Politik, Sonstiges


Subventionsausbau: Wann platzt die Blase?

Die Stadt Zürich baut bei den Kultursubventionen weiter aus, wie letzte Woche vermeldet wurde. Für die Periode 2009 bis 2012 beantragt der Stadtrat dem Gemeinderat eine ganze Reihe von Subventionserhöhungen. Bereits im Januar stimmte der Gemeinderat einer Tranche von Subventionserhöhungen zu, einige Wenige erhielten gleichviel wie bisher, Kürzungen musste niemand befürchten, egal wie gut oder schlecht gearbeitet wurde – ausser das Cabaret Voltaire, an dem SVP und FDP ein Exempel statuieren möchten.
Kulturchef Jean-Pierre Hoby möchte es sich in seinen letzten Jahren vor der Pensionierung mit niemandem mehr verscherzen. Allen ein bisschen mehr zu geben ist gemütlicher als Prioritäten zu setzen und für gewisse Institutionen auch mal einen schmerzhaften Entscheid zu treffen. Nach seinem Abtritt, wenn die Steuerausfälle durch die gebeutelte UBS so richtig spürbar werden, könnte für einige, die sich heute über den Geldsegen freuen, die Subventionsblase platzen. 

Literatur, Politik


BAK: Erfolgsabhängige Förderung am falschen Ort

Das Bundesamt für Kultur will eine erfolgsabhängige Buchförderung einführen, nach dem Vorbild von Succes Cinéma. Warum ausgerechnet beim Buch? Beim Film ist eine erfolgsabhängige Förderung nachvollziehbar: aufwändige Produktionen sind meist publikumsträchtiger, mit einer erfolgsabhängigen Förderung ist der Anreiz da, in grössere und teurere Produktionen zu investieren. Auch in der freien Theaterszene könnte eine erfolgsabhängige Förderung sinnvoll sein, damit weniger und dafür ausgereiftere Produktionen auf die Bühnen kämen.
Doch bei der Literatur? Was kann da eine erfolgsabhängige Förderung bewirken? Dass die Bestsellerautoren noch mehr verdienen? Dass die Verlage dafür belohnt werden, wenn sie nur noch Bücher von erfolgsversprechenden Autoren verlegen? Schreibt ein Schriftsteller plötzlich verständlicher, publikumsnäher oder besser, wenn bei Erfolg eine zusätzliche Geldprämie lockt? Kaum.
Beim Film und beim freien Theater ist das in der Regel anders: Das Fördersystem setzt dort den Anreiz, möglichst viel Aufwand in die Akquise von Fördergeldern zu stecken und möglichst wenig in die Produktion. Eine erfolgsabhängige Förderung kann in jenen Sparten tatsächlich zu einer Qualitätssteigerung führen, bei der Literatur nicht.

Politik


Annoni: “Knüsel übernimmt die Rolle eines Provokateurs”

Nachdem Pro Helvetia Direktor Pius Knüsel die Förderpraxis der eigenen Institution kritisiert hatte, stellte ich dem Präsidenten der Pro Helvetia, Mario Annoni, per E-mail drei Fragen. Heute sind die Antworten eingetroffen, mit der Bitte, diese vollständig zu veröffentlichen und keine Kürzungen vorzunehmen. Hier sind sie:

Pius Knüsel kritisierte in letzter Zeit mehrmals das Giesskannenprinzip der Pro Helvetia und fordert stattdessen eine Elitenförderung. Was ist ihre Meinung dazu?
Mario Annoni: “Pius Knüsel hat sich in erster Linie im Rahmen des Forums Kultur und Ökonomie im April 2008 in Bern zur aktuellen Kulturförderung geäussert. Auf Wunsch der Veranstalter übernahm er die Rolle eines Provokateurs. Er lieferte eine bewusst einseitige Darstellung der aktuellen Probleme, um die Debatte in Gang zu bringen. Vom formellen Standpunkt aus gesehen hat das funktioniert.
Hinter den kritischen Anmerkungen von Pius Knüsel steckt allerdings kein Plädoyer für eine elitäre Kultur oder Kunst, wie Ihre Frage es unterstellt. Im Gegenteil, Pro Helvetia meidet die Versuchung des Elitarimus, weil der Begriff Elite häufig genug Privileg oder Privilegierung konnotiert. Wie auch, dass jene, die zur Elite gehören, es ohne weiteres Verdienst bleiben.
Dem Begriff Elite stellen wir den Begriff Talent gegenüber. Pro Helvetia praktiziert eine Förderpolitik, welche das Talent der Kulturschaffenden ins Zentrum rückt. Deshalb spricht Pius Knüsel von den Besten.
Ich habe keine grundsätzlichen Differenzen mit meinem Direktor. Wir diskutieren öfters Fragen der Kulturpolitik. Die Grundzüge dessen, was der Direktor öffentlich sagt, sind mit dem Präsidenten abgesprochen. Dagegen haben wir einige Differenzen, was die Form angeht. Pius Knüsel hat einen Hang zur Provokation, der manchmal irritiert. Doch jedem sein Stil!
Darüber hinaus ist Pius Knüsel ein ausgezeichneter Direktor mit einer beispielhaften Energie. Er erfreut sich des Vertrauens des Leitenden Ausschusses und der MitarbeiterInnen von Pro Helvetia. Die Stiftung ist gut geführt und das Arbeitsklima ausgezeichnet.”

Wie gross ist der Spielraum von Herrn Knüsel? Im Pro Helvetia Gesetz ist nicht ersichtlich, dass das Geld so breit gestreut werden muss; was unter ”Qualität” zu verstehen ist, wird dort nicht näher definiert. Ist Herr Knüsel für die von ihm angeprangerte Misere nicht auch selbst verantwortlich? Oder sind die 50% Zustimmungsrate bei der Projektförderung eine Vorgabe des Stiftungsrates?
“Um Ihre zweite Frage zu beantworten, müssen wir einen Blick auf die Organisation der Stiftung werfen. Diese ist durch das Gesetz und das Geschäftsreglement vorgegeben. Sie sieht vor, dass der Stiftungsrat sich in fünf Arbeitsgruppen (visuelle Künste, Musik, Literatur und Gesellschaft, Theater und Tanz, Interdisziplinär) teilt, welche über die Gesuche in den verschiedenen Disziplinen befinden. Sie werden dabei von den Spezialisten der Geschäftsstelle unterstützt, welche die Dossiers aufbereiten. Jeder Entscheid einer solchen Arbeitsgruppe gilt als Entscheid des gesamten Stiftungsrates (gesetzliche Kompetenzdelegation).
Die Stiftungsräte, welche sich in den Arbeitsgruppen zusammenfinden, sind Experten in ihrem Fachgebiet und wurden vom Bundesrat gewählt aufgrund ihrer Bekanntheit, ihrer Kompetenz und ihrer Erfahrung.
Der Direktor von Pro Helvetia leitet die Geschäftsstelle, diskutiert, berät, gibt Order an die Mitarbeiter. Der Direktor kann hingegen keine Entscheide fällen anstelle der Stiftungsräte, auch kann er erstere nicht gross beeinflussen, sind ihm die Stiftungsräte doch vorgesetzt. Die Zustimmungsrate von 50% ist keine Vorgabe, sie ergibt sich aus der Entscheidpraxis der fünf Arbeitsgruppen. Effektiv kann die Förderpraxis der Arbeitsgruppen nur durch Grundsatzentscheide des gesamten Stiftungsrates beeinflusst werden. Doch das ist aufwändig und zeitintensiv.
Die Funktionsweise von Pro Helvetia ist im Gesetz von 1965 geregelt. Sie hat noch immer Vorteile. Den Stiftungsrat zu leiten ist für mich zum Beispiele eine Bereicherung, weil seine Mitglieder sehr kompetent sind. Auch werden die Entscheide auf demokratische Weise gefällt.
Doch diese Struktur hat ihre Schwächen. Die offensichtlichste ist, dass es sehr schwierig ist, eine klare, einfach zu kommunizierende Förderpolitik zu entwickeln, welche den Bedürfnissen der Kulturschaffenden wie jenen der Politik entspricht. Eine solche Strategie zu entwickeln mit 25 Experten, welche die unterschiedlichsten Kulturen und Künste vertreten und häufig genug selbst kulturell produzieren, ist nahezu unmöglich.
Das ist einer der Gründe, weshalb Pro Helvetia ein neues Gesetz benötigt. Insbesondere muss das strategische Organ der Stiftung verkleinert werden, damit es kohärente Führungsinstrumente für die Stiftung entwickeln kann. Die Direktion benötigt erweiterte Management- und Entscheidkompetenzen, ohne dass sie mit dem Stiftungsrat in Konkurrenz tritt. Dafür benötigt sie qualifizierte Berater, welche sie in ihren Entscheidungen unterstützen.”

Wird der Stiftungsrat aufgrund der Kritik von Herrn Knüsel seine Vorgaben anpassen? Oder wartet man zuerst einmal auf das neue Gesetz?
“Pro Helvetia funktioniert gut und erfüllt ihre Aufgaben korrekt gemäss aktuellem Gesetz. Das künftige Gesetz wird die Stiftung tiefgreifend verändern und die Möglichkeit schaffen, eine neue Förderpolitik unter günstigeren Voraussetzungen zu entwerfen. Aber auch eine künftige Förderpolitik muss öffentlich diskutiert und verhandelt sowie mit den Kulturschaffenden verfeinert werden. Zuletzt braucht es einen Entscheid – der künftige Stiftungsrat wird dazu in der Lage sein.”

Zum Thema:
Pro Helvetia: Selbst Gegner kassieren
Kulturförderung: Wie die Quantität gefördert wird

Bühne, Politik


Marc Baumann arbeitet an Ticketzentrale für Zürich

Der frühere kaufmännische Leiter des Schauspielhauses, Marc Baumann, hat eine eigene Firma gegründet, wie dem Handelsregister zu entnehmen ist: die “Marc Baumann — Management & Consulting”. Der Start der Firma ist gesichert: Bei seinem Abgang letzten Herbst erhielt er u.a. die Zusicherung, dass er als Berater für mindestens 80′000 Franken Aufträge von der Stadt erhalten wird.
Wie man hört, sei das erste Projekt der “Marc Baumann — Management & Consulting” eine neue Lösung für die Billettzentralle (BiZZ) zu finden. Im Gespräch für eine neue Verkaufsstelle steht der 1. Stock im Warenhaus Globus. Ebenso arbeite er an einer zentralen Ticketlösung für alle Zürcher Kulturhäuser. Schwieriger als eine technische Lösung zu finden wird es wohl sein, die Kulturhäuser überzeugen zu können, die Kontrolle über ihren Kartenverkauf aus den Händen zu geben.

Politik


Pro Helvetia: Selbst Gegner kassieren

Daniele Muscionico beschreibt heute in der Weltwoche wunderbar pointiert die Auswüchse der Giesskannenförderung der Pro Helvetia. Als Ergänzung zu dem Artikel hier noch ein besonders schöner Fall.
Robert Nef, Präsident des Liberales Instituts in Zürich, äussert sich immer wieder gegen die nationale Kulturförderung und damit auch gegen eine Institution wie die Pro Helvetia — mit teilweise durchaus nachvollziehbaren Argumenten. Er spricht von “kaputtfördern” und findet, Subventionen seien nur auf lokaler bzw. regionaler Ebene zulässig. Nebenher gibt er noch die Schweizer Monatshefte heraus. Und: diese werden von der Pro Helvetia jährlich mit 10′000 Franken unterstützt.

Politik


Kräht der Hahn auf dem Mist…

Pro Helvetia-Direktor Pius Knüsel äussert sich heute im Tages-Anzeiger zur möglichen Integration des Pro-Helvetia-Gesetzes in das Kulturfördergesetz:

“Man könnte sagen, dies ist das Ende der Pro Helvetia. Es gibt aber auch eine andere Interpretation: Wenn die Kommission nun ein Konzept nachliefert, das die Autonomie der Pro Helvetia stärkt, dann ist die Fusion der beiden Gesetze keine Katastrophe.”

Etwas weiter hinten in der Zeitung steht etwas mit ähnlich hoher Aussagekraft:

“Mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit wird der Juni wärmer als normal.”

Politik


Kulturförderung: Wie die Quantität gefördert wird

Pro Helvetia Direktor Pius Knüsel kritisiert heute im Tages-Anzeiger, dass beim Schweizer System der Kulturförderung das Geld zu breit verteilt werde. Jeder bekomme ein Bisschen anstatt dass sich die Förderung auf die Besten konzentriert:

“Die Logik der Kleinbeiträge will es, dass die Produktion unterfinanziert bleibt; in der Regel fehlt ein Drittel. Aus der Vision wird auch hier ein pragmatischer Kompromiss des noch Machbaren. Und zuletzt ist keiner da, der die Spreu vom Weizen trennt, weil auch im Voraus schon keiner deutlich Stellung nehmen durfte.”

Stimmt. Aber das Problem liegt nicht nur darin, dass die Gelder zu breit gestreut werden, sondern auch, dass es in der Schweiz fast nur Geld gibt, wenn man ein neues Projekt präsentiert. Das heisst: wer Geld will, muss neu produzieren — je mehr Produktionen, desto mehr Geld. 
Das System fördert die Quantität statt die Qualität, auch innerhalb der Gruppen. Sich länger Zeit zu nehmen für eine Produktion, mit dem Ziel, das Stück dann über einen grösseren Zeitraum, auch an internationalen Festivals zu spielen, lohnt sich nicht. In der freien Szene ist es die Regel, dass jedes Stück nur wenige Male aufgeführt wird, dann kommt schon das nächste.
International erfolgreiche Gruppen arbeiten anders: die Stücke werden meist aufwändig produziert und dann über Jahre hinweg gezeigt. Geld gibt’s nicht in erster Linie fürs Produzieren, sondern für Einladungen an Festivals oder an Häuser.
Zu den wenigen Schweizer Gruppen, die nicht dem Schweizer Förderanreiz erlegen waren, gehörte Metzger/Zimmermann/dePerrot. Das höchst erfolgreiche Trio brachte in sieben Jahren Zusammenarbeit bloss drei Produktionen auf die Bühne, konnte diese aber dann weltweit zeigen. Nach Schweizer Massstab hätten die Gruppe ein oder zwei Produktionen pro Jahr auf die Bühne bringen müssen und wären wohl – wie die meisten Schweizer Gruppen – international unbeachtet geblieben.

Politik


Pro Helvetia: Wundersamer Sparerfolg

Nach der Affäre um die Ausstellung von Thomas Hirschhorn im Centre Culturel Suisse in Paris vor vier Jahren, wurde die Pro Helvetia wegen ihres hohen Administrationsaufwands kritisiert, der 37 Prozent des Gesamtbudgets ausmachte. Heute hat die Kulturstiftung den Jahresbericht 2007 präsentiert und schreibt in der Medienmitteilung von Administrationskosten von 14,7 Prozent. Wie ist dieser wundersame Sparerfolg möglich? Die Pro Helvetia hat zwar gespart, aber nicht über die Hälfte ihres Personals entlassen, wie das aufgrund dieser Zahl nötig gewesen wäre.
Die Lösung ist einfach: Die Berechnungsgrundlage hat sich geändert, wie die Pro Helvetia auf Nachfrage bestätigt. Früher zählten alle Personalkosten zur Administration. Heute werden jene Personalkosten, die für die Vorbereitung von Eigenproduktionen oder der Vermittlung von Künstlern anfallen den Produktionskosten zugerechnet. Nach alter Berechnungsgrundlage liegt der Administrationsaufwand heute noch immer bei 31,6 Prozent. Bei dem sinkenden Gesamtbudget der Pro Helvetia ist das noch immer eine beachtliche Einsparung – der wundersame Sparerfolg bleibt jedoch aus.

Bühne, Kunst/Museen, Politik


Sex-Casting: Neue Dimension im Fall Jean-Pierre Hoby

Vorgestern verschickte der Verwaltungsrat des Theater am Neumarkt folgende Mitteilung, gezeichnet von Thomas Wartmann, Verwaltungsratspräsident der Theater am Neumarkt AG:

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Diese Stellungnahme mutet etwas gar seltsam an, schliesslich weiss Thomas Wartmann genau, dass der Verwaltungsrat gemäss Vertrag der Direktion bei künstlerischen Belangen nicht reinreden darf. Auch die äusserst abschätzige Formulierung gegenüber dem Direktor Wolfgang Reiter hinterlässt ein ungutes Gefühl.
Verschickt wurde die Mitteilung als Word-Dokument. Ein Klick auf die Dokumenteneigenschaften zeigt:

hoby1.jpg

Unter ”Autor” steht nicht etwa “Thomas Wartmann”, sondern “Familie Hoby”. Dies lässt darauf schliessen: Jean-Pierre Hoby hat die Mitteilung selber geschrieben, auf seinem privaten Computer — und darunter den Namen Wartmann gesetzt.
Dass sich einige Kulturleute erdreisten, seinen Weisungen nicht umgehend Folge zu leisten, scheint Hoby dermassen in Rage zu bringen, dass ihm sämtliche Mittel recht sind. Zwar sitzt Hoby auch im Verwaltungsrat der Theater am Neumarkt AG und Thomas Wartmann dürfte vor dem Versand informiert worden sein, doch wirkt dies sehr nach eigenmächtigem, von Ressentiments geleitetem Handeln.

Zum Thema:
Der Fall Cabaret Voltaire wird zum Fall Jean-Pierre Hoby

Kunst/Museen, Politik


Der Fall Cabaret Voltaire wird zum Fall Jean-Pierre Hoby

“Neumarkt-Direktor Wolfgang Reiter geht im Sommer sowieso, und das ist gut so”, sagt Jean-Pierre Hoby, Kulturchef der Stadt, heute in 20Minuten. Im Tages-Anzeiger meint er: “Wenn Philipp Meier das Vertrauen von unserer Seite fehlt, wäre es besser, er würde künden.” Richtig ist eher: Jean-Perre Hoby wird bald pensioniert und das ist gut so.
Seine Verdienste für die Zürcher Kultur sind unbestritten: er hat in den letzten 20, 30 Jahren entscheidend dazu beigetragen, dass in der Kulturwüste Zürich eine blühende freie Szene entstanden ist. Er hat professionelle Förderstrukturen eingeführt, die noch immer sehr gut funktionieren. Aber: in letzter Zeit gebärdet er sich als Alleinherrscher, als Übervater, dem es zu gehorchen gilt, der öffentlich Disziplinarmassnahmen androht, der den Institutionen immer wieder in den Rücken fällt. Egal ob beim Cabaret Voltaire, bei der Shedhalle oder dem Theater am Neumarkt, wer sich nicht Hoby-konform verhält, muss damit rechnen, dass der Kulturchof die Institutionen öffentlich geisselt. Nicht nur das: selbst seinem Vorgesetzten, dem Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber, tanzt Hoby auf der Nase herum. Als beim Schauspielhaus Probleme auftauchten, sagte Hoby in der Zeitung grossmundig, er habe schon immer vor einer Anstellung Hartmanns gewarnt.
Hoby weiss, was gut ist für die Zürcher Kultur — und nur er. Der Fall Cabaret Voltaire ist längst zum Fall Jean-Pierre Hoby geworden. Er — nicht Philipp Meier — gefährdet die Volksabstimmung über das Weiterbestehen des Cabaret Voltaire. Wenn der Stadtpräsident noch etwas Gutes für die Zürcher Kultur machen möchte, dann schickt er Hoby möglichst rasch in die Frühpension.

Zum Thema:
Sex-Casting: Theater am Neumarkt bietet Asyl
Cabaret Voltaire: Schiesst Hoby Meier ab?
Ensuite Kolumne zur Situation in der Zürcher Kulturszene

Politik


Kulturschaffende fordern eigene Bevormundung

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB fordert eine “Verbesserung der sozialen Sicherheit der Kulturschaffenden” (pdf). Eine Forderung, die nicht ganz unberechtigt ist. Nur: wie soll man diese Sicherheit gewährleisten? Der Gewerkschaftsbund möchte, dass aus den Kulturschaffenden faktisch Staatsangestellte werden. Im Forderungskatalog sind lauter Punkte wie dieser aufgelistet:

Er [der Bund] zahlt von seinen direkten Förderungsbeiträgen an Kulturschaffende einen vom Bundesrat festzulegenden Prozentsatz an eine Vorsorgeeinrichtung. Er zieht den Beitragsempfängern ihren Beitragsanteil vom Beitrag ab und überweist diesen zusammen mit seinem Anteil an die Vorsorgeeinrichtung. 

Auch die Forderungen des Dachverbandes der Kulturschaffenden, Suisseculture, gehen in dieselbe Richtung. Die Kulturschaffenden wollen die eigene Bevormundung: Der Staat soll einen Teil der Subventionen zurückhalten, damit die Künstler nicht das ganze Geld verprassen.
Der SGB argumentiert mit einer “unfreiwilligen Selbständigkeit” der Kulturschaffenden. Als ob nicht viele Kulturschaffende gerade wegen der Selbständigkeit und Unabhängigkeit diesen Beruf gewählt hätten.

Zum Thema:
Prämie für Künstler, die aufgeben?

Politik


Kulturförderung: Bei Ablehnung rekurrieren

Werden Gesuche an Kulturförderstellen abgewiesen, so ist dies ähnlich schmerzhaft, wie wiederholte Absagen bei Jobbewerbungen. Einige Gesuchsteller lassen sich Absagen nicht gefallen und legen Rekurs ein. Jüngst hat jemand wegen eines Betrags von 10′080 Franken rekurriert, das Bundesverwaltungsgericht musste entscheiden — und gab dem Gesuchsteller recht. Somit wurde die Pro Helvetia zum zweiten Mal innert kurzer Zeit vom Gericht zurechtgewiesen.
Solche Urteile sind fatal. Müssen die Kulturfördergremien dauernd mit Rekursen rechnen, so wird der Aufwand, alles bis ins letzte Detail zu begründen, enorm. Der Anteil des Kulturgeldes, das für den Verwaltungsaufwand abgeht (bei der Pro Helvetia ca 30 Prozent), dürfte damit ansteigen. Kein Kulturschaffender kann daran ein Interesse haben.

Kunst/Museen, Politik


Marc Richs Geschenk im Kunsthaus

2001 unterzeichnete der damalige Stadtpräsident Josef Estermann einen Brief an den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, mit der Bitte, den Milliardär und Steuerbetrüger Marc Rich zu begnadigen. Einer der Hauptgründe für Estermanns Unterschrift kann demnächst im Kunsthaus betrachtet werden. In der Medienmitteilung heisst es:

“Die Marc Rich Collection, die der grosszügige Geschäftsmann aus Anlass des 150. Geburtstags der Fotografie 1989 dem Kunsthaus schenkte, bildet den Grundstock für den Sammlungsbereich der klassischen, künstlerischen Fotografie.”

Die Ausstellung mit Fotografien aus der Marc Rich Collection dauert vom 20. Juni bis zum 3. August.
Übrigens: das Geschenk zahlte sich für Rich aus, Clinton begnadigte ihn.

Kunst/Museen, Politik


Referendum gegen Cabaret Voltaire zustande gekommen

Rund 2100 Unterschriften hatte die SVP gegen den Kredit fürs Cabaret Voltaire gesammelt, 2000 wären nötig. Nun hat die Stadt die Unterschriften kontrolliert, die Anzahl ungültiger Unterschriften hielt sich in Grenzen, das Referendum ist somit zustande gekommen, wie SVP-Parteisekretät Bruno Sidler gegenüber kulturblog.ch bestätigt. Fürs Cabaret Voltaire heissts damit: Auf in den Abstimmungskampf. Damit im Herbst die Schlagzeile um die Welt geht: “Zürcher bevorzugen das Cabaret Voltaire dem Club of Rome”.

Politik


BAK will mehr erfolgsabhängige Kulturförderung

Die erfolgsabhängige Filmförderung habe sich bewährt und werde möglicherweise auf weitere Kultursparten, etwa die Literatur, ausgeweitet. Das sagte der Direktor des Bundesamts für Kultur (BAK), Jean-Frédéric Jauslin am Freitag an den Solothurner Filmtagen. Der Aufschrei aus Künstlerkreisen wird nicht lange auf sich warten lassen – obwohl eine partielle erfolgsabhängige Förderung in vielen Bereichen durchaus sinnvoll wäre.
Beim Film funktioniert die erfolgsabhängige Förderung folgendermassen: es wird umso mehr Geld ausbezahlt, je mehr Kinoeintritte ein Film verbuchen kann. Das Geld ist für Nachfolgeprojekte des Produktionsteams vorgesehen und wird dem Produzenten bzw. Regisseur erst ausbezahlt, wenn ein solches vorliegt. Die erfolgsabhängige Förderung ersetzt die bisherige Projektförderung nicht, sondern ergänzt sie bloss.
Dass Jauslin gerade die Literatur als möglicher Bereich für eine solche Förderung nennt, erstaunt jedoch. Das würde vor allem heissen, dass bereits sehr gut verdienende Bestsellerautoren wie Martin Suter oder Charles Lewinsky noch mehr Geld erhalten würden.
In der Musik oder dem Theater könnte eine erfolgsabhängige Förderung jedoch durchaus Positives bewirken – sofern unter Erfolg nicht einfach die Anzahl Zuschauer, sondern v.a. die Einladungen für Gastspiele an ausgewählten Häusern oder Festivals verstanden wird. Denn: Die heutige Förderpraxis setzt oft die falschen Anreize. In der freien Szene wird in der Regel die Höhe der Förderung für jedes Projekt im Vorfeld festgelegt, d. h., wer Geld verdienen möchte, muss in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Projekte machen. Da wird Quantität gefördert anstatt Qualität. Eine erfolgsabhängige Förderung könnte dies ändern — mit dem Nachteil, dass das Risiko für die Künstler erhöht wird.