich spielte bisher in der zweiten Liga. Der Zürcher Aufsichtsrat will offenbar einen ästhetischen Neuanfang. Das ehrt ihn. Doch das wollte man beim Schauspielhaus mit dem als Theaterleiter unerfahrenen Christoph Marthaler auch.”

Entgegen der gängigen Meinung war es bei Marthaler in erster Linie nicht die künstlerische Ausrichtung, die das altehrwürdige Publikum vertrieb, sondern dass zu Beginn viele Premieren kurzfristig verschoben werden mussten und dass plötzlich eine ganze Horde von schlechtangezogenen jungen Besuchern das Pfauen-Foyer in Beschlag nahm. Die Zürcher Gesellschaft setzt auf Konventionen, möchte im Parkett unter sich sein. Wenn Homoki diesem Umstand Rechnung trägt, kann auf der Bühne durchaus auch etwas Gewagteres passieren.

Zum Thema:
Pereiras perfekter Abgang

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Pereiras perfekter Abgang

Foto rb
v.l. Markus Notter, Alexander Pereira, Josef Estermann, Andreas Homoki, Sir Peter Jonas

Manchmal ist kulturbloggen langweilig. Zum Beispiel jetzt bei Pereiras Abgang vom Opernhaus Zürich (Medienmitteilung). Zu perfekt wurde er inszeniert, keine Indiskretion sickerte zuvor durch, an der Lösung gibt es nichts zu bemängeln, im Gegenteil. Alles ging so professionell, so ohne Zwischentöne vor sich, dass die Journalistenschar an der Pressekonferenz schon fast ratlos war. Klar, der Verwaltungsratspräsident Josef Estermann (ohne Bart hat er eine verblüffende Ähnlichkeit mit Alexander Pereira) sprach vor allem davon, dass der Neue, Andreas Homoki, auch zum Geldauftreiben bereit ist — offenbar das wichtigste Kriterium für die Wahl, eigentlich nicht weiter erstaunlich.
Homoki gab sich locker, als einziger auf dem Podium ohne Hemd, im Polo-Shirt; nur seinem starken Schwitzen an sah man, dass er doch etwas aufgeregt ist. Pereira posierte vor Beginn der PK Arm in Arm mit Homoki, immer wieder wurde die Harmonie zwischen den beiden betont. Die Enttäuschung darüber, dass sein Vertrag bloss um ein Übergangsjahr verlängert worden ist, war Pereira kaum anzusehen. Unauffällig im Hintergrund blieb Peter Wuffli, der gefallene UBS-CEO hat sich bei dem Findungsprozess stark engagiert, seine Aufgabe als ehrenamtlicher Opernhaus-Verwaltungsrat scheint ihm über die vergangene Schmach hinwegzuhelfen. 

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DV8: Homophobie-Lektion zur Festspieleröffnung

Am Samstag war das Eröffnungsfest der Zürcher Festspiele in der Gessnerallee und die Mehrheit der Disco- und Fussballübertragungs-Besucher wusste wohl gar nicht, was die Festspiele überhaupt sind, geschweige denn, dass dies ein Festspielanlass ist. Die privilegierte Klasse hatte ihre eigene Eröffnungsparty einen Tag zuvor im Opernhaus. Es ist zwar aus PR-Sicht legitim und sinnvoll, den letzten, schwierigen Monat der Spielzeit zu retten, indem man alle Produktionen, die mit wenigen Ausnahmen ohnehin gespielt würden, “Festspiele” nennt; dass dadurch aber so etwas wie eine Festspielstimmung aufkommt, ist illusorisch.
Am ehesten noch profitieren die kleineren Bühnen von dieser PR-Massnahme: aus dem Festspieltopf erhalten sie zusätzliches Geld, um sich etwas grössere Produktionen leisten zu können. In der Gessnerallee war am Startwochenende DV8 aus England zu Gast. Eine Multikulti-Truppe mit einem klaren aufklärerischen Anspruch. Für “To Be Straight With You” hat sie unzählige Interviews zum Thema Homosexualität und Religion geführt und bringt diese gesprochen und getanzt auf die Bühne. Das wirkt zu Beginn wie eine Lehr-Stunde, wird dann aber immer persönlicher, körperlicher, stärker. Ob das Zürcher Kulturpublikum der richtige Adressat für ein solches Anti-Homophobie Stück ist, sei dahingestellt. Trotz Hitze und Fussball waren aber alle Vorstellungen voll – vielleicht hat das PR-Ereignis ”Festspiele” doch positiv mitgewirkt.

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EM & Pereira: unnötig geschimpft

Schon Monate vor dem Anpfiff zur Europameisterschaft schimpfte Opernhausdirektor Alexander Pereira über den Anlass. Er fürchtete, die Operngänger würden durch die Fans gestört. Und überhaupt, die Stadt habe keine Ahnung, mache alles falsch. Nach den ersten Spieltagen die Entwarnung: die neuen Lärmschutzfenster nützen, selbst beim grössten Torjubel höre man im Opernhaus nichts; Pereira besuchte sogar ein Spiel im Letzigrund. Und das Erstaunlichste: die EM habe keinerlei Auswirkungen auf den Kartenverkauf. “Sogar bei den Spielen der Schweiz wurden nicht weniger Karten verkauft als sonst”, sagt Pressesprecherin Nadia Stefanizzi.
Vorsorglich mal zu klagen hat in der Kulturbranche ebenso System wie bei den Bauern: so stellt man sicher, dass jedmöglicher Einnahmeausfall vom Staat gedeckt wird. 

Nachtrag: Anders ergeht es dem Schauspielhaus, im Pfauen ist ein klarer Zuschauerrückgang zu verzeichnen; an den zwei Abenden, an denen die Schweiz spielte, mussten die Vorstellungen gar abgesagt werden. Im Schiffbau dagegen, weit weg von der Fanzone, spürt man nichts von der EM, im Gegenteil, die Vorstellungen seien sehr gut besucht (dort laufen zurzeit auch die guten Produktionen).

Zum Thema:
Euro 08: Kultur-Aristokratei gegen Fussball-Pöbel
Zürich: Theater beliebter als Fussball