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Dada siegt: Zürich will nicht nur Kuschel-Kultur

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Das Zürcher Volk will weiterhin ein lebendiges Cabaret Voltaire. Beim Schauspielhaus-Kredit vor ein paar Jahren stimmten noch 53 Prozent Ja. Jetzt, bei einem zwar viel kleineren, von der Brisanz her aber vergleichbaren Kulturkredit, 65 Prozent. Wenn man bedenkt, wie wenige Leute überhaupt wissen, was das Cabaret Voltaire genau ist, geschweige denn je darin waren, ist dies ein ausserordentliches Resultat.
Das klare Ergebnis zeigt: Zürich will nicht nur Kuschel-Kunst. Sondern auch Kunst, die aneckt, die weniger gemütlich und weniger einfach fassbar ist, als bloss ein paar Gemälde an der Wand. Das Wahlergebnis ist aber auch eine Absage an die Zensur-Versuche des Trägervereins und des Präsidialdepartementes, die immer dann einsetzten, wenn die (Gratis-)Presse über ein angeblich provokantes Projekt schrieb.
Im Trägerverein ist nun ein Wechsel fällig: Präsident Guido Magnaguagno stand in schwierigen Zeiten nie hinter dem Leitungsteam, im Abstimmungskampf glänzte er durch Abwesenheit. Er muss nun durch jemanden ersetzt werden, der mit Leidenschaft hinter der Sache steht. Jean-Pierre Hoby war dem Direktions-Duo gegenüber sehr kritisch eingestellt, hat sich aber mit aller Kraft für die Weiterführung eingesetzt. Jetzt sollte er sich dafür einsetzen, dass die Statuten so geändert werden, dass die künstlerische Direktion mehr Autonomie, aber auch mehr Verantwortung für den Betrieb erhält – wie das in einem modernen Kulturbetrieb üblich ist. Dass Kulturbeamte Einfluss auf das Programm nehmen können, wie das bisher der Fall war, darf nicht sein.
Jedenfalls: Für das Cabaret Voltaire war diese Abstimmung das Beste, was ihm passieren konnte. «Dada siegt», hiess es auf dem Plakat von 1920. Das gilt bis heute.

Bericht auf tagesanzeiger.ch: hier.

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Dada-Polizei

Die Dada-Polizei macht Wahlkampf. kulturblog.ch macht mit: 

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Wettbewerb ohne Sieger: Keine Kunst am Bau im Stadthaus

Letzten Sommer hatte die Stadt einen Ideenwettbewerb für Kunst am Bau im Stadthaus ausgeschrieben. 80 Ideen wurden eigereicht, zehn wurden ausgezeichnet, drei davon hätten einen Projektauftrag erhalten sollen. Auf wundersame Weise erhielten dann fünf einen Projektauftrag, einige Künstler sprachen schon damals von merkwürdigen Vorgängen in der Jury. Auffallend auch: Obwohl der Wettbewerb international ausgeschrieben wurde, stammten die fünf Finalisten alle aus der Stadt Zürich. Die eingereichten Projekte konnte man letzten Dezember im Stadthaus ansehen. Damals hiess es: “Aus diesen fünf Studienaufträgen wird das Siegerprojekt voraussichtlich im Frühling 2008 ermittelt.”
Doch daraus wird nichts. Die Stadt lässt das Projekt ”res publica” fallen. ”Die Jury hat entschieden, kein Projekt zur Umsetzung vorzuschlagen”, bestätigt Karin Frei Bernasconi vom Amt für Hochbauten. Über die Gründe sagt sie nichts. Haben die Stadtoberen plötzlich den Mut verloren? Ist zeitgenössische Kunst ungeeignet für ein altehrwürdiges Stadthaus? Konnten sich die Verantwortlichen das nicht vor der Ausschreibung des Wettbewerbs überlegen? Wie man hört, habe es innerhalb der Jury und bei den Projektverantwortlichen einigen Knatsch gegeben. 
Eigentlich wäre noch eine zweite Ausstellung mit den weiterentwickelten Projekten vorgesehen gewesen, obs die geben wird, ist ebenso unbekannt, wie was mit den vorgesehenen 200′000 Franken für das Siegerprojekt passiert. 
Die beteiligten Künstler sind noch nicht informiert worden, sie wissen von der Absage des Projekts einzig vom Hörensagen.

Kunst/Museen


Kunst im öffentlichen Raum: Warum nicht ein Intendant?

Die Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (AG KIöR) hat einen Leitfaden (pdf) herausgegeben, indem u.a. die Kriterien für neue Werke bzw. Umplatzierungen definiert werden:

Massgebliche Kriterien sind:
– künstlerische Qualität
– ortsbezogene Notwendigkeit und Dringlichkeit
– lokaler / nationaler / internationaler Stellenwert
– gesellschaftliche Relevanz
– ausstellungsbiografischer Hintergrund
– Förderung der hiesigen Kunstszene
– ethisch oder politisch heikle Hintergründe, Konfliktpotential
– kontextuelle Bezüge, z.B. institutionelle Partner
– Offenheit für ein lebendiges Stadtbild
– allgemeine Sicherheit
– Verträglichkeit mit anderen Veranstaltungen oder Bauprojekten am gleichen Ort oder in der Nähe
– gute Widerstandsfähigkeit (Alterung)
– exogene Einflüsse auf die Kunst (Gefährdung von aussen)
– endogene Einflüsse der Kunst (Gefährdung durch die Kunst)
– Kosten

Die Kriterien lassen viel Spielraum offen, zum Beispiel ist nicht ersichtlich, ob nun das “Konfliktpotenzial” ein Kriterium für oder gegen ein Werk ist.
Anstatt eine Kommission (“Arbeitsgemeinschaft”) ins Leben zu rufen, wäre es mutiger und interessanter gewsesen, zumindest für die temporären Werke ein Intendantenmodell einzuführen. Ein jährlich wechselnder Intendant bzw Kurator, der alleine über die ausgestellten Werke entscheidet, könnte viel eher Akzente setzen. Über die Jahre könnte man dann vergleichen, sicherlich würde es unvergessliche Intendanten geben und solche, die ein Ärgernis waren — für Gesprächsstoff wäre jedenfalls gesorgt. 
Obwohl die AG KIöR gut besetzt ist (u.a mit Dorothea Strauss als Präsidentin), droht bei einer Kommissionslösung immer eine konsensbedingte Verwässerung.

Zum Thema:
Zürich: Gegenkonzepte für Teddybären

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Ruf des Muezzin, Teil 2

Es war eine der stärksten Kunstaktionen des letzten Jahres, als von verschiedenen Kirchtürmen plötzlich der Muezzin zum Gebet rief. Der Künstler Johannes Gees hatte im Auftrag von agent-provocateur.ch die Lautsprecher heimlich auf den Türmen des Zürcher Grossmünsters, des Berner Münsters oder der Klosterkirche Einsiedeln versteckt und zur Gebetszeit rufen lassen (Filme dazu hier und hier).
Jetzt macht Gees die Aktion museumstauglich. Die Originallautsprecher sind zurzeit in der Kunsthaus-Ausstellung “Shifting Identities“ vor einem Panorama religöser Gemälde und Skulpturen aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufgestellt. Aus dem Lautsprecher ertönt ein Mix aus einem Ruf des Muezzin und einem innerschweizer Sennen-Betruf.
Hier “Salat #2″ von Johannes Gees (für den Ton auf den kleinen Pfeil unten klicken): 

(c) Johannes Gees

Kunst/Museen


Art Basel: Von Tieren und Eisenbahnwagen

Die Art Basel eröffnet heute, auf kulturblog.ch gibt’s bereits einen Rundgang durch die weltweit grösste Ansammlung teurer Kunst:

Echte Kunst? Nein, echter Abfall vor der Messehalle. Die Putzkolonne ist aber schon im Anmarsch. Im Hintergrund das Glaskunstwerk “Rectangle Inside 3/4 Cylinder” von Dan Graham.

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Kunst/Museen, Sonstiges


Im Trend: Prämien für Ideen

agent-provocateur.ch bietet 20′000 Franken “für eine Aktion, die an einem beliebigen Ort der Schweiz stattfindet und landesweit Aufsehen erregt”. Das Geld ist zurzeit im Schaufenster des Cabaret Voltaire ausgestellt.
Die Öffentlichkeit bei der Suche nach Ideen einzubinden, das ist auch bei der Wirtschaft im Trend. “OpenInnovation” heisst das Stichwort. Da die Verarbeitung von unzähligen Ideen aus dem Volk ziemlich aufwändig ist, will ein Schweizer Start-up-Unternehmen namens openinnovation.ch den Firmen diese Arbeit abnehmen. Wie man auf der Pilot-Seite erkennt, stellt die meistbietende Firma (Credit-Suisse) für eine Idee nur 5000 Franken zu Verfügung. Für einmal ist es lukrativer, für die Kultur als für die Privatwirtschaft zu arbeiten. 

Kunst/Museen


ewz.selection: Das Ende der Berufsfotografie?

Der Du-Alleinredaktor Walter Keller stellt im Heft zur ewz.selection die Berufsfotografie in Frage. Aufgrund von Handybildern und Leserreportern sei die Unterscheidung von Amateur und Profi unscharf geworden:

“Warum soll eine Firma noch eine Agentur und einen Fotografen beauftragen, wenn der Chef mit dem Grafikpraktikanten am Screen gleich die ganze Werbekampagne gestalten kann?” 

Eine Antwort, was die Fotokunst heute bedeutet, formuliert der Kunstkritiker Peter Plagens einige Seiten weiter hinten:

“Als Galeriematerial unterscheiden sich Fotografien jetzt nicht grundlegend von Gemälden, die gänzlich durch die Vorstellungskraft eines Künstlers hervorgebracht wurden, abgesehen davon, dass ihnen die Berührung der Hand und die Oberflächenvariationen des Gemäldes Fehlen.”

Tatsächlich ist es so, dass einem bei der sehr sehenswerten Ausstellung im Unterwerk Selnau die Fotografien oft an Gemälde erinnern. Zum Beispiel an Gerhard Richter (Bilder von Erika Maak) oder an Historiengemälde (Bilder von Christian Lutz). Was weiter auffällt: hinter fast jeder Arbeit steht ein durchdachtes Konzept, das zum Teil eine lange Vorbereitungszeit voraussetzt. Auch darin unterscheidet sich (gute) Berufsfotografie von Handyfotos. 

Bühne, Kunst/Museen, Politik


Sex-Casting: Neue Dimension im Fall Jean-Pierre Hoby

Vorgestern verschickte der Verwaltungsrat des Theater am Neumarkt folgende Mitteilung, gezeichnet von Thomas Wartmann, Verwaltungsratspräsident der Theater am Neumarkt AG:

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Diese Stellungnahme mutet etwas gar seltsam an, schliesslich weiss Thomas Wartmann genau, dass der Verwaltungsrat gemäss Vertrag der Direktion bei künstlerischen Belangen nicht reinreden darf. Auch die äusserst abschätzige Formulierung gegenüber dem Direktor Wolfgang Reiter hinterlässt ein ungutes Gefühl.
Verschickt wurde die Mitteilung als Word-Dokument. Ein Klick auf die Dokumenteneigenschaften zeigt:

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Unter ”Autor” steht nicht etwa “Thomas Wartmann”, sondern “Familie Hoby”. Dies lässt darauf schliessen: Jean-Pierre Hoby hat die Mitteilung selber geschrieben, auf seinem privaten Computer — und darunter den Namen Wartmann gesetzt.
Dass sich einige Kulturleute erdreisten, seinen Weisungen nicht umgehend Folge zu leisten, scheint Hoby dermassen in Rage zu bringen, dass ihm sämtliche Mittel recht sind. Zwar sitzt Hoby auch im Verwaltungsrat der Theater am Neumarkt AG und Thomas Wartmann dürfte vor dem Versand informiert worden sein, doch wirkt dies sehr nach eigenmächtigem, von Ressentiments geleitetem Handeln.

Zum Thema:
Der Fall Cabaret Voltaire wird zum Fall Jean-Pierre Hoby

Kunst/Museen, Politik


Der Fall Cabaret Voltaire wird zum Fall Jean-Pierre Hoby

“Neumarkt-Direktor Wolfgang Reiter geht im Sommer sowieso, und das ist gut so”, sagt Jean-Pierre Hoby, Kulturchef der Stadt, heute in 20Minuten. Im Tages-Anzeiger meint er: “Wenn Philipp Meier das Vertrauen von unserer Seite fehlt, wäre es besser, er würde künden.” Richtig ist eher: Jean-Perre Hoby wird bald pensioniert und das ist gut so.
Seine Verdienste für die Zürcher Kultur sind unbestritten: er hat in den letzten 20, 30 Jahren entscheidend dazu beigetragen, dass in der Kulturwüste Zürich eine blühende freie Szene entstanden ist. Er hat professionelle Förderstrukturen eingeführt, die noch immer sehr gut funktionieren. Aber: in letzter Zeit gebärdet er sich als Alleinherrscher, als Übervater, dem es zu gehorchen gilt, der öffentlich Disziplinarmassnahmen androht, der den Institutionen immer wieder in den Rücken fällt. Egal ob beim Cabaret Voltaire, bei der Shedhalle oder dem Theater am Neumarkt, wer sich nicht Hoby-konform verhält, muss damit rechnen, dass der Kulturchof die Institutionen öffentlich geisselt. Nicht nur das: selbst seinem Vorgesetzten, dem Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber, tanzt Hoby auf der Nase herum. Als beim Schauspielhaus Probleme auftauchten, sagte Hoby in der Zeitung grossmundig, er habe schon immer vor einer Anstellung Hartmanns gewarnt.
Hoby weiss, was gut ist für die Zürcher Kultur — und nur er. Der Fall Cabaret Voltaire ist längst zum Fall Jean-Pierre Hoby geworden. Er — nicht Philipp Meier — gefährdet die Volksabstimmung über das Weiterbestehen des Cabaret Voltaire. Wenn der Stadtpräsident noch etwas Gutes für die Zürcher Kultur machen möchte, dann schickt er Hoby möglichst rasch in die Frühpension.

Zum Thema:
Sex-Casting: Theater am Neumarkt bietet Asyl
Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?
Ensuite Kolumne zur Situation in der Zürcher Kulturszene

Bühne, Kunst/Museen


Sex-Casting: Theater am Neumarkt bietet Asyl

Morgen hätte das Männercasting der Sexualtherapeutin Maggie Tapert im Cabaret Voltaire stattfinden sollen. Der städtische Kulturchef Jean-Pierre Hoby hat die Durchführung jedoch verboten (pdf), nachdem 20Minuten darüber berichtet hatte. Die Co-Direktoren Philipp Meier und Adrian Notz wehrten sich zurecht gegen die Einmischung in ihr Programm, bisher war nicht klar, ob sie es sich dem Verbot widersetzen werden.
Jetzt erhalten die beiden Unterstützung: Wolfgang Reiter, Direktor des Theater am Neumarkt, bietet Asyl an; die Veranstaltung findet dort wie geplant um 19.30 Uhr statt. Die Verlegung wird offiziell mit “dem zu erwarteten grossen Besucherandrang” begründet. Gegenüber kulturblog.ch erklärt Reiter:

“Es ist unmöglich, dass ein Boulevardblatt und ein Kulturbeamter entscheiden, was in einer Kulturinstitution stattfindet. Um das Verhältnis mit der Obrigkeit geht es auch bei unserem nächsten Stück ‘Prometheus‘, wir können nicht auf der Bühne etwas zeigen und daneben dann kuschen.”

Bei der Hilfeleistung dürfte noch ein anderer Aspekt mitspielen: Auch Wolfgang Reiter hatte unter der Zürcher Kulturbürokratie zu leiden, ihm wurde der Vertrag nicht verlängert, seine Amtszeit läuft Ende Saison aus. Reiter hat nichts mehr zu verlieren, da ist es nur konsequent, wenn er in einem solchen Fall dem Cabaret Voltaire zu Hilfe kommt.

Nachtrag: Offizielle Mitteilung Theater am Neumarkt

Zum Thema:
Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?

Kunst/Museen


Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?

„Wir können nicht mit einer Direktion zusammenarbeiten, die den Leistungsauftrag nicht erfüllt“, lässt sich der städtische Kulturchef Jean-Pierre Hoby in 20Minuten zitieren. Der Trägerverein wolle „so schnell wie möglich zusammentreten und die nötigen Konsequenzen aus diesem Vorfall [Sex Casting] ziehen“. Was nichts anderes heisst als: Jean-Pierre Hoby möchte den Co-Direktor Philipp Meier loswerden.
Hoby offenbart vor allem seine Machtfantasien, wenn er sich in der Presse darüber beschwert, dass die Direktion des Cabaret Voltaire eigenmächtig gehandelt habe. Offenbar müsste ein künstlerischer Leiter bei jeder Entscheidung Väterchen Hoby um Erlaubnis bitten.
Ein Sex-Casting im Cabaret Voltaire kann man durchaus deplatziert finden. Ein Grund so einzuschreiten, ist das aber nicht, auch wenn 20Minuten genüsslich einen Skandal verkündet. Skandalös ist nur, dass der Kulturbeauftragte einmal mehr in einer solchen Situation einer Institution in den Rücken fällt, anstatt sie zu verteidigen. Das Gebaren Hobys schadet dem Cabaret Voltaire bei der Volksabstimmung mehr als ein Direktor Philipp Meier mit Graffiti-Workshops oder angeblichen Sex-Castings.

-> Medienmitteilung von Jean-Pierre Hoby (pdf)
-> Alle kulturblog.ch-Artikel zum Cabaret Voltaire

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Hat Blocher Angst um seine Hodler?

Auf der Einladungskarte zur Vernissage der Hodler-Ausstellung im Kunstmuseum Bern hat Hodler-Sammler Christoph Blocher noch auf die Bezeichnung “abgew. Bundersrat” bestanden. In den Ausstellungssälen nicht mehr — dort fehlt sein Name ganz. Anstatt “Sammlung Christoph Blocher” steht bei seinen Bildern einfach “Privatbesitz”.
Weshalb nur? Gut möglich, dass Blocher Angst um die Bilder hat. Er hätte Grund dazu: Es würde wohl niemanden überraschen, wenn aus der nahen Reitschule irgend ein verwirrter Aktivist vor einem Blocher’schen Hodler plötzlich eine Spraydose zücken würde. Bei der (zu) engen Anordnung in dem Museum wäre dies auch problemlos möglich.

Kunst/Museen


Fischli/Weiss-Geschäftsbericht: Hochglanz-Telefonbuch

Von den 840 Seiten des Ringier Geschäftsberichts 2007 sind 40 dem Geschäft gewidmet und 800 der Kunst. Wobei Peter Fischli und David Weiss das Geschäft von Ringier zur Kunst gemacht haben, indem sie 800 ganzseitige Inserate ausgesucht und kommentar- und bearbeitungsfrei abgedruckt haben. Wie ein Hochglanz-Telefonbuch fühlt sich das Teil mit dem dünnen Papier an.
“Sonne, Mond und Sterne” nennen Fischli/Weiss den Fünf-Kilo-Wälzer, und es scheint, als wollten die zwei untersuchen, wovon Ringier eigentlich lebt: von Inserenten, die Glamour und Glück versprechen. Doch nicht nur Ringier und die Mitarbeiter (ich war auch einer) leben von diesen Inseraten, sondern auch Peter Fischli und David Weiss. Michael Ringier hat ihnen schon viele Werke für seine Sammlung abgekauft und auch die Arbeit für den Katalog dürften die beiden nicht gratis ausgeführt haben.
Insofern kann man das Werk als Dankeschön der Künstler an die Inserenten verstehen. Zum Dank für das viele Geld, das sie an Ringier und damit indirekt auch an Fischli/Weiss überwiesen haben, erhalten sie nun ein Gratis-Inserat im Geschäftsbericht — und dürfen sich als Teil eines Fischli/Weiss-Kunstwerks sehen. Hier drei zufällig ausgewählte Doppelseiten:

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Zum Thema:
Faster! Bigger! Better!
Kunstskandal: Fischli/Weiss klauten Rumpelstilz den Bären
Fischli/Weiss, Patrick Frey, König Kraska

Kunst/Museen, Sonstiges


Schweizer Kunst auf Englisch

Da macht das Kunsthaus Zürich mit “Shifting Identities” eine Ausstellung über junge Schweizer Kunst — und der Titel, die meisten Texte und der Blog zur Ausstellung sind auf Englisch. Das ist kein Einzelfall: vor allem beim zeitgenössischen Tanz und bei der bildenden Kunst haben die Vermittler das Gefühl, Englisch töne moderner, internationaler, urbaner. In der Werbebranche hat man bereits gemerkt, dass dies Unsinn ist, in der Kunst wird man’s irgendwann auch merken. 
Bei der Ausstellung im Kunsthaus, wo es um Künstler aus allen Landesteilen (und darüber hinaus) geht, ist die Sprachwahl jedoch auch Ausdruck einer Entwicklung unter jungen Schweizern: wenn sich ein deutsch- und französischsprachiger treffen, so sprechen sie in der Regel nicht mehr Deutsch oder Französisch miteinander, sondern Englisch.